Worte sind Schatten der Tat – Gebote für kluge Nutzer

Worte sind Schatten der Tat – Gebote für kluge Nutzer

„Das Wort ist der Schatten der Tat“ – das wusste schon der griechische Philosoph Demokrit. Daran zu erinnern, ist heute wichtiger denn je. Das hängt auch mit dem Bedeutungsverlust der herkömmlichen Massenmedien und dem Erstarken des Internets zusammen.

„Was denkbar ist, ist nun auch sagbar, was sagbar ist, ist irgendwann machbar“, sagte Nora Goldenbogen, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Dresden, nachdem ein antisemitisch eingestellter Mann in Halle zwei Menschen tötete. Dass es so weit kommen konnte, ist nicht zuletzt auch auf den enormen Bedeutungsverlust der alten Massenmedien, allen voran den Zeitungen, zurückzuführen. Damit ist ein zivilisatorischer Filter weggebrochen. Vorher Unsagbares wird im Netz sagbar. Gesetze, Normen und Werte – all das scheint in immer mehr Internetforen kaum mehr eine Rolle zu spielen. Doch wer nur auf das vermeintlich böse Internet verweist, macht es sich zu einfach. Denn das Netz sind wir alle, die wir täglich im Internet unterwegs sind. Wir alle können Vorbilder sein – im Positiven wie im Negativen.

Im Internetzeitalter ist der Nutzer nicht mehr nur Empfänger von Nachrichten, sondern auch ihr Produzent. Jedes Teilen einer Botschaft ist selbst eine Nachricht, jedes Liken einer politischen Haltung selbst eine politische Stellungnahme. Und jeder Kommentar im Netz kann am Ende auch die öffentliche Meinung beeinflussen – im Guten wie im Schlechten. Jeder trägt publizistische Verantwortung. Die folgenden Regeln sind Teil der Medienbildung an Schulen. Sie können aber auch den älteren Nutzern helfen, verantwortungsvoll im Netz unterwegs zu sein:

  1. Wir sind das Internet.

Alles, was man im Netz liest, schreibt und postet, fällt in die eigene Verantwortung.

  1. Raus aus der Blase.

Je umfassender man sich informiert, desto größer wird die eigene Autorität.

  1. Immer die andere Seite hören.

Vor Gericht wie auch im Netz gilt: Zu jeder Meinung gibt es eine Gegenmeinung.

  1. Nichts ungelesen weiterleiten.

Eine Nachricht, von der man nicht sicher weiß, dass ihre Quelle seriös ist und die Fakten stimmen, sollte man nicht weiterleiten. Dasselbe gilt für jedes Like, das man setzt.

  1. Gelassen bleiben.

Übertreibungen, Unterstellungen und persönliche Angriffe gehen gar nicht. Je sachlicher man argumentiert, desto größer ist die Glaubwürdigkeit.

  1. Persönlichkeit ist gefragt.

Anonymität ist meist Ausdruck von Schwäche – wer eine Meinung äußert, sollte sie mit seinem echten Namen bezeugen.

  1. Zeit ist Gold wert.

Jeder Post, jeder Tweet, jeder Kommentar muss noch einmal genau durchgelesen werden, bevor man ihn abschickt. Wurden alle genannten Grundsätze eingehalten?

Ein Beitrag zur Nachrichtenkompetenz gibt es hier.

Dirk Reelfs, Pressesprecher im Sächsischen Staatsministerium für Kultus

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