Demokratieerziehung: Klassenzimmer wird zum Gerichtssaal

Demokratieerziehung: Klassenzimmer wird zum Gerichtssaal

Sächsische Oberschulen stehen ab diesem Schuljahr verstärkt im Visier von Justizvertretern: Zusammen mit den Lehrkräften fördern sie in einem neuen Unterrichtsmodul das Verständnis der Schüler für demokratische, rechtliche und politische Prozesse.

Die Demokratieerziehung ist eine grundlegende Bildungsaufgabe der Schule. Mit der Entwicklung des Rechtskundemoduls wird nun ein Ziel des „Maßnahme-Pakets für ein starkes Sachsen“ des Sächsischen Kabinetts vom 4. März 2016 umgesetzt.  Dazu hatten das Kultus- und Justizministerium gemeinsam eine Arbeitsgruppe eingerichtet unter Beteiligung der Sächsischen Bildungsagentur und der Rechtsanwaltskammer Sachsen unter Federführung des Sächsischen Bildungsinstitutes.

Nun wurde das erste Modul „Umgang mit Wahrnehmung und Wahrheit“ für den Unterricht entwickelt und in einer Auftaktveranstaltung von Kultusministerin Brunhild Kurth und Justizminister Sebastian Gemkow vorgestellt. Bereits im laufenden Schuljahr wird das Unterrichtsmodul in der sechsten Klasse an den ersten 15 Oberschulen in Sachsen eingesetzt. Den Lehrkräften werden begleitende pädagogische Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt. Ab dem Schuljahr 2018/2019 soll das Modul allen Oberschulen zur Verfügung stehen.

Im Mittelpunkt steht der eigene Umgang mit Sinneswahrnehmungen, Wahrheit und Lüge. Die Schüler werden dabei mit ihrer subjektiven Wahrnehmung konfrontiert und sollen diese auf soziale Kontexte übertragen, wie beispielsweise die Begegnung mit anderen Menschen und deren „Wahrheiten“.

In Zeiten, in denen eigene Wahrheiten in homogenen Echokammern wachsen und die Auseinandersetzung mit den Wahrheiten anderer oft geprägt ist von Missgunst, Häme oder Ablehnung, sind die Diskussionen verschiedener Wahrheiten und damit einhergehende Dialogprozesse wichtiger denn je.

Kultusministerin Brunhild Kurth

Im ersten Modul simulieren die Schüler mit echten Juristen eine Gerichtsverhandlung und stehen dabei den unterschiedlichen Wahrheiten der Zeugen gegenüber. Die Schüler gewinnen somit einen Einblick in rechtliche Prozesse, die das Zusammenleben der Menschen im Sinne der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und den damit verbundenen Werten prägen.

Nur wer weiß, wie unser demokratischer Rechtsstaat funktioniert, wird sich mit ihm identifizieren und auch Verantwortung für dessen Fortbestand übernehmen.

Justizminister Sebastian Gemkow MdL

Die Umsetzung des Moduls gewährt eine aktive Auseinandersetzung mit den demokratischen Werten unserer Gesellschaft. Jeder Schüler ist aufgefordert, seine Meinung zu vertreten und diese mit humanen und rationalen Überzeugungen zu reflektieren. Diese Auseinandersetzung fördert den Erwerb von sozialer Kompetenz, um für sich und andere Verantwortung übernehmen zu können und damit die Zivilgesellschaft zu stärken.

Demokratie wird für die Schüler nachhaltig erfahrbar durch das Einbringen aktueller politischer Themen im Unterricht und das aktive Erleben einer demokratischen Schulkultur.

Durch das Erfahren von Werten im schulischen Alltag und Wertschätzung sowie das Reflektieren verschiedener Weltanschauungen und Wertesysteme entwickeln die Schüler individuelle Werte- und Normvorstellungen auf der Grundlage der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

In Kooperation mit Richtern, Staats- und Rechtsanwälten entwickeln Pädagogen derzeit drei weitere Unterrichtsmodule. So sind die Themenbereiche Zivilcourage, Menschen- und Völkerrecht für die Klassenstufen 7 und 8 geplant. Die Themen Strafrecht und wehrhafte Demokratie sollen den Oberschülern der Klassenstufen 9 und 10 zur Verfügung stehen. Auch diese Module werden in den Rahmen bestehender Schulfächer eingefügt, wie etwa Gemeinschaftskunde, Geschichte, Ethik, Evangelische Religion und Katholische Religion und sollen ab dem Schuljahr 2018/2019 ersten Oberschulen angeboten werden.

Bianca Schulz, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

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