{"id":9521,"date":"2021-11-01T08:30:17","date_gmt":"2021-11-01T07:30:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=9521"},"modified":"2021-11-10T10:34:44","modified_gmt":"2021-11-10T09:34:44","slug":"auf-sorbisch-unterrichten-wuznace-ke-korjenjam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2021\/11\/01\/auf-sorbisch-unterrichten-wuznace-ke-korjenjam\/","title":{"rendered":"Auf Sorbisch unterrichten \u2013 wuzna\u0107e ke korjenjam"},"content":{"rendered":"<p>Matej Mark studiert im vierten Semester Mathematik und Physik auf Lehramt an der Universit\u00e4t Leipzig \u2013 und ist mit Leidenschaft Sorbe.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Text: Bj\u00f6rn Sievers<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Entweder man ist stark in den Naturwissenschaften. Oder im Bereich der Sprachen. Oder man verbindet einfach beides auf ganz nat\u00fcrliche Weise \u2013 so wie der 22-j\u00e4hrige Matej Mark. Der geb\u00fcrtige Lausitzer kann definitiv gut mit Zahlen umgehen. Und seine Muttersprache ist Sorbisch. Beste Voraussetzungen f\u00fcr aktive Kulturvermittlung: als Gymnasiallehrer f\u00fcr Mathe und Physik \u2013 auf Sorbisch, versteht sich.<\/p>\n<p>Mathe und Physik auf Lehramt: anspruchsvoll, wenn auch nicht ganz so selten. Mit der Aussicht, beide F\u00e4cher sp\u00e4ter auf Sorbisch zu unterrichten, wird daraus eine noch attraktivere Kombination. Wir sprachen mit Matej Mark \u00fcber Mathematik, Physik und die M\u00f6glichkeiten seiner Muttersprache.<\/p>\n<h2>Matej, Mathematik und Physik \u2013 zwei spannende F\u00e4cher, noch dazu auf Lehramt. Ein Wunschstudium?<\/h2>\n<p>Das war ein l\u00e4ngerer Weg. Nach dem Abi steht man ja vor der Entscheidung: Ausbildung, Studium, freies Jahr, ins Ausland. Dass ich studieren wollte, war recht fr\u00fch klar, dass Mathematik dabei sein w\u00fcrde, auch. Lehramt stand im Raum, aber ich habe dann doch den Diplomstudiengang Mathematik angefangen. Und dann war alles anders. F\u00fcr mich war vorher Mathe immer etwas, das mir viel Spa\u00df macht, logisch aufgebaut und leicht zug\u00e4nglich ist. Das hat sich dann mit dem Studienstart doch etwas ver\u00e4ndert. Mathe in der Schule und Mathe im Studium sind zwei v\u00f6llig unterschiedliche Dinge. Ich bin da vier Semester lang wirklich gescheitert.<\/p>\n<h2>Was passierte dann?<\/h2>\n<p>Nach der Erfahrung habe ich mich nach einem neuen Studium umgesehen. Und bin wieder bei der Mathematik gelandet, aber eben im Lehramt, zusammen mit Physik, welche eng mit der Mathematik verbunden ist. So l\u00e4sst sich sch\u00f6n zeigen, was man mit Mathe so alles machen kann. Im Lehramt wird die Weitergabe des Stoffs, auch im Hinblick auf die eigene sp\u00e4tere Wissensvermittlung, ganz anders angepackt. Es geht eben auch um die Begeisterung f\u00fcr die Mathematik und darum, andere damit anzustecken. Das hat mir sofort gefallen. Mathe und Mathelehrer sind ja bei den meisten nicht sonderlich beliebt. Ich w\u00fcrde genau das gern \u00e4ndern, Leute mitrei\u00dfen und ihnen die Attraktivit\u00e4t dieses Fachs zeigen.<\/p>\n<h2>Bei dir kommt auch noch das Sorbische ins Spiel?<\/h2>\n<p>Genau, ich stamme aus Neu-Lauske in der Lausitz. Ich wollte einfach nie so richtig dort weg, das war mir immer schon wichtig. Die ganze Kultur, die Volksverbundenheit, das Miteinander \u2013 die sorbische Sprache spielt da eine ganz zentrale Rolle, auch im normalen Alltag. Dazu geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch die Wissensvermittlung in der Schule. Auf diese Weise l\u00e4sst sich gerade auch an den Schulen die Sprache und damit die Kultur lebendig halten, das wird dann bei mir in den F\u00e4chern Mathe und Physik hoffentlich der Fall sein.<\/p>\n<h2>Brauchst du sp\u00e4ter f\u00fcr das Unterrichten eine Art Nachweis \u00fcber deine sorbische Sprachkompetenz?<\/h2>\n<p>Als Muttersprachler brauche ich keinen Nachweis, aber sp\u00e4testens in einem Bewerbungsgespr\u00e4ch muss man seine eigene Sprachkompetenz nachweisen und mit dem Fachlichen zusammenbringen. Es gibt au\u00dferdem Bem\u00fchungen des Sorbischen Schulvereins, sich gezielt in bestimmte Gegenden versetzen zu lassen, ein wenig Steuerung ist da aufgrund der besonderen Stellung der sorbischen Minderheit auch m\u00f6glich. Au\u00dferdem k\u00f6nnen Quereinsteiger aus dem slawischen Sprachraum Sorbisch mit einem entsprechenden Nachweis unterrichten. Daf\u00fcr gibt es spezielle Kurse vom Landesamt f\u00fcr Schule und Bildung.<\/p>\n<h2>Wie oft sprichst du sorbisch?<\/h2>\n<p>(lacht) Das kommt auf mein Gegen\u00fcber an. Aber schon oft. In der Familie definitiv sorbisch, im Studium meist deutsch, weil wir da zu wenige sind, die Sorbisch k\u00f6nnen. In Leipzig gibt es aber noch einen Studentenverein, die Sorabija, da sprechen wir untereinander sorbisch. Das ist dann so ein sch\u00f6nes kleines St\u00fcck Heimat. Hier in Leipzig an der Uni sind wir so ungef\u00e4hr 45 Leute, das ist schon gar nicht schlecht. Wir haben sogar zwei sorbische Etagen in einem Wohnheim.<\/p>\n<h2>Hast du Verbindungen zum Institut f\u00fcr Sorabistik an der Uni Leipzig?<\/h2>\n<p>Wir tauschen uns auf alle F\u00e4lle aus, aber eher informell, zwischen interessierten Studierenden, da geht es um Sprachentwicklung und -geschichte, das ist spannend. Aber durch den dortigen Fokus auf Sorabistik gibt es da keine offiziellen Verbindungen.<\/p>\n<h2>Gibt es eigentlich auch neue sorbische Worte, zum Beispiel f\u00fcr digitale Technologien?<\/h2>\n<p>Schon, aber das braucht alles viel zu lange Zeit, um sich durchzusetzen, da sind auch die Sorben pragmatisch und nutzen eher die international \u00fcblichen, englischen Bezeichnungen. Es gab im letzten Jahr \u00bbDas sorbische Wort des Jahres\u00ab, ein Begriff f\u00fcr Smartphone (das umgangssprachliche \u00bb\u0161m\u00f3ratko\u00ab hergeleitet vom Wort \u00bb\u0161m\u00f3ra\u0107\u201d (schmieren) \u2013 Anm. d. Redaktion). Das Problem ist, es nutzt einfach niemand \u2013 und wenn, dann eher als Fingerzeig, dass es da doch auch ein eigenes Wort g\u00e4be. Das hat aber mit dem Alltag nichts zu tun.<\/p>\n<h2>Wie gef\u00e4llt dir Leipzig?<\/h2>\n<p>Das ist schon so, wie ich es mir vorgestellt hatte: recht gro\u00df, aber doch \u00fcberschaubar und es gibt hier (wie in Dresden auch) sorbische Vereine. Es gibt nat\u00fcrlich auch Leute, die wollen sich ihren Kreis komplett neu aufbauen, das geht hier mit Sicherheit prima. Ich wollte die Verbindung zur Heimat beibehalten, das klappt ebenfalls richtig gut.<\/p>\n<h2>Weitere Informationen zum Lehrerberuf in Sachsen und Schulf\u00e4chern auf Sorbisch<\/h2>\n<p>Lehrerinnen und Lehrer mit Sorbisch als Muttersprache k\u00f6nnen verschiedene Schulf\u00e4cher auf Sorbisch unterrichten. <a href=\"https:\/\/www.lasub.smk.sachsen.de\/bautzen-3967.html\">Ansprechpartner ist hier das Landesamt f\u00fcr Schule und Bildung in Bautzen<\/a>.<\/p>\n<p>Quereinsteiger aus dem slawischen Sprachraum k\u00f6nnen unter gewissen Bedingungen ebenfalls auf Sorbisch unterrichten. <a href=\"https:\/\/www.lasub.smk.sachsen.de\/sorbische-sprachschule-4255.html\">Hier bietet das Landesamt f\u00fcr Schule und Bildung Weiterbildungsangebote im Rahmen seiner Sorbischen Sprachschule an<\/a>.<\/p>\n<p>Alle Informationen zum #<strong>LehrerwerdeninSachsen<\/strong> gibt es auf unserer Webseite: <a href=\"https:\/\/www.lehrerbildung.sachsen.de\/lehrerwerden.htm\">www.lehrer-werden-in-sachsen.de<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matej Mark studiert im vierten Semester Mathematik und Physik auf Lehramt an der Universit\u00e4t Leipzig \u2013 und ist mit Leidenschaft Sorbe.<\/p>\n","protected":false},"author":138,"featured_media":9531,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,67,241],"tags":[36,322,656,407,62,129],"class_list":["post-9521","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bildungspolitik","category-lehrer","category-seiteneinsteiger","tag-lehrer","tag-lehrer-werden-in-sachsen","tag-lehrerin","tag-sachsen","tag-schule","tag-sorbisch"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9521","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/138"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9521"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9521\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9532,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9521\/revisions\/9532"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9531"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9521"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9521"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9521"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}