{"id":9099,"date":"2021-05-21T08:45:08","date_gmt":"2021-05-21T06:45:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=9099"},"modified":"2021-05-25T13:36:26","modified_gmt":"2021-05-25T11:36:26","slug":"neustartschule-neue-handreichung-zum-umgang-mit-der-pandemie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2021\/05\/21\/neustartschule-neue-handreichung-zum-umgang-mit-der-pandemie\/","title":{"rendered":"NeustartSchule: Neue Handreichung zum Umgang mit der Pandemie"},"content":{"rendered":"<p>Wie kann Schule mit den Belastungen der Corona-Pandemie umgehen? Das zeigt die neue Handreichung \u00bbNeustartSchule. Die Wiederbegegnung in der Schule gestalten.\u00ab. Ein Interview mit Walter Henckel vom Theaterp\u00e4dagogischen Zentrum Sachsen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Text: Ralf Seifert<\/strong><\/p>\n<h2>Das Theaterp\u00e4dagogische Zentrum Sachsen wurde 2001 gegr\u00fcndet. Was ist das f\u00fcr eine Einrichtung und wo sind deren Schnittstellen zu schulischen Themen?<\/h2>\n<p>Strukturell ist das Theaterp\u00e4dagogische Zentrum Sachsen, kurz TPZ Sachsen, so aufgestellt, dass es einmal den Bereich der \u00e4sthetischen und k\u00fcnstlerischen Arbeit und andererseits den Bereich Forumtheater sowie soziale und Schulprojekte gibt. Die t\u00e4gliche Arbeit ist im Bereich der Kulturellen Bildung zu verorten.<\/p>\n<p>Das TPZ Sachsen wurde von freiberuflichen Theaterp\u00e4dagogen und Lehrenden, die sich f\u00fcr das Fach Darstellendes Spiel in Sachsen engagierten, gegr\u00fcndet. Damit war von Beginn an eine Schnittstelle zur Schule gegeben.<\/p>\n<p>Heute bearbeiten wir den ganzen Bereich der politischen, kulturellen und sozialen Bildung, was ja gleichzeitig Querschnittsaufgaben von Schule ist, nicht nur bezogen auf die jeweiligen Unterrichtsf\u00e4cher. Wir werden dem gerecht mit Projekten im Bereich Weltoffenes Sachsen, im Rahmen der Umsetzung des Handlungskonzeptes \u00bbW wie Werte\u00ab und zur Drogenpr\u00e4vention, Werkst\u00e4tten, Beratungen und mit Klassenzimmerst\u00fccken.<\/p>\n<h2>Seit der Gr\u00fcndung arbeiten Sie mit der Methode Forumtheater. Die Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung spricht dabei von einer \u00bbMethode des Empowerments\u00ab, die zum Ziel hat, \u00bbeine benachteiligte Gruppe zu bef\u00e4higen, die eigenen Interessen und Ziele zu formulieren und daf\u00fcr einzustehen\u00ab. K\u00f6nnen Sie aus Ihren Erfahrungen an s\u00e4chsischen Schulen beispielhaft erkl\u00e4ren, um welche Formen von Benachteiligung es dabei geht und wie L\u00f6sungsans\u00e4tze aussehen k\u00f6nnen?<\/h2>\n<p>Wir treffen an den Schulen auf eine gro\u00dfe Heterogenit\u00e4t im Sozialen und in der Erziehung, das schl\u00e4gt sich in den Zug\u00e4ngen zu Bildung nieder. Das Thema Migration ist auch eher von der sozialen Seite her zu sehen. L\u00f6sungsans\u00e4tze im Gro\u00dfen k\u00f6nnen nur systemisch sein. Wichtig ist aber f\u00fcr uns, im Hier und Jetzt uns mit der Realit\u00e4t auseinanderzusetzen, dabei spielt tats\u00e4chlich die Erm\u00e4chtigung des Einzelnen \u2013 auch im Kontext der Gruppe bzw. Klasse \u2013 eine wesentliche Rolle.<\/p>\n<p>Forumtheater ist eine sehr basale Methode, das hei\u00dft: Sie setzt am Leben und den Interessen der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler an. Sie bietet damit einen offenen Raum, indem die Lernenden angeregt werden, sich \u00fcber ihre Interessen und Konflikte im Klassenverband und ihren Schulalltag zu artikulieren. Unsere Erfahrung ist, dass die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler dieses Gespr\u00e4chs- und Spielangebot gerne nutzen.<\/p>\n<p>In den Blick kommt dabei die Wahrnehmung des Anderen wie auch die Wahrnehmung eigener Bed\u00fcrfnisse. Durch diesen methodisch offenen Ansatz kommen Benachteiligungen, beziehungsweise manchmal sind es auch \u00bbnur\u00ab subjektiv empfundene Benachteiligungen, zur Sprache. Im Mittelpunkt stehen dabei zum Beispiel folgende Themen: 1. Umgang mit dem Anderen\/Fremden, zum Beispiel Vorurteile gegen\u00fcber Klassenmitgliedern, Au\u00dfenseiter in der Klasse, Umgang mit St\u00f6renden und dominanten Gruppen innerhalb des Klassenverbandes. 2. Frustrationstoleranz \u2013 Wie kann ich mit \u00c4rger, Wut, Traurigkeit umgehen? 3. Solidarit\u00e4t\/Freundschaft \u2013 Wie k\u00f6nnen wir uns besser helfen? Konflikte mit Lehrenden \u2013 wie ist Selbstwirksamkeit umzusetzen \u2013 wie k\u00f6nnen wir als Klasse besser kommunizieren?<\/p>\n<p>Entscheidend bei der Forumtheatermethode ist immer, dass eine L\u00f6sung gesucht und gefunden wird. Und zwar lernen die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die benachteiligt werden, von ihren Mitlernenden, denn diese versetzen sich in die Lage des bzw. der Betroffenen und werden so angeregt, konfliktl\u00f6sende Verhaltensweisen zu suchen. Dies geschieht immer im konkreten bildhaften, spielerischen Darstellung der L\u00f6sung, die so ihre Tauglichkeit unter Beweis stellt. Die Methode funktioniert im Klassenverband ab Klasse f\u00fcnf.<\/p>\n<h2>In einer im April 2021 ver\u00f6ffentlichten Studie des Ifo-Institutes zum Alltag von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern in der Pandemie hei\u00dft es: \u00bbAuch die psychische Belastung nimmt mit der L\u00e4nge der Pandemie zu. W\u00e4hrend des ersten Lockdowns gaben 38 Prozent der Kinder an, dass die Schulschlie\u00dfungen eine gro\u00dfe psychische Belastung f\u00fcr sie seien \u2013 ein Jahr sp\u00e4ter stimmen dieser Aussage mehr als die H\u00e4lfte der Befragten zu.\u00ab Welche Erfahrungen haben Sie w\u00e4hrend der letzten 14 Monate im Umgang mit den Schulen gemacht?<\/h2>\n<p>Unsere ganz konkreten Erfahrungen beschr\u00e4nken sich coronabedingt auf den Zeitraum von Ende August bis Mitte Oktober 2020 \u2013 nur hier war es wieder m\u00f6glich, direkt in der Schule bzw. au\u00dferhalb der Schule mit dem Klassenverband zu arbeiten. Unser Kontakt beschr\u00e4nkte sich ausschlie\u00dflich auf E-Mails und in seltenen F\u00e4llen auf Telefonate mit den Lehrenden bzw. Schulsozialarbeitern.<\/p>\n<p>Um hier den Kontakt zu pflegen, haben wir bereits im Mai 2020 eine erste Handreichung f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte \u00bbWie werde ich meiner Klasse wieder begegnen \u2013 Umgang mit den Belastungen der Corona-Krise?\u00ab ausgearbeitet. Im Wissen darum, dass jede Lehrkraft im Konflikt steht, einerseits den Lernstoff nun wieder aufzuholen, andererseits auch die emotionalen und sozialen Folgen des Lockdowns f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler wie auch f\u00fcr sich selbst zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>In den Gespr\u00e4chen und Mails war und ist der Druck, unter dem viele stehen, sehr zu sp\u00fcren. \u00dcber Verb\u00e4nde und Sozialeinrichtungen erhalten wir auch Nachrichten \u00fcber die Situation vieler Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler \u2013 das deckt sich mit den Studien. Viele Lehrende und Mitarbeitende der Schulsozialarbeit waren dankbar f\u00fcr diese auch spielerisch aufbereitete Handreichung \u2013 uns erreichten aber auch einige R\u00fcckmeldungen, dass f\u00fcr dieses Anliegen der Aufarbeitung keine Zeit zur Verf\u00fcgung stehe.<\/p>\n<p>Wir sind sehr gespannt, wie es sein wird, wenn wir nach diesem langen zweiten Lockdown wieder in Schulen mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern arbeiten k\u00f6nnen, inwieweit die Folgen von Corona sp\u00fcrbar sind.<\/p>\n<h2>Ihre neue Handreichung \u00bbNeustartSchule. Die Wiederbegegnung in der Schule gestalten.\u00ab zeigt eine m\u00f6gliche Umgangsweise mit den Belastungen der Pandemie auf. Was bieten Sie den Lehrkr\u00e4ften und Schulsozialarbeitenden damit?<\/h2>\n<p>Die Handreichung soll vor allem eine Ermutigung f\u00fcr Lehrende, Schulsozialarbeitende und Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sein. Sie nimmt die Zeit und die Erfahrungen von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern \u2013 aber auch Lehrenden \u2013 im Lockdown in den Blick. Das hei\u00dft: Sie beleuchtet die Erfahrungen, die jetzt im Hintergrund noch immer wirksam sind. Beispielsweise musste jeder \u00fcber einen langen Zeitraum seine Tagesstruktur neugestalten, jeder konnte seine Freunde nur eingeschr\u00e4nkt treffen, jeder verbrachte mehr Zeit zu Hause in seiner Familie. Diese gezwungenerma\u00dfen erlebten Wandlungsvorg\u00e4nge wurden unterschiedlich bew\u00e4ltigt, f\u00fcr die Mehrzahl der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler war es wohl eine gro\u00dfe Belastung und Verunsicherung, die nun \u2013 so unsere These \u2013 in den Schulalltag hineinwirkt.<\/p>\n<p>Die Handreichung soll Lehrende und Schulsozialarbeitende best\u00e4rken, denn sie haben mit den zehn angesprochenen Themenkomplexen ein Instrumentarium in der Hand, das ihnen erm\u00f6glicht zu sehen, was in ihren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen innerlich vorgeht, womit diese besch\u00e4ftigt sind. Damit kann es angesprochen und mittels spielerischen Angeboten umgesetzt werden \u2013 das werden die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler als entlastend empfinden, was ihnen wieder erm\u00f6glicht im Schulalltag anzukommen.<\/p>\n<p>Die Handreichung muss nicht in G\u00e4nze umgesetzt werden, das ist abh\u00e4ngig vom Befinden der jeweiligen Klasse, es kann auch sein, dass nur ein oder zwei Themen eine Relevanz haben. Nichtsdestotrotz sind wir der Meinung, dass wir mit den zehn Bereichen existentielle Themen von Kindern und Jugendlichen ansprechen, die aus unserer Sicht immer eine G\u00fcltigkeit haben und so den Hintergrund eines erfolgreichen Schullebens bilden.<\/p>\n<h2>Welche Schulen k\u00f6nnen sich an Sie wenden, wenn sie an den Methoden und didaktischen Konzepten des Theaterp\u00e4dagogischen Zentrums Sachsen bzw. einer Zusammenarbeit interessiert sind?<\/h2>\n<p>Wir sind f\u00fcr alle Schularten und Schulformen ohne Altersbeschr\u00e4nkung offen und bieten die gesamte Palette \u2013 also Werkst\u00e4tten und Projekte zur musischen, kulturellen, sozialen und politischen Bildung \u2013 an. Allerdings eignet sich die Methode Forumtheater f\u00fcr eine Grundschule erst ab Klasse drei und hier auch nur f\u00fcr eine kleine Gruppe von etwa sieben Kindern. Im Altersbereich Vorschule und Grundschule f\u00fchren wir aktuell mit F\u00f6rderung durch das S\u00e4chsische Staatsministerium f\u00fcr Wissenschaft, Kultur und Tourismus das Forschungsprojekt \u00bbTiKtak \u2013 Theater in der Kindheit\u00ab durch, um Strategien und Methoden f\u00fcr theaterp\u00e4dagogische Arbeit in der Kindheit zu erforschen, zu entwickeln und zu vermitteln.<\/p>\n<p>\u00dcber das Interesse von Schulen an unserer Arbeit und m\u00f6glichen Kooperationen w\u00fcrden wir uns sehr freuen. Gern suchen wir hier gemeinsam in unserem Portfolio, entwickeln aber auch je nach Bedarf und Interesse Projekte oder Werkst\u00e4tten und suchen gemeinsam nach Finanzierungsm\u00f6glichkeiten, sollte die Zusammenarbeit nicht innerhalb eines unserer gef\u00f6rderten Projekte m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p>Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des <a href=\"http:\/\/www.tpz-sachsen.de\">TPZ Sachsen<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/NeustartSchule_TPZ-Sachsen.pdf\">Handreichung: NeustartSchule. Die Wiederbegegnung in der Schule gestalten.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kann Schule mit den Belastungen der Corona-Pandemie umgehen? Das zeigt die neue Handreichung \u00bbNeustartSchule. Die Wiederbegegnung in der Schule gestalten.\u00ab. 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