{"id":9041,"date":"2021-04-21T12:40:06","date_gmt":"2021-04-21T10:40:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=9041"},"modified":"2021-04-28T10:59:30","modified_gmt":"2021-04-28T08:59:30","slug":"juedisches-leben-in-sachsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2021\/04\/21\/juedisches-leben-in-sachsen\/","title":{"rendered":"J\u00fcdisches Leben in Sachsen"},"content":{"rendered":"<p>Was macht eigentlich der Beauftragte der S\u00e4chsischen Staatsregierung f\u00fcr das J\u00fcdische Leben? Wir haben mit Dr. Thomas Feist \u00fcber seine Aufgaben und die neue Brosch\u00fcre \u00bbJ\u00fcdisches Leben in Sachsen\u00ab gesprochen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Text: Ralf Seifert<\/strong><\/p>\n<h2>Sie sind der Beauftragte der S\u00e4chsischen Staatsregierung f\u00fcr das J\u00fcdische Leben. Was sind Ihre Aufgaben? Und womit besch\u00e4ftigen Sie sich aktuell?<\/h2>\n<p>Meiner Arbeit liegt eine Konzeption zu Grunde, nach der ich ressort\u00fcbergreifend in den Arbeitsfeldern Situationsanalyse, Vernetzung staatlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure und Konzeption von Begegnungs- und Bildungsangeboten im Freistaat t\u00e4tig bin. Ich kann mich im Rahmen von Anh\u00f6rungen bei Gesetzes-, Verordnungs- und sonstigen wichtigen Vorhaben der Staatsministerien einbringen und nehme an Bund-L\u00e4nder-Sitzungen der Beauftragten teil.\u2004Einmal j\u00e4hrlich unterrichte ich das Kabinett \u00fcber die Ergebnisse meiner T\u00e4tigkeit und benenne Handlungsbedarfe, die sich aus meinen Erkenntnissen ergeben. Dar\u00fcber hinaus koordiniere und organisiere ich Ma\u00dfnahmen, die auf den Abbau von Antisemitismus gerichtet sind und erstelle Empfehlungen zur Antisemitismuspr\u00e4vention. Momentan richtet sich mein Hauptaugenmerk darauf, die Herausforderungen f\u00fcr die F\u00f6rderung j\u00fcdischen Lebens in Sachsen und die notwenigen Ma\u00dfnahmen zur Antisemitismuspr\u00e4vention und -bek\u00e4mpfung in die Diskussionen zum Haushaltsaufstellungsverfahren des S\u00e4chsischen Landtages einbringen, damit diese wichtige Arbeit auch angesichts der besonderen finanziellen Herausforderungen des Freistaates nicht ins Hintertreffen ger\u00e4t.<\/p>\n<h2>Sie haben eine Brosch\u00fcre \u00bbJ\u00fcdisches Leben in Sachsen\u00ab erstellt, die die Vielfalt des j\u00fcdischen Lebens abbilden soll. In der Brosch\u00fcre werden zahlreiche Akteure vorgestellt, die gr\u00f6\u00dftenteils dem \u00bb Netzwerk J\u00fcdisches Leben in Sachsen\u00ab angeh\u00f6ren. Was ist das f\u00fcr ein Netzwerk und welche Ziele verfolgt es?<\/h2>\n<p>Das Netzwerk wurde Ende 2019 ins Leben gerufen und bringt eine Vielzahl zivilgesellschaftlicher Akteure zusammen, die sich den Themen F\u00f6rderung j\u00fcdischen Lebens in Sachsen sowie Antisemitismuspr\u00e4vention und -bek\u00e4mpfung verschrieben haben. Es gibt circa 50 solcher Vereine und Initiativen in Sachen, viele davon sind seit mehreren Jahren aktiv und arbeiten in der Regel ehrenamtlich. Sie sind wichtige Partner der j\u00fcdischen Gemeinden in Sachsen und tragen ma\u00dfgeblich zur Vermittlung von Wissen \u00fcber j\u00fcdische Religion und Kultur im Freistaat bei. Der Netzwerkgedanke richtet sich vor allem auf eine Koordination der Angebote, die Vermeidung von Doppelstrukturen und die R\u00fcckmeldung der Akteure aus ihrer Arbeit vor Ort. Letzteres ist f\u00fcr mich ein wichtiger Faktor in der Bewertung und Gewichtung von staatlichen Ma\u00dfnahmen hinsichtlich ihrer Zielgenauigkeit und Effektivit\u00e4t.<\/p>\n<h2>Die Brosch\u00fcre wird in den Kontext des Festjahres \u00bb1700 Jahre j\u00fcdisches Leben in Deutschland\u00ab gestellt. Was genau wird damit gefeiert und wie sieht ein Festjahr in Zeiten von Corona aus?<\/h2>\n<p>Wir feiern in diesem Jahr die urkundlich erste Erw\u00e4hnung j\u00fcdischen Lebens in Deutschland. Nat\u00fcrlich ist die Gestaltung eines Festjahres in Pandemiezeiten eine besondere Herausforderung, da viele interaktive Formate wie musikalische Auff\u00fchrungen, Workshops, Diskussionsrunden und \u00e4hnliches nicht in der geplanten Form durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Die Kreativit\u00e4t der Veranstalter hat jedoch neue, internetbasierte Formen gefunden, die es zumindest zum Teil erm\u00f6glichen, das Thema in Sachsen noch st\u00e4rker in die Gesellschaft hinein zu multiplizieren. Und einige dieser neuen Formate bringen auch Zug\u00e4nge, die vorher nicht denkbar schienen.<\/p>\n<h2>Sie schreiben in Ihrem Gru\u00dfwort, dass sich oft \u00bbj\u00fcdische Wissenschaftler, K\u00fcnstler und Unternehmer\u00ab um das Gemeinwesen in Sachsen verdient gemacht haben. K\u00f6nnen Sie uns Beispiele geben, die Sie besonders beeindrucken?<\/h2>\n<p>Die Universit\u00e4t Leipzig hatte \u00fcber Jahrhunderte als Landesuniversit\u00e4t eine besondere Anziehungskraft. Hier studierten eine ganze Reihe sp\u00e4ter sehr erfolgreicher Wissenschaftler, darunter Martin Buber, \u00c9mile Durkheim und Edmund Husserl. Als dieser Universit\u00e4t verpflichtete Lehrkr\u00e4fte fallen mir Hans Mayer und Ernst Bloch ein. Leipzig war zudem das Zentrum der b\u00fcrgerlichen Musikkultur mit Felix Mendelssohn-Bartholdy als prominentestem Vertreter. Aber auch die Synagogenmusik hatte hier ein k\u00fcnstlerisches Zentrum. Namen wie Louis Lewandowski, Samuel Lampel und Salomon Jadassohn w\u00e4ren hier zu nennen. Nicht zu vergessen der vorausschauende Dresdner Literat Victor Klemperer mit seinem Werk \u00bbLTI\u00ab, David Theodor Heine, Mitbegr\u00fcnder der Satirezeitschrift \u00bbSimplicissimus\u00ab, der Operettenstar Richard Tauber und seine Interpretation von Leh\u00e1rs \u00bbDein ist mein ganzes Herz\u00ab, der als Stefan Heym bekannt gewordene Helmut Flieg aus Chemnitz oder sein ebenfalls aus Chemnitz stammender Kollege Rudolf Leder, der unter dem Pseudonym Stephan Hermlin bekannt ist. Erw\u00e4hnenswert auch der in Leipzig geborene Johannes (Hanns) Eisler, Sch\u00f6pfer der DDR-Nationalhymne. Als herausgehobene j\u00fcdische Unternehmer in Sachsen kann man die Gebr\u00fcder Schocken, die Br\u00fcder Ury oder die Familie Tietz nennen, die die ersten Kaufh\u00e4user er\u00f6ffneten, den Musikverleger Henri Hinrichsen, Maximilian Elb, den Erfinder des Rostl\u00f6sers \u00bbCaramba\u00ab oder die Gebr\u00fcder Arnold, die durch ihre Investitionen Brauereien wie Feldschl\u00f6sschen oder Radeberger erm\u00f6glichten. Daneben sind einige Wirtschaftszweige, die unseren Freistaat stark machten, ohne j\u00fcdische Unternehmer nicht denkbar. Genannt seien hier der Bergbau, der Pelzhandel, die Spinnerei- und Textilindustrie, Seifen-, Schuhcreme- und Parf\u00fcmherstellung, die Zigarettenindustrie oder auch die Uhren- und Glasbranche. Unbedingt erw\u00e4hnenswert: der erste s\u00e4chsische Ministerpr\u00e4sident war Georg Gradnauer. Ein Jude.<\/p>\n<h2>In Ihrem zweiten Bericht, der in der Kabinettssitzung am 7. Juli 2020 behandelt wurde, wenden Sie sich mit Handlungsempfehlungen an die Staatsregierung. Welche Rolle nehmen dabei s\u00e4chsische Schulen ein?<\/h2>\n<p>In der Tat nimmt der Bildungsbereich in meinem Bericht eine wichtige Rolle \u2013 vom Umfang und vom Inhalt her \u2013 ein. Mit dem Landesamt f\u00fcr Schule und Bildung und dessen Pr\u00e4sidenten bin ich sowie der mich und meine Arbeit begleitende Expertenrat in einem kontinuierlichen und konstruktiven Dialog. Ein wichtiger Meilenstein f\u00fcr die j\u00fcdischen Gemeinden in Sachsen war die Einf\u00fchrung des j\u00fcdischen Religionsunterrichts als ordentliches Lehrfach. Mein Einsatz gilt zudem der st\u00e4rkeren inhaltlichen Verkn\u00fcpfung der Schulen mit au\u00dferschulischen Bildungstr\u00e4gern und deren p\u00e4dagogischen Angeboten. Bildung h\u00f6rt ja nicht an der Schult\u00fcr auf, sie braucht Verbindung zu dem, was wir nichtformales und lebenslanges Lernen nennen. Ein weiteres wichtiges Thema ist f\u00fcr mich die Einbindung regionaler Lernorte, die j\u00fcdisches Leben und j\u00fcdischer Kultur-, Geistes- und Regionalgeschichte noch wirksamer mit dem Unterrichtsstoff verzahnen helfen. Fest steht f\u00fcr mich: Wir m\u00fcssen mit unseren Bildungsangeboten \u2013 seien sie auf das Kennenlernen j\u00fcdischer Geschichte, Kultur und Gegenwart oder auf Antisemitismuspr\u00e4vention ausgerichtet \u2013 m\u00f6glichst alle Heranwachsenden erreichen. Das geht nicht ohne die Einbindung unserer Schulen und nat\u00fcrlich auch die Fortbildung unserer Lehrkr\u00e4fte. Dabei ist das Kultusministerium f\u00fcr mich ein starker Partner \u2013 und das sage ich nicht nur, weil meine Gesch\u00e4ftsstelle dort angesiedelt ist.<\/p>\n<p>Weitere Informationen zum Beauftragter der S\u00e4chsischen Staatsregierung f\u00fcr das J\u00fcdische Leben finden sie <strong><a href=\"http:\/\/www.smk.sachsen.de\/beauftragter-der-saechsischen-staatsregierung-fuer-das-juedische-leben-4124.html\">hier<\/a><\/strong>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Broschuere-Juedisches-Leben-in-Sachsen.pdf\">Brosch\u00fcre \u00bbJ\u00fcdisches Leben in Sachsen\u00ab<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was macht eigentlich der Beauftragte der S\u00e4chsischen Staatsregierung f\u00fcr das J\u00fcdische Leben? 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