{"id":8535,"date":"2020-11-20T10:30:03","date_gmt":"2020-11-20T09:30:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=8535"},"modified":"2020-11-27T16:26:01","modified_gmt":"2020-11-27T15:26:01","slug":"beleidigungen-im-klassenchat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2020\/11\/20\/beleidigungen-im-klassenchat\/","title":{"rendered":"Beleidigungen im Klassenchat"},"content":{"rendered":"<p>Cybermobbing ist auch in Sachsens Schulen Thema. Das Lessing Gymnasium D\u00f6beln verfolgt eine ganz eigene Strategie dagegen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Text: Jana Mundus<\/strong><\/p>\n<p>Es ist kein sch\u00f6nes Foto. Eine etwas schr\u00e4ge Pose, das Gesicht eher unvorteilhaft erwischt. Irgendjemand hat es heimlich gemacht, als der Sch\u00fcler vorhin ins Zimmer gekommen ist. Aber jetzt haben es alle. Und alle lachen dar\u00fcber. Sie tuscheln, sie schauen zu ihm r\u00fcber, sie kichern \u2013 sie grenzen aus. Der Aufgenommene f\u00fchlt sich unwohl. Er kann nur erahnen, was da vor sich geht. In einer Chatgruppe der Klasse, zu der er keinen Zugang hat, haben sie das Bild von ihm verteilt. Dies passiert nicht zum ersten Mal, denn Dem\u00fctigung ist ein allt\u00e4gliches Ph\u00e4nomen im Internet. Mobbing im World Wide Web. Auch an Sachsens Schulen ist das Thema.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8536\" aria-describedby=\"caption-attachment-8536\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-8536\" src=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bild-1_Beitrag-2-300x250.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bild-1_Beitrag-2-300x250.png 300w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bild-1_Beitrag-2-1440x1200.png 1440w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bild-1_Beitrag-2-768x640.png 768w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bild-1_Beitrag-2-1536x1280.png 1536w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bild-1_Beitrag-2-1280x1066.png 1280w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bild-1_Beitrag-2.png 2032w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8536\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Andr\u00e9 Braun<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der offene Umgang mit Cybermobbing \u2013 manch eine Schule hat damit vielleicht noch ein Problem. Wie klingt das f\u00fcr Eltern, die ihre Kinder auf diese Schule schicken wollen? Was wenn die \u00f6rtlichen Medien dar\u00fcber berichten? Michael H\u00f6hme ist keiner, der um ein problematisches Thema lange herumredet. \u00bbCybermobbing gibt es bei uns. So wie an jeder anderen Schule auch\u00ab, sagt der Schulleiter des Lessing-Gymnasiums in D\u00f6beln. W\u00e4hrend der Unterrichtszeit herrscht Handyverbot an der Einrichtung. Aber auch wenn die Jugendlichen vor allem nach dem Unterricht ihre Zeit in Chats verbringen, sei das Problem kein privates. \u00bbWir k\u00f6nnen uns nicht zur\u00fccklehnen und sagen, das geht uns nichts an\u00ab, erkl\u00e4rt er weiter. Die Themen der Jugendlichen drehen sich auch im Privatleben um die Schule, die Klasse oder Mitsch\u00fcler. \u00bbDas macht Cybermobbing heute zu einem Schulproblem.\u00ab<\/p>\n<h2>Chatpolizisten warnen bei Verst\u00f6\u00dfen<\/h2>\n<p>Susann Gasse wei\u00df, was das konkret bedeutet. Die Sozialp\u00e4dagogin arbeitet als Schulsozialarbeiterin am Lessing-Gymnasium. In den vergangenen Jahren haben Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen immer wieder ihre Hilfe gesucht, wenn sie Opfer von Cybermobbing geworden sind. In den j\u00fcngeren Klassen funktioniere das Ausgrenzen vor allem \u00fcber die Chatgruppen, in denen sich die Kinder bewegen. \u00bbDa werden dann immer wieder neue Gruppen gegr\u00fcndet, um andere gezielt au\u00dfen vor zu lassen\u00ab, erz\u00e4hlt sie. Fotos von jemanden, der nicht beliebt ist, werden verteilt. Oder auch Informationen im Klassenchat absichtlich zur\u00fcckgehalten oder dort Anfragen der Mobbing-Opfer einfach ignoriert. \u00bbIm Vier-Augen-Gespr\u00e4ch \u00fcberlegen wir in solchen F\u00e4llen zusammen, wen wir f\u00fcr die Probleml\u00f6sung dazu holen m\u00f6chten\u00ab, erkl\u00e4rt Susann Gasse. Die Klassenleitung, die Eltern, die T\u00e4ter oder sogar die Eltern derjenigen, die dem\u00fctigen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8537\" aria-describedby=\"caption-attachment-8537\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-8537\" src=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bild-2_Beitrag-2-300x284.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"284\" srcset=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bild-2_Beitrag-2-300x284.png 300w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bild-2_Beitrag-2-1269x1200.png 1269w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bild-2_Beitrag-2-768x726.png 768w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bild-2_Beitrag-2-1536x1452.png 1536w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bild-2_Beitrag-2-1280x1210.png 1280w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bild-2_Beitrag-2.png 1722w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8537\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Andr\u00e9 Braun<\/figcaption><\/figure>\n<p>Viele Eltern seien \u00fcberrascht, was ihre Kinder da tun oder womit sie konfrontiert sind. F\u00fcr Michael H\u00f6hme ist es immer wieder erstaunlich, wie naiv bei solchen Gespr\u00e4chen die T\u00e4ter selbst sind. \u00bbVielen ist gar nicht bewusst, was sie ihrem Opfer psychisch antun\u00ab, sagt er. Deshalb habe sich das Lehrerteam schon vor einiger Zeit dazu entschlossen, selbst pr\u00e4ventiv t\u00e4tig zu werden. Sobald die neuen f\u00fcnften Klassen ans Lessing-Gymnasium kommen, gibt es ein ganz spezielles Projekt. In den ersten zwei Wochen entwickeln die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler Regeln f\u00fcr ihren neuen Klassenchat, w\u00e4hlen zwei Chatpolizisten, die im Auge behalten sollen, dass sich jeder an die Regeln h\u00e4lt. Einige Cybermobbing-F\u00e4lle der Vergangenheit sind auch dank dieser Jugendlichen \u00f6ffentlich geworden.<\/p>\n<p>\u00bbWir informieren auch die Eltern \u00fcber die Regeln des Klassenchats\u00ab, sagt Susann Gasse. \u00bbEs ist wichtig sie bei all dem mitzunehmen.\u00ab Alle Akteure seien gefragt: Jugendliche, Lehrkr\u00e4fte und Eltern oder externe Partner, die aufkl\u00e4ren und beraten. Das helfe, um fr\u00fchzeitig Tendenzen wahrzunehmen, Handlungsstrukturen, die entstehen k\u00f6nnen, zu stoppen und Hilfsm\u00f6glichkeiten aufzuzeigen. \u00bbLieber einmal mehr und rechtzeitig auf das Handy des Kindes schauen, statt das Thema zu ignorieren und \u00fcberrascht zu sein, wenn der Anruf der Schule kommt.\u00ab<\/p>\n<p>Ganz unterbinden l\u00e4sst sich Cybermobbing aber auch damit leider nicht, wissen die beiden. Es geht vor allem darum, eine umfassende Medienbildung anzubieten. \u00bbWir wollten nicht immer nur Feuerwehr spielen\u00ab, sagt der Schulleiter. So entstand eine neue Idee am Lessing-Gymnasium. Seit diesem Schuljahr k\u00f6nnen sich Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ab Klasse acht f\u00fcr das Profil \u00bbMedienkompetenz in einer digitalisierten Gesellschaft\u00ab, kurz Medien-Profil, entscheiden. Die H\u00e4lfte der jetzigen Achtkl\u00e4ssler hat das getan. Auch im n\u00e4chsten Jahrgang ist das Interesse \u00e4hnlich stark. Es ist kein zus\u00e4tzliches Unterrichtsfach, sondern eine Weiterentwicklung des gesellschaftswissenschaftlichen Profils in den Klassenstufen acht bis zehn.<\/p>\n<p>Eine wesentliche Rolle spielt der kritische Umgang mit den digitalen Medien. Die Jugendlichen lernen Informationen im Netz zu suchen, zu finden und sie zu bewerten. Sie erarbeiten, wie sie im Internet kommunizieren sollten. Sie setzen sich mit rechtlichen Regelungen f\u00fcr das Netz auseinander, gestalten selbst Internetseiten und beleuchten die Macht der Medien. \u00bbSp\u00e4ter wollen wir auch Medienscouts ausbilden\u00ab, so H\u00f6hme.<\/p>\n<p>Susann Gasse sieht aber nicht nur die Arbeit mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern in dieser Sache als wichtig an. Auch die Eltern seien Teil des Problems und somit auch Teil der L\u00f6sung. Bei Informationsabenden der Schule bekommen sie einen Einblick darin, wie sie die Mediennutzung ihrer Kinder gut im Auge behalten k\u00f6nnen. \u00bbEine kritische Distanz dem Kind und seiner Aktivit\u00e4ten im Netz gegen\u00fcber ist sicherlich hilfreich\u00ab, sagt die Sozialp\u00e4dagogin. Und sie appelliert an die Eltern gute Vorbilder zu sein. Mancher Elternchat der Klassen sei schon zum Problem geworden, weil dort Dinge verbreitet wurden, die wenig hilfreich f\u00fcr die Arbeit der Schule waren. \u00bbWie wir da miteinander gut kommunizieren, ist eine gro\u00dfe Herausforderung der heutigen Zeit\u00ab, macht die Sozialp\u00e4dagogin deutlich.<\/p>\n<h3>Was ist Cybermobbing?<\/h3>\n<p><em>Das Wort Mobbing geh\u00f6rt mittlerweile nicht nur zum Sprachgebrauch, sondern zur Gesellschaft. Betroffene werden beleidigt, seelisch verletzt und herabgesetzt. Die meisten belastet solch eine Situation schwer. Doch viele trauen sich nicht, offen dar\u00fcber zu sprechen. Das gilt auch f\u00fcrs Cybermobbing. Die T\u00e4ter \u2013 auch als \u00bbBully\u00ab bezeichnet \u2013 bedrohen, beleidigen und stellen ihre Opfer in sozialen Netzwerken und mithilfe von Mobilfunkdiensten blo\u00df. Gesucht werden dabei vor allem Opfer, die sich nur schwer gegen die \u00dcbergriffe zur Wehr setzen k\u00f6nnen. Wobei dies durch die im Netz herrschende Anonymit\u00e4t ohnehin schwierig ist. \u00dcberhaupt bleiben die T\u00e4ter in aller Regel anonym, ganz besonders, wenn es sich um Cybermobbing gegen\u00fcber Lehrerinnen und Lehrern handelt. Nicht zu wissen, wer die T\u00e4ter sind, kann Opfer zudem zus\u00e4tzlich verunsichern. Auch darauf spekulieren die Bullys. Ein weiteres Problem am Mobbing im Netz ist der Fakt, dass Inhalte nur schwer zu l\u00f6schen sind. Dinge, die l\u00e4ngst vergessen scheinen, tauchen immer wieder auf und bereiten den Opfern Probleme, mit dem Thema abschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Weitere Infos: <a href=\"http:\/\/www.klicksafe.de\">www.klicksafe.de<\/a>.<\/em><\/p>\n<p>Den kompletten Beitrag k\u00f6nnen Sie in der <a href=\"https:\/\/publikationen.sachsen.de\/bdb\/artikel\/36565\/documents\/56558\">aktuellen KLASSE<\/a>, ab Seite 14, nachlesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cybermobbing ist auch in Sachsens Schulen Thema. Das Lessing Gymnasium D\u00f6beln verfolgt eine ganz eigene Strategie dagegen.<\/p>\n","protected":false},"author":138,"featured_media":8536,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,211],"tags":[451,278,565,566,62],"class_list":["post-8535","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bildungspolitik","category-digitale-bildung","tag-cybermobbing","tag-klasse","tag-mobbing","tag-praxisbeispiel","tag-schule"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8535","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/138"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8535"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8535\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8541,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8535\/revisions\/8541"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8536"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8535"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8535"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8535"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}