{"id":8489,"date":"2020-11-05T08:45:15","date_gmt":"2020-11-05T07:45:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=8489"},"modified":"2020-11-05T08:45:41","modified_gmt":"2020-11-05T07:45:41","slug":"der-9-november-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2020\/11\/05\/der-9-november-teil-2\/","title":{"rendered":"Der 9. November steht f\u00fcr die wechselvollen Wegmarken deutscher Geschichte \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>Im zweiten Teil sprechen wir mit Kultusminister Christian Piwarz \u00fcber die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit dem 9. November.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Weshalb sollten sich Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit dem 9. November auseinandersetzen bzw. was k\u00f6nnen Sie dabei lernen?<\/h2>\n<p>Der 9. November wird auch als Schicksalstag in der deutschen Geschichte bezeichnet. Auf diesen Tag fallen gleich mehrere Ereignisse, die gro\u00dfes Potenzial haben, \u00fcber den Wert von Demokratie miteinander ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Wir haben es geschafft, eine Welt zu kreieren, in der Nachrichten in Sekundenschnelle von Minsk nach Montevideo gelangen. Und doch sind wir erschreckend gut darin, nicht mit Menschen ins Gespr\u00e4ch zu kommen, die anders denken oder auf andere Erfahrungen zur\u00fcckblicken als wir. Insofern ist der 9. November f\u00fcr mich ein geeigneter Anlass, das Gespr\u00e4ch mit eben jenen Menschen zu suchen, die Erfahrungen von au\u00dferhalb unseres Bewusstseins und unserer Lebenswelten mitbringen. Die deutsche Geschichte hat Traumata produziert, die innerhalb von Familien weitergereicht werden, ohne dass sie an die \u00d6ffentlichkeit geraten: Deshalb ist der 9. November auch ein Aufruf zu mehr Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass das Vergangene auch heute noch politisch ist und aufgearbeitet werden muss.<\/p>\n<h2>Welche Formate zur Auseinandersetzung mit den Ereignissen des 9. November in der deutschen Geschichte eignen sich Ihrer Meinung nach?<\/h2>\n<p>Aus meiner Sicht bieten sich besonders Formate an, die einen direkten oder indirekten Erfahrungsaustausch mit Zeitzeugen erm\u00f6glichen. Dadurch wird Geschichte erlebbar. Im direkten Gespr\u00e4ch mit Zeitzeugen bekommen Sch\u00fcler einen emotionalen Zugang zu konkreten Momenten der Geschichte. Der zweite Gesichtspunkt ergibt sich aus den methodischen Anforderungen, die mit der Durchf\u00fchrung eines Zeitzeugeninterviews verbunden sind: Wenn Kinder und Jugendliche im Geschichtsunterricht \u00fcber Zeitzeugen ein historisches Geschehen, das in ihrem lokalen, regionalen oder famili\u00e4ren Umfeld stattgefunden hat, selbst recherchieren, so lernen sie schon fast automatisch, historisch zu denken.<\/p>\n<p>In Zeiten, wo f\u00fcr bestimmte historische Momente keine lebenden Zeitzeugen mehr verf\u00fcgbar sind, \u00fcbernehmen Medien als Stellvertreter diese Rolle. Das k\u00f6nnen filmische oder schriftliche Dokumentationen fr\u00fcherer Interviews, k\u00fcnstlerische \u00dcbersetzungen der Geschichte durch szenische Lesungen, Theaterst\u00fccke, Romane, Gedichte, Filme oder Konzerte, wie zum Beispiel die Sch\u00fclergespr\u00e4chskonzerte der Neuen J\u00fcdischen Kammerphilharmonie sein. Und nat\u00fcrlich d\u00fcrfen wir auch den Wert von Besuchen au\u00dferschulischer Lernorte nicht vergessen. Es gibt also viele M\u00f6glichkeiten, einen emotionalen Zugang zur Geschichte zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<h2>Was haben Sie am 9. November 1989 gemacht? Welche Gedanken gingen Ihnen durch den Kopf, als Sie realisierten, dass die Mauer offen ist?<\/h2>\n<p>Ich kann mich noch gut an diesen Tag erinnern. Wir waren auf Klassenfahrt auf Burg Hohenstein. Am Morgen des 10. November kam einer unserer Betreuer und sagte, dass die Mauer offen sei. Wir haben das erst mal nicht geglaubt und haben dann den Vormittag vor dem Fernseher gesessen. Es war eine spannende Zeit, in der sich innerhalb kurzer Zeit viel ge\u00e4ndert hat.<\/p>\n<h2>In diesem Jahr feierten wir das Jubil\u00e4um 30 Jahre deutsche Einheit. Was denken Sie: Sind wir inzwischen EIN Volk?<\/h2>\n<p>Ja, das sind wir. Wir haben zwar weiterhin unsere unterschiedlichen Biografien und Herk\u00fcnfte, aber das gemeinsame Verst\u00e4ndnis als ein Volk ist gewachsen. Insbesondere bei den J\u00fcngeren ist das Ost und West weniger ein Thema \u2013 und das ist gut so. Aber an dieser Einheit m\u00fcssen wir weiterarbeiten und die Unterschiedlichkeit \u2013 egal, ob Nord und S\u00fcd oder Ost und West annehmen und daf\u00fcr aufmerksam bleiben.<\/p>\n<p><strong>Hinweis:<\/strong> Mit Schuljahresbeginn 2019\/20 wurde durch das Landesamt f\u00fcr Schule und Bildung ein Modellprojekt zum Thema \u00bbDer 9. November in der deutschen Geschichte\u00ab an s\u00e4chsischen Schulen gestartet. Dabei geht es um die Planung und Realisierung von Stadtf\u00fchrungen zu historischen Ereignissen, die mit dem 9. November in den Jahren 1918, 1938 und 1989 verbunden sind, welche von Schulen anderer St\u00e4dte und Gemeinden im Freistaat Sachsen f\u00fcr den eigenen Ort adaptierbar sind. Interessierte Schulen k\u00f6nnen sich an die zust\u00e4ndige Koordinatorin f\u00fcr politische Bildung am Standort Leipzig, Ute Glathe, richten: <a href=\"mailto:Ute.Glathe@lasub.smk.sachsen.de\">Ute.Glathe@lasub.smk.sachsen.de<\/a>.<\/p>\n<p>Hier lesen Sie <a href=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2020\/11\/04\/der-9-november\/\">Teil 1<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im zweiten Teil sprechen wir mit Kultusminister Christian Piwarz \u00fcber die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit dem 9. 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