{"id":8481,"date":"2020-11-04T13:10:03","date_gmt":"2020-11-04T12:10:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=8481"},"modified":"2020-11-04T13:19:59","modified_gmt":"2020-11-04T12:19:59","slug":"der-9-november","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2020\/11\/04\/der-9-november\/","title":{"rendered":"Der 9. November steht f\u00fcr die wechselvollen Wegmarken deutscher Geschichte \u2013 Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Der 30. Jahrestag der deutschen Einheit in diesem Jahr sowie das vielschichtige historische Datum des 9. November verdienen eine besondere Aufmerksamkeit, gerade auch in den Schulen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nicht zuletzt angesichts aktueller Diskussionen um eingeschr\u00e4nkte Freiheitsrechte und mangelndes Vertrauen in die demokratische Grundordnung ist es f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler als auch andere Schulakteure dringend notwendig, sich mit der eigenen Geschichte n\u00e4her zu befassen und die Unterschiede von Demokratie und Diktatur zu verstehen.<\/p>\n<p>Der Hessische Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz erkl\u00e4rte dazu im Jahr 2019 in seiner Rolle als Pr\u00e4sident der Kultusministerkonferenz: \u00bbDie Berliner Mauer ist Symbol f\u00fcr ein Unrechtsregime, das seinen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern jahrzehntelang grundlegende demokratische Rechte vorenthalten und sie im Alltag drangsaliert hat.\u00ab Das geeinte Deutschland k\u00f6nne sich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, dass diese Zeiten mit dem Fall der Mauer ein Ende gefunden h\u00e4tten. \u00bbEs erf\u00fcllt mich aber mit Sorge, wenn sich Menschen heute in der Wahlkabine zunehmend von unserem demokratischen Wertefundament abwenden. Wenn in einigen L\u00e4ndern ein Drittel der jungen Wahlberechtigten zu den parteipolitischen Extremen tendiert, muss sich auch Schule die Frage gefallen lassen, ob politische Bildung im Unterricht immer ausreichend Wirkung entfaltet. Wir m\u00fcssen populistischen Meinungsmachern und antisemitischen Parolen entgegentreten, wann immer sie uns in Schule und Alltag begegnen.\u00ab<\/p>\n<figure id=\"attachment_8482\" aria-describedby=\"caption-attachment-8482\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8482 size-medium\" src=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/A.Kaminsky_O_0055-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/A.Kaminsky_O_0055-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/A.Kaminsky_O_0055-900x1200.jpg 900w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/A.Kaminsky_O_0055-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/A.Kaminsky_O_0055-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/A.Kaminsky_O_0055-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/A.Kaminsky_O_0055-1280x1707.jpg 1280w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/A.Kaminsky_O_0055-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8482\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Anne Kaminsky, Foto: Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im ersten Teil \u00e4u\u00dfert sich Dr. Anne Kaminsky, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, zur Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit dem 9. November.<\/p>\n<h2>Weshalb sollten sich Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit dem 9. November auseinandersetzen bzw. was k\u00f6nnen sie dabei lernen?<\/h2>\n<p>Der 9. November ist ein ganz besonderer Tag in der deutschen Geschichte: Er steht symbolisch f\u00fcr die schrecklichsten und sch\u00f6nsten Ereignisse und Entwicklungen. Und am Beispiel des 9. November k\u00f6nnen sich Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit unterschiedlichen Ereignissen in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts befassen: Von der Ausrufung der Republik 1918 \u00fcber den Hitler-Ludendorff-Putsch 1923, die Pogromnacht gegen j\u00fcdische Einrichtungen und Juden 1938 bis zum Mauerfall 1989. So k\u00f6nnen Jugendliche anhand dieses vielschichtigen Datums ein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr entwickeln, was Erinnerungskultur ist und welche historischen Ereignisse und Prozesse unsere Gesellschaft bis heute pr\u00e4gen. Sie setzen sich damit auseinander, warum wir uns an bestimmte historische Daten erinnern wollen und wer sie wie erinnert. \u00dcber historische L\u00e4ngsschnitte zum 9. November kann das Urteilsverm\u00f6gen der Jugendlichen sowie ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein gest\u00e4rkt und ein Beitrag zur Demokratiebildung geleistet werden.<\/p>\n<h2>Welche Formate zur Auseinandersetzung mit den Ereignissen des 9. November in der deutschen Geschichte eignen sich Ihrer Meinung nach?<\/h2>\n<p>Aufgrund der leider zu knappen zeitlichen Ressourcen im Geschichtsunterricht bietet die Durchf\u00fchrung eines Projekttages an Schulen zum 9. November eine ideale M\u00f6glichkeit, der vertieften Auseinandersetzung mit der deutschen und europ\u00e4ischen Geschichte sowie Fragen von Demokratie, Diktatur und autorit\u00e4rer Herrschaft. Die Kultusministerkonferenz hat dezidiert dazu aufgerufen, Projekttage durchzuf\u00fchren. Informationen und auch Anregungen wie der Tag gestaltet werden kann, gibt es auf der Webseite projekttag-deutsche-geschichte.de. Dies kann bei der momentan schwierigen Lage f\u00fcr Pr\u00e4senzveranstaltungen auch digital geschehen. Es kann dabei f\u00e4cher\u00fcbergreifend gearbeitet werden und unterschiedlichste Formate k\u00f6nnen zum Einsatz kommen: Neben historischen Quellen, wie Schriftzeugnissen, Fotos und Filmdokumenten, sind besonders Zeitzeugeninterviews und Gespr\u00e4che, aber auch Recherchen an Orten, die mit diesen Ereignissen, ihren Ursachen und Wirkungen verbunden sind, geeignet, um Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler multiperspektivisch an das Thema heranzuf\u00fchren. Gerade auch die Erforschung von regionalen oder lokalen Spuren der Geschichte eignen sich, um deutlich zu machen, Geschichte ist nicht etwas, was weit entfernt irgendwo anders passiert. Auch regionale Exkursionen zu Denkm\u00e4lern, Gedenkst\u00e4tten, historischen Bauten eignen sich, um historische Spuren im eigenen Wohnumfeld zu erkunden.<\/p>\n<h2>Was haben Sie am 9. November 1989 gemacht? Welche Gedanken gingen Ihnen durch den Kopf, als Sie realisierten, dass die Mauer offen ist?<\/h2>\n<p>Ich selbst war am 9. November nach Leipzig gefahren. Niemand rechnete ja damit, dass in der Nacht die Mauer und die Grenze zu West-Berlin offen sein w\u00fcrde. Da ich damals weder ein Radio noch einen Fernseher hatte, bekam ich gar nicht mit, was passiert war. Das erfuhr ich erst, als ich in den Betrieb ging, wo ich etwas abgeben sollte \u2013 ich habe damals freiberuflich als \u00dcbersetzerin gearbeitet, um mein Kind nicht in die staatliche Erziehung der DDR geben zu m\u00fcssen. Und dort sagte man mir dann, die Mauer sei offen. Ich hielt das erst f\u00fcr einen Witz oder eine Provokation, um zu testen, wie ich reagierte und wenn ich \u00bbfalsch\u00ab reagierte, mich drangsalieren zu k\u00f6nnen. Aber dann stellte sich ja raus, dass es wirklich so war. Ich hatte danach nur Angst, dass die SED die Grenze wieder schlie\u00dfen w\u00fcrde, dass das nur ein Trick war, um \u00bbDampf aus dem Kessel\u00ab zu lassen. Aber zum Gl\u00fcck waren meine Bef\u00fcrchtungen nicht zutreffend.<\/p>\n<h2>In diesem Jahr feierten wir das Jubil\u00e4um 30 Jahre deutsche Einheit. Was denken Sie: Sind wir inzwischen EIN Volk?<\/h2>\n<p>Wir waren ja schon vorher ein Volk, auch wenn wir \u00fcber 40 Jahre in zwei getrennten Staaten gelebt haben. Und wenn man sich anschaut, was in den vergangenen 30 Jahren alles erreicht wurde, dann denke ich, k\u00f6nnen wir schon stolz auf das Erreichte sein: Eine Diktatur \u00fcberwunden, einen Staat demokratisiert \u2013 man darf ja nicht vergessen, dass die deutsche Einheit kam, als die DDR mitten in einem Demokratisierungsprozess mit frei gew\u00e4hltem Parlament und Regierung steckte, die Umbruchszeit bew\u00e4ltigt und vor allem die riesigen Probleme gemeistert wurden. Aber ich sehe auch, dass die Stimmung, die in Umfragen abgebildet wird, doch auch negativ ist und das finde ich schade. Aber wir m\u00fcssen auf die Ursachen schauen, wo kommt das her, dass sich noch immer 50 Prozent der Menschen in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern als B\u00fcrger 2. Klasse empfinden. Das sollte nach 30 Jahren nachdenklich stimmen.<\/p>\n<p><strong>Hinweis:<\/strong> Mit Schuljahresbeginn 2019\/20 wurde durch das Landesamt f\u00fcr Schule und Bildung ein Modellprojekt zum Thema \u00bbDer 9. November in der deutschen Geschichte\u00ab an s\u00e4chsischen Schulen gestartet. Dabei geht es um die Planung und Realisierung von Stadtf\u00fchrungen zu historischen Ereignissen, die mit dem 9. November in den Jahren 1918, 1938 und 1989 verbunden sind, welche von Schulen anderer St\u00e4dte und Gemeinden im Freistaat Sachsen f\u00fcr den eigenen Ort adaptierbar sind. Interessierte Schulen k\u00f6nnen sich an die zust\u00e4ndige Koordinatorin f\u00fcr politische Bildung am Standort Leipzig, Ute Glathe, richten: <a href=\"mailto:Ute.Glathe@lasub.smk.sachsen.de\">Ute.Glathe@lasub.smk.sachsen.de<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 30. Jahrestag der deutschen Einheit in diesem Jahr sowie das vielschichtige historische Datum des 9. 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