{"id":8411,"date":"2020-10-09T10:52:36","date_gmt":"2020-10-09T08:52:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=8411"},"modified":"2020-10-15T11:46:35","modified_gmt":"2020-10-15T09:46:35","slug":"schulen-sind-und-werden-nicht-die-brutstaetten-der-infektionen-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2020\/10\/09\/schulen-sind-und-werden-nicht-die-brutstaetten-der-infektionen-sein\/","title":{"rendered":"\u00bbSchulen sind und werden nicht die Brutst\u00e4tten der Infektionen sein\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>Steigende Corona-Infektionen in Deutschland sorgen den Infektiologen Prof. Reinhard Berner. Im Interview beklagt er eine \u00bbgewisse L\u00e4ssigkeit der Bev\u00f6lkerung\u00ab im Umgang mit der Pandemie. Das wird auch Folgen f\u00fcr den Schulbetrieb haben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Mitte Mai \u00f6ffnete Sachsen unter Hygieneauflagen als erstes Bundesland wieder die Grundschulen. Damals pr\u00e4gten Sie den Satz \u00bbInfektionsschutzma\u00dfnahmen an Schulen sind wichtig, aber viel wichtiger ist, was au\u00dferhalb der Schulen passiert\u00ab. Gilt f\u00fcr Sie der Satz auch heute noch?<\/h3>\n<p>Der Satz ist genauso wahr wie im Mai. Was wir im Moment beobachten, erinnert sehr an die Ereignisse im Fr\u00fchjahr. Damals wie heute steigen die Infektionszahlen, was sicher auch auf eine gewisse L\u00e4ssigkeit der Bev\u00f6lkerung im Umgang mit der Infektion zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Man h\u00e4lt sich nur zum Teil an Regeln oder auch gar nicht. Wir haben immer gesagt, dass das dazu f\u00fchren wird, dass der Eintrag in Schulen oder Kitas auch nicht ausbleiben wird. Wenn wir ein h\u00f6heres Infektionsgeschehen in der Population haben, dann werden wir eben auch Infektionsf\u00e4lle in Schulen haben. Die Schulereignisse werden dann in der \u00d6ffentlichkeit sehr stark wahrgenommen und gewinnen eine \u00fcberh\u00f6hte Bedeutung, die nicht gerechtfertigt, sondern auf das Gesamtgeschehen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/p>\n<h3>Im Rahmen einer Corona-Schulstudie f\u00fchren Sie gerade die zweite Testrunde durch. Beobachten Sie eine Zunahme der Corona-Infektionen?<\/h3>\n<p>Wir sind noch mitten in der zweiten Runde, insofern kann ich nur \u00fcber etwa die H\u00e4lfte der Untersuchungen und nur vorl\u00e4ufig berichten. Bisher sehen wir keine Zunahme der Infektion. Wobei ich immer wieder betonen muss, dass wir bei unseren Untersuchungen einen Blick zur\u00fcck in die Vergangenheit werfen. Das hei\u00dft, wenn wir heute an Schulen Blutproben nehmen und nach Antik\u00f6rpern suchen, dann stellen wir fest, ob bei Sch\u00fclern zwischen Mai\/Juni und heute Infektionen stattgefunden haben. Was aber in den vergangenen zwei oder drei Wochen passiert ist, in denen wir bundesweit einen sehr deutlichen Anstieg der Corona-Infektionen beobachten, dar\u00fcber geben unsere Untersuchungen keinen konkreten Aufschluss.<\/p>\n<h3>Seit diesem Schuljahr herrscht Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen an Schulen. F\u00fcr Sch\u00fcler gilt Schulbesuchspflicht und Beachtung von Hygieneauflagen. Sind Schulen zwischenzeitlich zu Corona-Hotspots geworden?<\/h3>\n<p>Nein, definitiv nicht. Ich glaube, das kann man heute mit ziemlicher Sicherheit sagen. Nat\u00fcrlich kommt es auch zu Infektionen unter Sch\u00fclern oder von Lehrern zu Sch\u00fclern und umgekehrt. Aber es ist nicht zu beobachten, dass die Infektion bisher von Schulen in relevanter Weise nach au\u00dfen getragen wird. Das w\u00fcrde ich auch in Zukunft nicht erwarten. Wir k\u00f6nnen davon ausgehen, Schulen sind und werden nicht die Brutst\u00e4tten der Infektionen sein, aber sie werden auch nicht davon ausgenommen sein.<\/p>\n<p>Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Entscheidung des Kultusministeriums, zun\u00e4chst schrittweise und dann nach den Sommerferien vollst\u00e4ndig im Regelbetrieb die Schulen zu \u00f6ffnen, richtig gewesen ist. Nat\u00fcrlich gibt es vereinzelte Ereignisse, aber insgesamt keine relevante Zunahme an durchgemachten Infektionen. Das ist mir ein sehr wichtiger Punkt. Das hei\u00dft mitnichten, dass es so bleiben wird. Wenn Infektionszahlen ansteigen und wir insgesamt in der Bev\u00f6lkerung nun kurz vor und dann nach den Herbstferien deutlich mehr Infektionszahlen haben werden, muss man sich darauf einstellen, dass dies auch die Schulen erreichen wird und der Regelbetrieb vielleicht nicht aufrechterhalten werden kann. Aber dass wir den Sch\u00fclern diese Wochen des Schulbetriebs erm\u00f6glichen konnten, das ist nach meiner \u00dcberzeugung ein gro\u00dfer Gewinn und Segen f\u00fcr die Sch\u00fcler.<\/p>\n<h3>Man gewinnt den Eindruck, dass aktuelle Corona-Infektionen in die Schulen hineingetragen werden und weniger in der Einrichtung passieren.<\/h3>\n<p>Genau, davon kann man im Moment ausgehen. Aber auch das wird sich nat\u00fcrlich \u00e4ndern, wenn die Infektionszahlen weiter steigen. Dann wird auch das Risiko gr\u00f6\u00dfer, dass Kinder Infektionen aus der Familie oder dem Umfeld in die Schulen tragen und dort nat\u00fcrlich die Infektion auch weitergeben k\u00f6nnen. Die Frage ist aber, ob ein Sch\u00fcler nur einen oder zwei oder aber 30 andere Sch\u00fcler ansteckt, wie man es ja im M\u00e4rz bef\u00fcrchtet hatte. Damit w\u00fcrde ich weiterhin nicht rechnen. Es wird zur Weiterverbreitung kommen, das ist zu erwarten, aber die Annahme, dass Kinder nicht in \u00fcberdurchschnittlichem Umfang oder sogar weniger zur Multiplikation beitragen, daf\u00fcr sprechen viele Befunde auch aus anderen L\u00e4ndern und daran w\u00fcrde ich im Moment weiter festhalten.<\/p>\n<h3>Spielen Jugendliche eine gr\u00f6\u00dfere Rolle im Infektionsgeschehen, weil sie sozial st\u00e4rker verkn\u00fcpft sind?<\/h3>\n<p>Studien belegen, dass es schon einen Unterschied zwischen Kindern kleiner als 10 Jahre und Jugendlichen gibt. In unserer Schulstudie haben wir uns auch genau deshalb auf die Sch\u00fcler der achten bis elften Klassen an weiterf\u00fchrenden Schulen konzentriert. Vorbehaltlich noch m\u00f6glicher \u00c4nderungen bis zum Abschluss der zweiten Untersuchungsrunde kann man aber jetzt schon sehen, dass es auch in dieser Gruppe nicht zu einer starken Zunahme der Infektionszahlen gekommen ist. Aber auch das steht unter dem wirklich wichtigen Vorbehalt, dass Sachsen eben gl\u00fccklicherweise bislang insgesamt niedrige Infektionszahlen hatte.<\/p>\n<p>Zur Person:<\/p>\n<p>Professor Dr. med. Reinhard Berner ist ausgewiesener Experte f\u00fcr Infektionskrankheiten von Kindern. Er ist Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik f\u00fcr Kinder- und Jugendmedizin des Universit\u00e4tsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden. Der Infektiologe ber\u00e4t das Kultusministerium wie zuletzt beim <a href=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2020\/09\/16\/was-eltern-bei-infektionen-ihrer-kinder-beachten-sollten\/\">Schnupfenplan<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steigende Corona-Infektionen in Deutschland sorgen den Infektiologen Prof. Reinhard Berner. Im Interview beklagt er eine \u00bbgewisse L\u00e4ssigkeit der Bev\u00f6lkerung\u00ab im Umgang mit der Pandemie. 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