{"id":6756,"date":"2019-05-09T17:02:36","date_gmt":"2019-05-09T15:02:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=6756"},"modified":"2019-05-21T12:32:15","modified_gmt":"2019-05-21T10:32:15","slug":"vom-mathe-abi-und-der-fuenften-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2019\/05\/09\/vom-mathe-abi-und-der-fuenften-gewalt\/","title":{"rendered":"Vom Mathe-Abi und der f\u00fcnften Gewalt"},"content":{"rendered":"<p>Eine bundesweite Welle des Protestes haben die Pr\u00fcfungen im Mathematik-Abitur ausgel\u00f6st. Auch nach Sachsen schwappte die Klage \u00fcber das zu schwere Mathe-Abi r\u00fcber. Ob die Abiturpr\u00fcfungen tats\u00e4chlich zu schwer waren, kann derzeit kaum jemand mit Gewissheit sagen. F\u00fcr das s\u00e4chsische Mathe-Abi gibt es bereits eine erste Einsch\u00e4tzung. Ungeachtet dessen spricht jedoch vieles daf\u00fcr, dass solche Ph\u00e4nomene von nun an in jedem Jahr die Kultusbeh\u00f6rden besch\u00e4ftigen werden.<!--more--><\/p>\n<figure id=\"attachment_6762\" aria-describedby=\"caption-attachment-6762\" style=\"width: 829px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-6762\" src=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/AdobeStock_206335341_klein-1-300x169.jpg\" alt=\"Foto: \u00a9 Gorodenkoff | Adobe Stock\" width=\"829\" height=\"481\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6762\" class=\"wp-caption-text\">Foto: \u00a9 Gorodenkoff | Adobe Stock<\/figcaption><\/figure>\n<p>Noch am vergangenen Freitag br\u00fcteten zeitgleich in 15 Bundesl\u00e4ndern Abiturienten \u00fcber den schriftlichen Mathematikaufgaben. Nur wenige Stunden sp\u00e4ter brach eine Emp\u00f6rungswelle \u00fcber Bayern herein und erreichte fast alle Bundesl\u00e4nder \u2013 so auch Sachsen. Zu schwer, unverst\u00e4ndlich und weit weg von dem, was vorher im Unterricht behandelt wurde, so das Urteil von \u00fcber hunderttausend Sch\u00fclern in 13 Online-Petitionen sowie sozialen Netzwerken. War es wirklich so? Dar\u00fcber werden in den betroffenen Bundesl\u00e4ndern Fachdidaktiker und Kultusbeh\u00f6rden urteilen. Sie werden die Mathematikaufgaben pr\u00fcfen, mit den Bildungsstandards und Lehrplaninhalten abgleichen.<\/p>\n<p>Genau das haben s\u00e4chsische Fachp\u00e4dagogen auf Bitten des Landessch\u00fclerrates bereits getan. F\u00fcr jede einzelne Teilaufgabe wurde nochmals der Anteil der Bewertungseinheiten gem\u00e4\u00df den Niveaustufen der Bildungsstandards analysiert. Das Ergebnis: Der Schwierigkeitsgrad der Abiturpr\u00fcfung 2019 entspricht in vollem Umfang den Vorgaben der Bildungsstandards. Das haben auch zahlreiche Lehrkr\u00e4fte und Schulleiter, mit denen das Kultusministerium in den letzten Tagen Kontakt hatte, best\u00e4tigt. Dar\u00fcber hinaus liegen keinerlei Erkenntnisse vor, dass Themen der Pr\u00fcfung nicht im Unterricht behandelt worden sind.<\/p>\n<p>Das Ergebnis verwundert nicht. So gingen bis dato keine Beschwerden oder Kritiken im Kultusministerium und Landesamt f\u00fcr Schule und Bildung ein \u2013 weder von Sch\u00fclern, Eltern noch Lehrern. Einer Online-Petition haben sich rund 2000 Unterst\u00fctzer angeschlossen, darunter manche aus anderen Bundesl\u00e4ndern.<\/p>\n<p>F\u00fcr Sachsen mag damit zutreffen, was ein Journalist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der heutigen Debattenkultur beschrieb: \u00bbEmp\u00f6rung schaltet sich vor Wissen.\u00ab Daran haben soziale Medien ma\u00dfgeblichen Anteil.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Kommunikation in sozialen Netzwerken gilt: Was emotionalisiert, funktioniert. Was Drama, Konflikt und Wut verspricht, wird geteilt. Vor den Mechanismen sind auch Massenmedien, wie Zeitungen, Fernsehen und Radio nicht gefeit. Sobald die kollektive Erregung im Netz ein gewisses Ma\u00df \u00fcberschreitet, m\u00fcssen Massenmedien das Thema aufgreifen.<\/p>\n<p>So zeigt der sozial-medial verbreitete Sch\u00fclerprotest, wie m\u00e4chtig das Netz inzwischen geworden ist. Online-Medien bestimmen als f\u00fcnfte Gewalt im Staat, die \u00f6ffentliche Themenagenda und setzen die vierte Gewalt, die herk\u00f6mmlichen Massenmedien, unter Zugzwang sowie die Exekutive unter Druck.<\/p>\n<p>Was ist die Lehre daraus? Gesellschaft und Politik sind gut beraten, Gelassenheit zu beweisen. Nicht jede Emp\u00f6rungswelle muss gleich kommentiert werden und in politisches Handeln m\u00fcnden. Einfach mal nicht teilen und retweeten. Ist die Hoffnung naiv? Vermutlich. Aber eines ist auch klar: Abiturpr\u00fcfungen m\u00fcssen anspruchsvoll sein. Das Gef\u00fchl, dass eigene Abitur sei schwerer als das der Vorjahre, kennt jeder, der die H\u00fcrde zur Hochschulreife schon einmal \u00fcberspringen musste. J\u00e4hrliche Klagen \u00fcber zu schwere Pr\u00fcfungen sind damit vorprogrammiert. Eine Online-Petition zu starten, f\u00e4llt nicht schwer. Die n\u00e4chste Protestwelle kommt bestimmt. Darauf k\u00f6nnen sich Kultusbeh\u00f6rden schon einmal einstellen.<\/p>\n<p><em>Anmerkung: In einer fr\u00fcheren Version des Beitrages war noch von einer Online-Petition f\u00fcr Sachsen mit 62 Unterst\u00fctzern die Rede. Wir haben die Textpassage korrigiert und danken dem Hinweisgeber.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine bundesweite Welle des Protestes haben die Pr\u00fcfungen im Mathematik-Abitur ausgel\u00f6st. Auch nach Sachsen schwappte die Klage \u00fcber das zu schwere Mathe-Abi r\u00fcber. Ob die Abiturpr\u00fcfungen tats\u00e4chlich zu schwer waren, kann derzeit kaum jemand mit Gewissheit sagen. F\u00fcr das s\u00e4chsische Mathe-Abi gibt es bereits eine erste Einsch\u00e4tzung. 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