{"id":6596,"date":"2019-03-14T08:45:42","date_gmt":"2019-03-14T07:45:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=6596"},"modified":"2019-06-20T09:53:07","modified_gmt":"2019-06-20T07:53:07","slug":"skandalisierung-und-drama-haben-sehr-stark-zugenommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2019\/03\/14\/skandalisierung-und-drama-haben-sehr-stark-zugenommen\/","title":{"rendered":"\u00bbSkandalisierung und Drama haben sehr stark zugenommen\u00bb"},"content":{"rendered":"\r\n<p>Kommunikationswissenschaftler <strong>Lutz Hagen<\/strong> \u00fcber die Verantwortung von Medienmachern und die Bedeutung von nachrichtenkompetenter Schulbildung.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><!--more--><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Herr Hagen, Sie konnten in einer wissenschaftlichen Studie nachweisen, dass einflussreiche Massenmedien wie die Bild Zeitung oder die Tagesschau sehr stark bestimmen, was wir \u00fcber die Wirtschaft denken und nicht so sehr, wie sich die Wirtschaft real entwickelt. \u00c4ngstigt Sie die Macht der Medien?<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Nein, Angst w\u00e4re zu viel gesagt. Aber es ist wichtig, dass man sich dar\u00fcber im Klaren ist, dass die Medien eine hohe und in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts eine stark gestiegene Macht in der Gesellschaft haben. Vor allem Journalisten und Medienmacher m\u00fcssen sich dieser Verantwortung bewusst sein. Medien beeinflussen in unseren K\u00f6pfen die Vorstellung \u00fcber die Realit\u00e4t. Medien sind aber auch dazu da, dass sie \u00fcber etwas berichten, das wir selbst nicht ohne Weiteres beobachten k\u00f6nnen. Das ist eine unglaublich wichtige Funktion. Medien d\u00fcrfen sich dann aber auch nicht wundern, dass sie kritisch beobachtet werden. Mit der gestiegenen Macht der Medien im Zuge von Digitalisierung und Mediatisierung steigt in vielen Teilen der Gesellschaft die Reaktanz. Es ist eine ganz normale menschliche Eigenschaft, dass man kritisch gegen\u00fcber allen Beeinflussungsversuchen ist. Je einflussreicher die Medien als Akteure werden, desto kritischer werden sie gesehen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sehen sie einen Widerspruch zwischen der medial vermittelten Realit\u00e4t und der tats\u00e4chlichen?<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Was ist die tats\u00e4chliche Wirklichkeit? F\u00fcr Menschen ist Wirklichkeit immer durch Wahrnehmung vermittelt. Wahrnehmung ist aber immer selektiv. Wir k\u00f6nnen niemals alles erfassen, was sich in der Realit\u00e4t abspielt. Wir m\u00fcssen immer ausw\u00e4hlen. In welchen Bewertungsrahmen wir Wirklichkeit wahrnehmen, das ist individuell sehr unterschiedlich. \u00c4hnlich ist es bei den Medien. Leider ist ein direkter Vergleich zwischen der Darstellung der Realit\u00e4t in den Medien und der Realit\u00e4t nur in Teilen m\u00f6glich. Sicherlich kann man vergleichen ob jemand etwas gesagt hat, ob eine bestimmte Behauptung in den Medien stimmt. Es ist \u00fcberaus wichtig, dass die Medien in dieser Hinsicht korrekt arbeiten. Wir brauchen Qualit\u00e4tskriterien, Regeln an denen sich Medien orientieren, die dazu dienen, dass Realit\u00e4t so dargestellt wird, wie sie ein unparteiischer Beobachter wahrnehmen w\u00fcrde.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Daran halten sich die Medien nicht immer. Und um auf den Kern der Frage zur\u00fcckzukommen: Nat\u00fcrlich gibt es immer wieder Abweichungen und es gibt nat\u00fcrlich Entwicklungen, die dazu beitragen, dass es f\u00fcr die Medien schwieriger wird, eine qualitativ hochwertige Berichterstattung zu leisten. Dazu z\u00e4hlt vor allen Dingen im Printmedienbereich eine massive finanzielle Krise. Die Zahl der Leser hat sich in den letzten 25 Jahren fast halbiert, Einnahmen sind noch st\u00e4rker weggebrochen. Ein weiteres Problem besteht f\u00fcr Journalismus bei allen Medien in dem st\u00e4ndig gewachsenen Druck zur Beschleunigung der Berichterstattung.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">H\u00e4ngt der Zulauf, den Populisten in Deutschland und Europa erfahren, auch damit zusammen, dass die medial vermittelten Wirklichkeiten zu schlicht sind, es zu wenig Hintergrund und Analyse in der Berichterstattung gibt?<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Das w\u00fcrde ich bejahen. Medien m\u00fcssen Aufmerksamkeit generieren. Insbesondere f\u00fcr werbetreibende Medien ist das die W\u00e4hrung. Aber generell ist in der Informations\u00fcberflussgesellschaft Aufmerksamkeit zunehmend ein knappes Gut. Was auch in dieser Situation stets Aufmerksamkeit bringt, das sind Nachrichtfaktoren wie Konflikt, Dramatisierung, Negativismus. Studien belegen, dass das sehr stark zugenommen hat. Medienm\u00e4rkte und die Aufmerksamkeit in der Gesellschaft sind immer h\u00e4rter umk\u00e4mpft. Und wir alle sind evolution\u00e4r so angelegt, dass wir auf gewisse Reize automatisch reagieren. Das was gut l\u00e4uft, was in Ordnung ist, da m\u00fcssen wir nicht so sehr unsere Aufmerksamkeit hinwenden. Das was schlecht l\u00e4uft, da wo Krisen sind, dort schauen wir evolutionsbedingt hin und das benutzen nat\u00fcrlich die Medien. Zunehmender Negativismus in den Medien kann nat\u00fcrlich daf\u00fcr verantwortlich gemacht werden, dass wir eine starke Polarisierung in vielen westlichen Gesellschaften haben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welche Rolle spielen dabei digitale Medien?<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Digitale Medien spielen in den letzten zehn bis f\u00fcnfzehn Jahren eine ganz erhebliche Rolle. Die beschriebenen Entwicklungen gehen nicht nur auf den Journalismus zur\u00fcck. Im Gegenteil. Ein Teil der Polarisierung kommt auch daher, dass neben den Massenmedien eine zweite \u00d6ffentlichkeit entstanden ist. \u00dcber die digitalen Medien bekommen die Nutzer sehr ungefiltert vor allen Dingen Meinungen und noch weniger Fakten als in den journalistischen Massenmedien. In den digitalen Medien gelten dieselben Nachrichtenfaktoren wie in den herk\u00f6mmlichen Medien: \u00dcberraschung, Negativismus, Prominenz sollen dazu verlocken, irgendwo drauf zu klicken. Es geht weniger darum, was wahr ist, sondern immer wieder darum, was Aufmerksamkeit generiert. Das ist ein Ph\u00e4nomen, das wir nicht nur im Journalismus verst\u00e4rkt beobachten, sondern was auch ein Urprinzip der sozialen Medien ist. Die Trends in den digitalen Medien wirken wiederum auch auf die journalistischen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie reagieren Mediennutzer darauf?<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Man w\u00fcnscht sich h\u00e4ufiger, dass faktenorientierter und ruhiger berichtet und mehr Hintergrund ausgeleuchtet wird. Wir haben all diese Medien in Deutschland noch, die das tun. Und nat\u00fcrlich findet man Websites und Profile in sozialen Medien, wo das geschieht. Aber im Gro\u00dfen und Ganzen muss man doch feststellen: Aufregung, Skandalisierung und Drama haben sehr stark zugenommen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mit welchen Folgen?<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Zum Beispiel habe ich f\u00fcr eine s\u00e4chsische Zeitung untersucht, wie hoch die Leser der Zeitung die Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t und die Kriminalit\u00e4t von Fl\u00fcchtlingen in Sachsen einsch\u00e4tzen. Ergebnis: Bei vielen Delikten wird das um mehr als das zehnfache dessen \u00fcbersch\u00e4tzt, was die Kriminalit\u00e4tsstatistik des Innenministeriums ausweist. Solche Ph\u00e4nomene gibt es oft. H\u00e4ufig belegen Statistiken eine positive Entwicklung. Aber die B\u00fcrger sehen das eben nicht so.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ist das nicht eine demokratiegef\u00e4hrdende Entwicklung?<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Das ist eine sehr schwierig zu beantwortende Frage. Aber wenn man in die USA schaut, muss man die Frage bejahen. Wenn Stimmungen wichtiger sind als demokratische Regeln, wenn die politische Lage irgendwann so zerstritten ist, dass gar kein vern\u00fcnftiger Diskurs mehr m\u00f6glich ist, wenn man nicht mehr auf die Argumente der Gegenseite eingeht und inhaltlich argumentiert, sondern wo nur noch der Hass und die pers\u00f6nliche Ablehnung reagiert &#8211; das kann am Ende sogar demokratiegef\u00e4hrdend sein.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Haben Sie sich deshalb im Auftrag der Stiftervereinigung Presse mit der medien- und nachrichtenkompetenten Bildung besch\u00e4ftigt?<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Durch die Digitalisierung spielt Medienkompetenz in der Bildungspolitik eine gro\u00dfe Rolle. Medienkompetenz wird bisher vor allem als eine technische Kompetenz diskutiert, weil sie wirtschaftspolitisch relevant ist. Dagegen fand das spezielle Unterfeld Nachrichtenkompetenz sowohl in den bildungspolitischen Diskussionen als auch in der Forschung bisher kaum Beachtung. Die F\u00e4higkeit, Nachrichtenmedien und journalistische Inhalte zu verstehen, kritisch zu beurteilen, effektiv zu nutzen und Nachrichten selbst formulieren zu k\u00f6nnen, ist mindestens ebenso wichtig. Sch\u00fcler, die m\u00fcndigen B\u00fcrger von morgen, m\u00fcssen Fake News von richtigen Nachrichten unterscheiden k\u00f6nnen. Sie m\u00fcssen die Kompetenz vermittelt bekommen, um die Informationsinfrastruktur unserer Gesellschaft zu beurteilen. Das ist schlie\u00dflich eine Kompetenz, die das Funktionieren von Demokratie erm\u00f6glicht. Die Bereitstellung von Information, ein funktionierender Meinungsmarkt, die Kontrolle der M\u00e4chtigen \u2013 das sind zentrale Bestandteile dessen, was man als die \u00f6ffentliche Aufgabe der Medien bezeichnet. Heutzutage kann jeder und jede mit wenig Aufwand in der \u00d6ffentlichkeit stehen, wie dies fr\u00fcher nur Journalisten m\u00f6glich war. Die journalistische Kompetenz der B\u00fcrger, die die Mediengesellschaft erfordert, ist jedoch in der \u00f6ffentlichen Diskussion total unterbelichtet. Deshalb haben wir diese Studie gemacht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie sind sie vorgegangen?<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wir haben auf verschiedenen Ebenen des Bildungswesens, von den Vorgaben der Kultusministerkonferenz angefangen, \u00fcber die Lehrpl\u00e4ne in den verschiedenen Bundesl\u00e4ndern bis zu den Schulb\u00fcchern und Studieng\u00e4ngen f\u00fcrs Lehramt in den einschl\u00e4gigen F\u00e4chern geschaut, welche Rolle spielt Nachrichtenkompetenz, welchen Umfang hat sie, welche Aspekte der Nachrichtenkompetenz werden dort erl\u00e4utert? Am Ende haben wir auch in Sachsen Studierende in Lehramtsstudieng\u00e4ngen zu ihrer Nachrichtenkompetenz gefragt, wie sie die Vermittlung von Nachrichtenkompetenz im Studium einsch\u00e4tzen. Wir sind aber nicht an Schulen gegangen, um zu sehen, was im Unterricht passiert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sie haben \u00fcber 200 Lehrpl\u00e4ne untersucht. Der Anteil der Lehrpl\u00e4ne die Bezug zu journalistischen Inhalten nahmen betrug deutschlandweit durchschnittlich 43 Prozent. Und in Sachsen?<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Waren es 45 Prozent. F\u00fcr alle Bundesl\u00e4nder muss man feststellen: Medienkompetenz spielt in 4 von 5 Lehrpl\u00e4nen eine Rolle, aber speziell Nachrichtenkompetenz oder journalistische Kompetenz nur in 2 von 5. In der Lehramtsausbildung spielt Nachrichtenkompetenz gar keine Rolle. Auch der Medienbezug ist deutlich ausbauf\u00e4hig. Er bezieht sich im Wesentlichen auf die alten Medien.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welche Lehrpl\u00e4ne haben Sie untersucht?<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Deutsch, Gemeinschaftskunde, Ethik, sowie f\u00e4cher\u00fcbergreifende Lehrpl\u00e4ne zu Medien- und Demokratieerziehung von den Klassenstufen 5 bis 10 in den Schularten Gymnasium und Realschulen. Lehrplaninhalte zur Nachrichtenkompetenz nehmen von den unteren Klassenstufen mit 33 Prozent bis zur 9. oder 10. Klassenstufe auf 50 Prozent zu. Es wird vor allen Dingen in Deutsch behandelt. Da geht es dann vor allem um die Kenntnis von Textsorten. Was allerdings viel zu kurz kommt, ist das Systematische. Wie funktioniert Journalismus, welche Aufgaben haben die Medien? Was wir feststellen k\u00f6nnen ist, dass die neuen Medien sehr selten vorkommen. Wenn man sich alle Bez\u00fcge zur Nachrichtenkompetenz anschaut, dann geht es in 60 Prozent der F\u00e4lle meist um Zeitungen, 20 Prozent um Fernsehen, 17 Prozent Internet, und nur in drei Prozent der F\u00e4lle um soziale Medien. Das hinkt der realen Entwicklung ganz gewaltig hinterher.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Fach Informatik haben Sie nicht untersucht?<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Das haben wir nicht in den Fokus genommen, weil wir davon ausgegangen sind, dass dort eben Medienkompetenz vor allem im Hinblick auf Programmierung und Technik untersucht wird und nicht so sehr inhaltlich-journalistisch, was uns interessiert hat.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sie fordern ein zus\u00e4tzliches Unterrichtsfach Medienpublizistik, also Lehre von der \u00f6ffentlichen Kommunikation. Wenn die Kultusverwaltung allen Forderungen nach zus\u00e4tzlichen F\u00e4chern nachkommen w\u00fcrde, m\u00fcssten Sch\u00fcler mehr als 80 Wochenstunden leisten. Niemand wagt, zu sagen, was stattdessen gestrichen werden sollte? Seien sie mutig und sagen sie uns welches Fach wegfallen kann.<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>(Lacht) Ich denke, dass man daf\u00fcr nicht unbedingt ein Fach streichen m\u00fcsste. Aber es ist klar, dass es eine ganz schwierige Sache ist. Lassen Sie mich mal so antworten. Es ist sehr unbefriedigend, wenn die sozialen Medien in den Klassenverb\u00e4nden und in der Schule au\u00dferhalb des Unterrichts eine wahnsinnig wichtige Rolle einnehmen, aber im Unterricht selbst nicht. Die Sch\u00fcler haben oft einen Klassenchat, sie tauschen dort Hausaufgaben aus und unterhalten sich dar\u00fcber. Sie wenden sp\u00e4testens ab der Sekundarstufe I f\u00fcr nichts anderes so viel Zeit auf, wie f\u00fcr Mediennutzung. Erstens absorbiert das die Kinder und hebelt die traditionelle Rolle von Eltern und Lehrerinnen und Lehrern aus. Zweitens werden dort ganz neue Wahrnehmungsgewohnheiten kultiviert. Drittens kommt es schnell zu Problemen, wie Cybermobbing, Verletzungen des Datenschutzes und von Pers\u00f6nlichkeitsrechten. Verstehen Sie mich nicht falsch: Diese Medien geh\u00f6ren inzwischen dazu und erleichtern Vieles, Sch\u00fcler sollen nicht auf sie verzichten. Aber es kann nicht sein, dass das im Alltag der Sch\u00fcler eine so gro\u00dfe Rolle spielt und dann den Sch\u00fclern \u00fcberlassen bleibt, wie man mit Problemen umgeht und wie man diese Medien produktiv einsetzt. Das geh\u00f6rt in den Schulunterricht. Zum Teil \u00fcberschneidet sich das ja auch mit der politischen Bildung, wenn man \u00fcber die \u00f6ffentliche Aufgabe von Massenmedien spricht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Medien haben einen Informations- und Bildungsauftrag. Landen auf den Schreibtischen der Lehrer zunehmend Aufgaben, weil Medien dem Auftrag nicht mehr gerecht werden?<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Nein, das w\u00fcrde ich so nicht sagen. Ich w\u00fcrde das umdrehen. Eltern und Schule haben es schwer, gegen die soziale Wirkung und die Mediennutzung ihrer Kinder anzukommen. Das \u00fcbt eine unheimliche Sogwirkung aus. Schon ab der 5. Klasse orientieren sich Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in den sozialen Medien vor allem an sogenannten Peers, Gleichaltrige oder etwas \u00c4ltere, die als Vorbilder und Rollenmodelle dienen. Die Eltern verlieren ihre Gatekeeperfunktion, wie auch der Journalismus seine Gatekeeperfunktion in vielem schon verloren hat.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Erkl\u00e4ren Sie bitte Gatekeeper?<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Gatekeeper ist jemand, der den Informationsinput in ein soziales System steuert. Was Erziehung, Information \u00fcber die Welt angeht, das war fr\u00fcher sehr viel st\u00e4rker durch Schule und Eltern kontrolliert. Inzwischen machen es die Kinder sehr viel fr\u00fcher mit Hilfe der sozialen Medien selbst und darauf braucht man Antworten. Das kann die Schule sicherlich nicht allein l\u00f6sen, aber es kann keine L\u00f6sung sein, dass das in der Schule kaum stattfindet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Nochmal: Ob ein eigenes Unterrichtsfach geschaffen wird oder man in den F\u00e4chern gen\u00fcgend Anteile zur Nachrichtenkompetenz in Curriculum vorsieht, ist letztendlich egal. Die Frage ist vielleicht auch, ob unsere F\u00e4chereinteilung so noch stimmt. Dar\u00fcber muss man mal reden. Es w\u00e4re sicher zielf\u00fchrend, wenn man quer zu den F\u00e4chern, \u00fcber die wir gesprochen haben, Module, Lehrinhalte schafft, die miteinander verzahnt werden mit Medienkunde, Nachrichtenkompetenz und politischer Bildung.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>Das Interview mit Professor Dr. Lutz Hagen erscheint gek\u00fcrzt in der n\u00e4chsten Ausgabe der KLASSE.<\/em><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kommunikationswissenschaftler Lutz Hagen \u00fcber die Verantwortung von Medienmachern und die Bedeutung von nachrichtenkompetenter Schulbildung.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":6597,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[48,247],"tags":[136,51,117,28],"class_list":["post-6596","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interview","category-politische-bildung","tag-interview","tag-medien","tag-medienbildung","tag-politische-bildung"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6596","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6596"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6596\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6926,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6596\/revisions\/6926"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6597"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6596"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6596"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6596"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}