{"id":658,"date":"2015-12-15T11:13:28","date_gmt":"2015-12-15T10:13:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=658"},"modified":"2017-12-12T09:34:56","modified_gmt":"2017-12-12T08:34:56","slug":"schule-kann-nicht-alles-reparieren-was-zu-hause-schief-laeuft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2015\/12\/15\/schule-kann-nicht-alles-reparieren-was-zu-hause-schief-laeuft\/","title":{"rendered":"Schule kann nicht alles reparieren, was zu Hause schief l\u00e4uft"},"content":{"rendered":"<p>Nirgendwo in Sachsen haben so viele Kinder eine Bildungsempfehlung f\u00fcr das Gymnasium erhalten wie an der Grundschule 5 im Leipziger Waldstra\u00dfenviertel. In diesem Jahr waren es 93% der Viertkl\u00e4ssler und damit doppelt so viele wie im s\u00e4chsischen Durchschnitt. Das Viertel z\u00e4hlt zu den wohlhabenden Gegenden der Stadt.\u00a0Sp\u00e4testens seit PISA wissen Bildungsforscher, dass das Kind eines Professors eine dreimal gr\u00f6\u00dfere Chance hat, aufs Gymnasium zu gehen, als das einer Verk\u00e4uferin. Ist das nun Schicksal? Wir haben Wissenschaftler, Lehrer und \u00c4rzte gefragt, welchen Einfluss die Schule denn \u00fcberhaupt noch dabei hat.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Schon vor der Schule gibt es gravierende Unterschiede<\/strong><\/p>\n<p>Die Entwicklungsunterschiede der Kinder haben zugenommen. Bei den Schuleingangsuntersuchungen\u00a0k\u00f6nnen manche Kinder\u00a0kaum einen Stift halten, w\u00e4hrend andere bereits lesen und zwei Fremdsprachen beherrschen w\u00fcrden, sagt Elke Siegert, Leiterin des Kinder- und Jugend\u00e4rztlichen Dienstes in Dresden. Sie\u00a0spricht von gravierenden Unterschieden in der Entwicklung von ein bis zwei Jahren. Gr\u00fcnde daf\u00fcr gibt es viele &#8211; zum Beispiel gesundheitliche oder psychosoziale. Ein anderer ist die soziale Herkunft.<\/p>\n<p><strong>Kann Schule alle\u00a0Defizite ausgleichen?<\/strong><\/p>\n<p>Uta Diensbir leitet die Grundschule in Thalheim &#8211; eine St\u00fctzpunktschule f\u00fcr Sch\u00fcler mit Lese- und Rechtschreibschw\u00e4che. Trotz aller Anstrengungen k\u00f6nne die Schule nicht\u00a0alle Defizite in der Entwicklung ausgleichen, so die Schulleiterin. Diese Auffassung teilt auch Axel Gehrmann, Professor f\u00fcr empirische\u00a0Unterrichtsforschung an der TU Dresden. \u00bbAlle Entwicklungsr\u00fcckst\u00e4nde k\u00f6nnten die Lehrer gar nicht kompensieren\u00ab, sagt er. P\u00e4dagogen sollten aber besser ausgebildet werden, damit sie Potenziale noch besser erkennen. Denn benachteiligte Kinder br\u00e4uchten\u00a0 eine gezielte F\u00f6rderung unter Gleichaltrigen. Daf\u00fcr fordert er eine gerechtere Verteilung der Ressourcen, n\u00e4mlich dorthin wo besonders viel F\u00f6rderbedarf besteht. Laut kommunalem Bildungsbericht seien das\u00a0die sozialen Brennpunkte der Gro\u00dfst\u00e4dte\u00a0und\u00a0auch der\u00a0l\u00e4ndliche Raum.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #800000;\">\u00bbAlle Entwicklungsr\u00fcckst\u00e4nde k\u00f6nnen die Lehrer gar nicht kompensieren\u00ab\u00a0<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><em>Axel Gehrmann, Professor f\u00fcr empirische Unterrichtsforschung<\/em><\/p>\n<p><strong>Welche Rolle spielen die Eltern?<\/strong><\/p>\n<p>Auch Prof. Veit R\u00f6\u00dfner, Kinder- und Jugendpsychiater, vertritt\u00a0die Auffassung, dass Kita und Schule\u00a0nicht allein die Erziehung \u00fcbernehmen k\u00f6nnen. Die Eltern seien ihren Kindern emotional am n\u00e4chsten.\u00a0Neben Vertrauen br\u00e4uchten Kinder Struktur, Orientierung und Sicherheit.\u00a0Doch eine Aufgabe sieht er auch\u00a0f\u00fcr die Zust\u00e4ndigen\u00a0in Ministerien und Politik: So m\u00fcsse k\u00fcnftig\u00a0die Ausbildung der P\u00e4dagogen auch die zunehmende Zahl der Kinder mit Problemen und Verhaltensauff\u00e4lligkeiten ber\u00fccksichtigen. Mit diesen Kindern w\u00fcrden Erzieher und Lehrer derzeit oft allein gelassen.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #800000;\">\u00bbDie Eltern sind ihren Kindern emotional am n\u00e4chsten.\u00ab\u00a0\u00a0<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><em>Prof. Veit R\u00f6\u00dfner, Kinder- und Jugendpsychiater<\/em><\/p>\n<p><strong>Und was brauchen Kinder f\u00fcr eine erfolgreiche Zukunft?<\/strong><\/p>\n<p>Die ersten Jahre des Lebens sind Schicksalsjahre, sagen Entwicklungspsychologen. In dieser Zeit bilden sich die meisten Nervenverbindungen. \u00bbKinder brauchen ihr Nest &#8211; ein liebevolles und zuverl\u00e4ssiges Zuhause, eine ausgewogene Umgebung ohne Reiz\u00fcberflutung, spielerische \u00dcbungen zum Wahrnehmen auf allen Sinnes- und Entwicklungsgebieten sowie positive Motivation, bisher schlecht entwickelte Bereiche weiter zu entwickeln\u00ab, so Elke Siegert. Und\u00a0auch sp\u00e4ter\u00a0profitieren Kinder, wenn Eltern an\u00a0ihrer Bildung interessiert sind. Zum Schluss ein\u00a0Fakt, der nachdenklich macht: Im Gegensatz zu Akademikereltern sehen\u00a0Eltern\u00a0aus sozial schwachen Stadtteilen den Wechsel auf das Gymnasium kritisch. Selbst wenn ihr Kind die Empfehlung daf\u00fcr bekommt, f\u00fcrchten sie den Druck und melden ihr Kind oft lieber an einer Oberschule an.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #800000;\">\u00bbKinder brauchen ihr Nest\u00ab\u00a0<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><em>Elke Siegert, Kinder- und Jugend\u00e4rztlicher Dienst<\/em><\/p>\n<p>Den\u00a0ausf\u00fchrlichen Artikel zum Thema gibt es in der aktuellen Zeitschrift <a href=\"http:\/\/www.smk.sachsen.de\/5240.htm\" target=\"_blank\">\u00bbKlasse\u00ab<\/a> des Kultusministeriums.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nirgendwo in Sachsen haben so viele Kinder eine Bildungsempfehlung f\u00fcr das Gymnasium erhalten wie an der Grundschule 5 im Leipziger Waldstra\u00dfenviertel. In diesem Jahr waren es 93% der Viertkl\u00e4ssler und damit doppelt so viele wie im s\u00e4chsischen Durchschnitt. 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