{"id":5627,"date":"2018-03-21T09:55:57","date_gmt":"2018-03-21T08:55:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=5627"},"modified":"2018-04-16T15:37:39","modified_gmt":"2018-04-16T13:37:39","slug":"schule-muss-widerspiegeln-was-sich-in-der-gesellschaft-abspielt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2018\/03\/21\/schule-muss-widerspiegeln-was-sich-in-der-gesellschaft-abspielt\/","title":{"rendered":"\u00bbSchule muss widerspiegeln, was sich in der Gesellschaft abspielt\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>Warum\u00a0die Medienbildung zunehmend wichtig wird f\u00fcr Sachsens Schulen. Kultusminister Christian Piwarz im Gespr\u00e4ch mit Peter Stawowy zur digitalen Bildung und dem\u00a0Vertrauen in Medien.<!--more--><\/p>\n<h3>Warum ist Medienbildung im Moment f\u00fcr die s\u00e4chsische Staatsregierung so ein wichtiges Thema?<\/h3>\n<p><strong>Minister Christian Piwarz:<\/strong> Wir haben im Bereich Medien und Digitalisierung viele technische Neuerungen, die Einzug in unseren Alltag gefunden haben. Kinder und Jugendliche kommen an vielen Stellen mit digitalen Medien und Inhalten in Ber\u00fchrung. Das muss sich nat\u00fcrlich auch im Schulalltag wiederfinden. Wenn Schule nicht das widerspiegelt, was sich in der Gesellschaft abspielt, dann wird es kaum Akzeptanz bei den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern geben f\u00fcr das, was in der Schule inhaltlich vermittelt wird. Ergo m\u00fcssen wir uns darum k\u00fcmmern, dass wir einerseits digitale Bildungsinhalte an Schule bringen und zum anderen die Sch\u00fcler bef\u00e4higen, mit digitalen Inhalten umzugehen.<\/p>\n<h3>Die Medienbildung soll in den kommenden Jahren als Schl\u00fcsselqualifikation in allen schulischen Bereichen gest\u00e4rkt werden. Wie?<\/h3>\n<p>Das ist aus unserer Sicht eine klassische Querschnittsaufgabe. Deswegen werden wir kein eigenes Schulfach einrichten, sondern fach\u00fcbergreifend agieren. Da m\u00fcssen wir schauen, in welchen F\u00e4chern es Sinn macht, auf digitale Bildungsinhalte zuzugreifen und diese als Teil des Unterrichts zu verstehen. Auf der anderen Seite m\u00fcssen wir die Sch\u00fcler bef\u00e4higen, mit digitalen Inhalten umzugehen und kritisch zu hinterfragen.<\/p>\n<h3>Ab welcher Klassenstufe soll die Medienbildung ansetzen?<\/h3>\n<p>Nat\u00fcrlich spielt die Medienbildung auch bereits im Bildungsplan f\u00fcr Kitas eine Rolle. Hier muss man jedoch beachten, dass das nicht hei\u00dft, dass in den Kitas digitale Medien Einzug halten sollen. Selbst die Anforderungen an die Grundschulen w\u00fcrde ich als moderat bezeichnen. Es richtet sich in erster Linie an Sekundarstufe I, also ab Klasse 5.<\/p>\n<h3>Es gibt viele Lehrer, die sich in dem Bereich der neuen Medien sehr engagieren. Anderseits h\u00e4lt sich das Klischee hartn\u00e4ckig, dass viele Lehrer den Polylux dem Beamer vorziehen. Wie sch\u00e4tzen Sie die Medienkompetenz der s\u00e4chsischen Lehrerschaft ein?<\/h3>\n<p>Das ist immer die Frage: M\u00fcssen wir zuerst die Sch\u00fcler oder die Lehrer fit machen? Ich glaube, man muss beides tun. Wir haben drei Schritte vor uns: Wir m\u00fcssen uns \u00fcber die Inhalte verst\u00e4ndigen, die wir an Schule lehren und lernen lassen. Dann m\u00fcssen wir uns \u00fcber die technische Ausstattung im Klaren werden, also welche Endger\u00e4te und welche Technik wir ben\u00f6tigen. Und schlie\u00dflich m\u00fcssen wir auch den Lehrern Hilfestellungen an die Hand geben. Sprich: Wir brauchen Weiterbildungen, die bei den Lehrern ein generelles Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr wecken, was m\u00f6glich und notwendig ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5633\" aria-describedby=\"caption-attachment-5633\" style=\"width: 691px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5633\" src=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Interview-f\u00fcr-Klasse.jpg\" alt=\"\" width=\"691\" height=\"460\" srcset=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Interview-f\u00fcr-Klasse.jpg 800w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Interview-f\u00fcr-Klasse-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Interview-f\u00fcr-Klasse-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 691px) 100vw, 691px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5633\" class=\"wp-caption-text\">Kultusminister Christian Piwarz \/ Foto: Benjamin Jenak<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Wann geht es los mit der f\u00e4cher\u00fcbergreifenden Medienbildung an Schulen?<\/h3>\n<p>Das Thema ist noch in der politischen Abstimmung. Unser Ziel ist es, zum Schuljahr 2019\/20 eine recht umfassende \u00dcberarbeitung der Lehrpl\u00e4ne vorzulegen. Dabei geht es vor allem um das Thema Digitale Bildung\/Medienbildung, aber auch um die St\u00e4rkung der politischen Bildung, ebenfalls ein \u00fcbergreifendes Thema, das viele F\u00e4cher und Schularten betrifft.<\/p>\n<h3>Wenn Medienbildung zuk\u00fcnftig in allen Unterrichtsf\u00e4chern verankert sein soll, wie muss man sich das vorstellen: Haben dann alle Sch\u00fcler ein Tablet oder einen Laptop?<\/h3>\n<p>\u00dcber die endg\u00fcltige Ausbaustufe m\u00fcssen wir uns noch unterhalten. Ziel soll aber sein, dass Sch\u00fcler jederzeit, wenn es aus p\u00e4dagogischer Sicht f\u00fcr den Unterrichtsverlauf erforderlich ist, Zugang zum Internet und einer digitalen Lernumgebung haben. Es geht also darum, digitale Medien und deren Nutzung zu einem unaufgeregten und selbstverst\u00e4ndlichen Bestandteil des Lernens zu machen. Das bedeutet nicht zwingend, dass jeder Sch\u00fcler auch ein Tablet oder sonstiges Endger\u00e4t haben muss. Hier haben Schulen viel Spielraum f\u00fcr eigene p\u00e4dagogische Konzepte. In den kommenden Jahren sollen zudem alle notwendigen Bedingungen geschaffen werden, damit Sch\u00fcler auch auf ihren privaten Ger\u00e4ten p\u00e4dagogische Inhalte nutzen k\u00f6nnen, aber nicht m\u00fcssen. Aber das ist nichts, was wir jetzt kurzfristig entscheiden m\u00fcssen, sondern da m\u00fcssen wir in die Diskussion gehen mit allen Beteiligten, mit Schulen, Lehrern, Sch\u00fclern, Eltern und den kommunalen Schultr\u00e4gern.<\/p>\n<h3>Aber haben die Lehrer derzeit \u2013 insbesondere mit den aktuellen Herausforderungen wie Quereinsteiger einzuarbeiten, Unterrichtsausfall abzudecken und die Herausforderung der Inklusion \u2013 nicht schon genug zu tun?<\/h3>\n<p>Lehrer stehen ohne Zweifel vor gro\u00dfen Herausforderungen. Dazu geh\u00f6ren auch eine Menge Dinge, die abseits vom klassischen Unterricht stattfinden. Deswegen f\u00fchren wir auch die Diskussionen, wie wir Entlastungen an die Schulen bringen k\u00f6nnen, die auch tats\u00e4chlich vom Lehrer als solche wahrgenommen werden.<\/p>\n<p>Aber wenn man den Gedanken weiterf\u00fchren w\u00fcrde und sagen w\u00fcrde, die Arbeitsbelastung ist zu hoch, da geht nichts mehr, w\u00fcrde das im Umkehrschluss doch bedeuten, dass wir uns in den Bildungsinhalten gar nicht mehr weiterentwickeln k\u00f6nnten. Das darf nicht sein. Also: Wir werden nat\u00fcrlich Entlastungen an anderer Stelle schaffen. Aber: Ich gehe davon aus, dass die Sch\u00fcler beim Thema Medienbildung eine hohe Akzeptanz aufbringen und das zu einer Offenheit bei den Lehrern f\u00fchren wird. Insofern kann der Einsatz von digitalen Inhalten und Medien auch eine Entlastung f\u00fcr die Lehrer mit sich bringen.<\/p>\n<h3>Welche Funktion wird die Koordinierungsstelle zur Medienbildung der Staatsregierung \u00fcbernehmen?<\/h3>\n<p>\u00dcber Aufbau und Struktur der Koordinierungsstelle sind wir derzeit noch in den abstimmenden Beratungen. Sie soll aber relativ schnell ans Netz gehen, damit sie schon in der Vorbereitungsphase Ansprechpartner ist.<\/p>\n<h3>Aktuelle Zahlen sagen, dass das Vertrauen in die Medien wieder steigt. Wie erkl\u00e4ren Sie sich den vorangegangenen deutlichen Vertrauensverlust?<\/h3>\n<p>Es gibt momentan gerade im Osten Deutschlands eine gro\u00dfe Unsicherheit und Verunsicherung, aber auch Misstrauen gegen\u00fcber den Eliten in diesem Land. Das bezieht sich nicht nur auf politische Eliten, sondern auch auf die Medien. Da haben die Medien sicherlich auch einen Teil beigetragen, in dem sie allzu deutlich ihre Position als unverr\u00fcckbar hingestellt haben. Gute Medienh\u00e4user haben aber mittlerweile erkannt, wenn etwas in der Berichterstattung nicht gut gelaufen ist oder\u2013 und das passiert jedem Mal \u2013 Recherchefehler aufgetreten sind, dass man das richtig stellt und so glaubw\u00fcrdig bleibt.<\/p>\n<h3>Ist das Misstrauen aus ihrer Sicht ein ostdeutsches Problem?<\/h3>\n<p>Ich nehme es ganz stark als ostdeutsches Problem wahr. Weil die Ostdeutschen mit den Br\u00fcchen in der Biographie dort einen schwierigeren Zugang haben und sehr schnell misstrauisch werden, wenn sie das Gef\u00fchl haben, dass ihnen Dinge vorgegeben werden. Das sehe ich auch bei dem Thema politische Bildung und Demokratiebildung. Dort m\u00fcssen wir aufpassen, dass wir nicht zu viel machen und dadurch das Gef\u00fchl entsteht, wir wollten den Leuten etwas \u00fcberst\u00fclpen. Entsteht dieses Gef\u00fchl, droht sofort eine Gegenreaktion.<\/p>\n<h3>Sie sind Spitzenpolitiker: Was war bislang Ihre schlechteste Erfahrung mit Medien oder einem Medium?<\/h3>\n<p>Ich habe jetzt nicht die eine, ganz schlechte Erfahrung. Ich habe mich oft genug ge\u00e4rgert, wenn in medialen Berichterstattungen nicht der komplette Sachverhalt dargestellt wird, sondern wenn in einem redaktionellen Bericht eine Tendenz des Autors erkennbar ist, sich Kommentar und Bericht vermischen. Es gibt durchaus auch Beitr\u00e4ge, die sehr kritisch mit mir umgehen, wo ich aber sage: Da war alles drin, die Schilderung der Sachverhalte stimmt und die kritische Berichterstattung muss ich aushalten. Aber mich \u00e4rgert es, wenn andere Dinge, die nicht ins Meinungsbild passen, bewusst von Journalisten weggelassen werden. Oder wenn es eine \u00fcberh\u00f6hende Darstellung einzelner Aspekte eines Sachverhalts gibt. Anderseits: F\u00fcr mich sind das Kleinigkeiten, wo ich selbst wei\u00df, wir haben es immer nur mit Menschen zu tun. Und ich wei\u00df: Politiker neigen auch dazu, zu vereinfachen. Das l\u00e4sst sich auch nicht immer vermeiden \u2013 weder auf der einen noch der anderen Seite.<\/p>\n<p>Das Interview ist erschienen in KLASSE, Ausgabe 1\/2018.\u00a0Das Magazin f\u00fcr Schule in Sachsen kann <a href=\"https:\/\/www.smk.sachsen.de\/5240.htm\">hier<\/a> bestellt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum\u00a0die Medienbildung zunehmend wichtig wird f\u00fcr Sachsens Schulen. 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