{"id":5165,"date":"2017-11-17T09:35:51","date_gmt":"2017-11-17T08:35:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=5165"},"modified":"2017-11-27T10:46:15","modified_gmt":"2017-11-27T09:46:15","slug":"fake-news-zur-politischen-bildung-in-sachsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2017\/11\/17\/fake-news-zur-politischen-bildung-in-sachsen\/","title":{"rendered":"\u00bbFake news\u00ab zur politischen Bildung in Sachsen"},"content":{"rendered":"<p>\u00bbIn Sachsen haben Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler 50 Stunden Gemeinschaftskundeunterricht, in Nordrhein-Westfalen dagegen 250 Stunden\u00ab, behauptete gestern Cornelia Falken, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion \u00bbDie Linke\u00ab in einer Landtagsdebatte zur politischen Bildung in Sachsen. Stimmt das? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen.<!--more--><\/p>\n<p>Der Vorwurf von Cornelia Falken ist nicht neu. Gest\u00fctzt durch eine <a href=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2016\/03\/18\/studie-mit-tuecken-zur-politischen-bildung-in-sachsen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie der Konrad Adenauer Stiftung<\/a> taucht die Behauptung in den Medien beharrlich auf. In Sachsen gebe es bis zum Erreichen der mittleren Reife viel zu wenig Stunden Gemeinschaftskunde, n\u00e4mlich nur etwa 50. In Nordrhein-Westfalen seien es mit 250 Stunden deutlich mehr. Doch wer sich die M\u00fche macht, in den Anhang der Studie zu schauen, erkennt, dass die Autoren \u00c4pfel mit Birnen verglichen haben.<\/p>\n<p>Auch eine Internetrecherche offenbart: In Nordrhein-Westfalen gibt es das Unterrichtsfach Gemeinschaftskunde \u00fcberhaupt nicht. Dort werden die Unterrichtsf\u00e4cher Geschichte, Erdkunde und Politik unter dem Lernbereich <a href=\"https:\/\/www.schulministerium.nrw.de\/docs\/Schulsystem\/Schulformen\/Realschule\/Unterrichtsfaecher\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gesellschaftslehre<\/a> zusammengefasst. Ein Realsch\u00fcler belegt in Nordrhein-Westfalen bis einschlie\u00dflich der 10. Klassenstufe 21 Wochenstunden Gesellschaftslehre.<\/p>\n<h2>Mehr gesellschaftswissenschaftlicher Unterricht in Sachsen<\/h2>\n<p>Und wie sieht es in Sachsen aus? Im Freistaat gibt es keinen vergleichbaren Lernbereich. Die Unterrichtsf\u00e4cher Geschichte, Geographie und G\/R\/W (Gemeinschaftskunde\/Recht\/Wirtschaft) werden in der <a href=\"https:\/\/www.revosax.sachsen.de\/vorschrift\/11455-VwV-Stundentafeln#xanl\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Oberschule<\/a> getrennt unterrichtet. Z\u00e4hlt man die Stunden der Unterrichtsf\u00e4cher wie in Nordrhein-Westfalen zusammen, kommt der ge\u00fcbte Mathematiker auf <a href=\"https:\/\/www.revosax.sachsen.de\/vorschrift\/11455-VwV-Stundentafeln%20-%20xanl#xanl\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">25 Wochenstunden<\/a>. Der Anteil der gesellschaftswissenschaftlichen F\u00e4cher ist in Sachsen also deutlich h\u00f6her als in Nordrhein-Westfalen.<\/p>\n<p>Nun kann der kritische Leser einwenden, dass in Nordrhein-Westfalen dennoch mehr Politikunterricht gegeben wird. Denn Geschichte, Politik und Erdkunde sollen gleichberechtigt im Fach Gesellschaftslehre ber\u00fccksichtig werden, hei\u00dft es. Bei 21 Wochenstunden Gesellschaftslehre werden nach Adam Ries demnach sieben Wochenstunden Politik gegeben.<\/p>\n<p>Unter der Annahme, dass sich die Lehrplaninhalte des Unterrichtsfaches Politik mit dem s\u00e4chsischen Fach Gemeinschaftskunde \u00e4hneln, kommt man in Sachsen in der Tat auf lediglich vier Wochenstunden Gemeinschaftskunde. Daf\u00fcr werden in Nordrhein-Westfalen jedoch deutlich weniger Geschichte und Erdkunde gegeben.<\/p>\n<h2>Unterricht in Geschichte und Geographie ist politisch<\/h2>\n<p>So seien die Gegenfragen erlaubt: Tr\u00e4gt Geschichtsunterricht nicht auch zur politischen Bildung bei? Ist selbst der Geographieunterricht nicht auch ein politischer?<\/p>\n<p>Der Blick in den s\u00e4chsischen Lehrplan f\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.schule.sachsen.de\/lpdb\/web\/downloads\/lp_ms_geographie_2009.pdf?v2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geographie in der Oberschule<\/a> legt das zumindest nahe. So besch\u00e4ftigen sich die Sch\u00fcler in der 6. Klasse mit Europa und mit dem Einblick in die kulturelle Vielfalt des Kontinents. So sollen sie Sozialkompetenz und Verst\u00e4ndnis f\u00fcr andere Kulturen und deren Individualit\u00e4t entwickeln. In der 7. Klasse lernen die Sch\u00fcler am Beispiel S\u00fcdafrikas, wie sich wechselnde politische Entwicklungen auf die Raumstruktur auswirken. Am Beispiel Amerikas als Einwanderungskontinent sollen Sch\u00fcler der 8. Klasse die Erkenntnis der Notwendigkeit des Zusammenlebens verschiedener V\u00f6lker gewinnen und die Gleichwertigkeit verschiedener Kulturen anerkennen. Auf dieser Grundlage sollen sie Toleranz und Achtung entwickeln, hei\u00dft es w\u00f6rtlich im Lehrplan. Das sind nur einige Beispiele f\u00fcr politische Bildungsinhalte im s\u00e4chsischen Geographieunterricht.<\/p>\n<p>Mehr noch: Politische Bildung spielt eine noch viel gr\u00f6\u00dfere Rolle im wochenstundenst\u00e4rksten gesellschaftswissenschaftlichen Unterrichtsfach <a href=\"https:\/\/www.schule.sachsen.de\/lpdb\/web\/downloads\/lp_ms_geschichte_2009.pdf?v2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geschichte<\/a>. Schon in den Lernzielen des Lehrplanes ist die politische Bildung klar formuliert: Die Sch\u00fcler sollen die F\u00e4higkeit entwickeln, begr\u00fcndete Urteile \u00fcber Vergangenes, \u00fcber Geschichtsdarstellungen und \u00fcber Geschichtsbez\u00fcge der Gegenwart zu f\u00e4llen. Sie sollen die Bereitschaft zur Mitgestaltung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung entwickeln, hei\u00dft es w\u00f6rtlich. Das wird durch die Lernbereiche in den Klassenstufen untersetzt. Ab Klassenstufe 8 geht es nahezu ausschlie\u00dflich um die Geschichte des 20. Jahrhunderts, Fragen von Demokratie und Diktatur oder Krieg und Frieden.<\/p>\n<p>Kurzum: Der Vergleich mit Nordrhein-Westfalen hinkt. Die Aussage, \u00bbin Sachsen haben Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler 50 Stunden Gemeinschaftskundeunterricht, in Nordrhein-Westfalen dagegen 250 Stunden\u00ab, ist schlichtweg falsch. Falsch ist es auch zu glauben, allein mit mehr Gemeinschaftskundeunterricht sei es getan. Wichtig erscheint auch folgende Frage: Wie kann es besser gelingen, die anspruchsvollen didaktischen Konzepte nachhaltig im Fachunterricht fl\u00e4chendeckend zu implementieren. Dort sollten die L\u00f6sungsans\u00e4tze gesucht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbIn Sachsen haben Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler 50 Stunden Gemeinschaftskundeunterricht, in Nordrhein-Westfalen dagegen 250 Stunden\u00ab, behauptete gestern Cornelia Falken, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion \u00bbDie Linke\u00ab in einer Landtagsdebatte zur politischen Bildung in Sachsen. Stimmt das? 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