{"id":5021,"date":"2017-10-05T10:55:05","date_gmt":"2017-10-05T08:55:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=5021"},"modified":"2017-11-08T16:27:42","modified_gmt":"2017-11-08T15:27:42","slug":"produktives-lernen-bereit-fuer-regelausbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2017\/10\/05\/produktives-lernen-bereit-fuer-regelausbildung\/","title":{"rendered":"Produktives Lernen bereit f\u00fcr Regelausbildung"},"content":{"rendered":"<p>Der Schulversuch \u00bbProduktives Lernen\u00ab hat sich bew\u00e4hrt: Durch den starken Praxisbezug haben viele abschlussgef\u00e4hrdete Sch\u00fcler einen Bildungsabschluss und stabile berufliche Anschlussperspektiven erreicht. Aufgrund des gro\u00dfen Erfolges soll der Schulversuch zum kommenden Schuljahr 2018\/19 in das Regelsystem \u00fcberf\u00fchrt werden. Im neuen Schulgesetz wurden die Weichen bereits gestellt.<!--more--><\/p>\n<p>Eines eint alle Sch\u00fcler im <em>Produktiven Lernen<\/em>: Im regul\u00e4ren Schulbetrieb galt ihr Hauptschulabschluss als gef\u00e4hrdet. Oft sind es Jugendliche mit schwierigen psychosozialen und gesundheitlichen Lebenssituationen. F\u00fcr das <em>Produktive Lernen<\/em> entscheiden sie sich jedoch alle freiwillig. Viele von ihnen sehen es als ihre letzte Chance, Fu\u00df zu fassen und den Weg ins Berufsleben mit einem Schulabschluss zu finden.<\/p>\n<h3>Gute Anschlussperspektiven<\/h3>\n<p>Den Erfolg des Schulversuches in Sachsen best\u00e4tigt nun der Abschlussbericht der Projektevaluation von 2015 bis 2017<sup>1<\/sup>, erstellt durch das Institut f\u00fcr Produktives Lernen (IPLE). Im Untersuchungszeitraum haben insgesamt 520 Jugendliche am <em>Produktiven Lernen <\/em>teilgenommen. 79 Prozent der zuvor abschlussgef\u00e4hrdeten Sch\u00fcler erreichten einen dem Hauptschulabschluss gleichgestellten Abschluss &#8211; 35 von ihnen sogar den qualifizierenden Hauptschulabschluss f\u00fcr Schulfremde.<\/p>\n<p>Das <em>Produktive Lernen<\/em> \u00fcberzeugt vor allem in der Betrachtung der Anschlussperspektiven der Jugendlichen. Rund 43 Prozent der Sch\u00fcler haben direkt im Anschluss eine Ausbildung sicher, \u00fcberwiegend im dualen System.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-5022 size-full\" src=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Produktives-Lernen.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"571\" srcset=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Produktives-Lernen.jpg 800w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Produktives-Lernen-300x214.jpg 300w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Produktives-Lernen-768x548.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p>\n<p>Auch in der Langzeitbetrachtung schafft das <em>Produktive Lernen<\/em> den Sch\u00fclern eine nachhaltige Basis f\u00fcr die berufliche Zukunft. So wurden die Absolventen nach einem halben Jahr noch einmal nach ihrem Verbleib befragt. Der Anteil der Jugendlichen in einer Ausbildung, einer berufsvorbereitenden Ma\u00dfnahme oder einem Arbeitsverh\u00e4ltnis blieb nahezu identisch. Bemerkenswert ist, dass \u00fcber 60 Prozent der Auszubildenden ihren Ausbildungsplatz \u00fcber einen ihrer ehemaligen Praxislernorte gefunden haben. 12 Prozent der Befragten gaben an, \u00bbetwas anderes zu machen\u00ab wie beispielsweise ein Freiwilliges Soziales Jahr oder Berufsgrundbildungsjahr. Die restlichen sieben Prozent machten keine Angabe oder waren zu dem Zeitpunkt arbeitslos.<\/p>\n<p>Der Abschlussbericht zeigte auch einen Zusammenhang zwischen dem Bildungsabschluss und gefundener Anschlussperspektive. Nur f\u00fcnf Prozent der Jugendlichen ohne Abschluss hatten zum Ende der 9. Klasse einen Ausbildungsvertrag in der Tasche \u2013 jedoch 50 Prozent der Sch\u00fcler mit Hauptschulabschluss und sogar 77 Prozent der Sch\u00fcler mit qualifizierendem Hauptschulabschluss.<\/p>\n<h3>Erfolg durch gro\u00dfen Praxisanteil<\/h3>\n<p>Ein Erfolgsrezept des <em>Produktiven Lernens<\/em> ist der gro\u00dfe Praxisanteil und die Verzahnung zwischen Praxiserfahrung und schulischem Lernen. Die Jugendlichen lernen zwei Wochentage in der Schule und arbeiten drei Wochentage in Betrieben, die sie sich selbst aussuchen. Im Gegensatz zu einem Schulpraktikum verbleiben die Sch\u00fcler drei bis vier Monate in demselben Unternehmen \u2013 sechs Betriebe in zwei Jahren. So sammeln sie nicht nur Erfahrung im Bewerben, sondern lernen auch die allgemeinen Anforderungen an die Arbeitswelt kennen. Die Sch\u00fcler k\u00f6nnen herausfinden, wo ihre Interessen liegen, welche M\u00f6glichkeiten es gibt, welche Ressourcen sie haben und auch welche beruflichen Ziele. Die Sch\u00fcler k\u00f6nnen sich bew\u00e4hren &#8211; losgel\u00f6st von den schulischen Leistungen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-5024\" src=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/kfz-mechaniker-241x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"374\" srcset=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/kfz-mechaniker-241x300.jpg 241w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/kfz-mechaniker-768x958.jpg 768w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/kfz-mechaniker-962x1200.jpg 962w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/kfz-mechaniker.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Die gro\u00dfe Mehrheit der Jugendlichen f\u00fchlt sich trotz des geringeren schulischen Anteils im <em>Produktiven Lernen<\/em> gut auf die Berufsschule vorbereitet \u2013 und auf die Wahl des Ausbildungsplatzes. Ihre Lernschwierigkeiten sind nat\u00fcrlich nicht sofort abgestellt, wie Befragungen der Sch\u00fcler verdeutlichen. Aus dem engen Praxisbezug und der M\u00f6glichkeit der Mitbestimmung der Themen im Unterricht, zogen die Sch\u00fcler jedoch gr\u00f6\u00dfere Motivation und entwickelten den Willen, den schulischen Teil abzuschlie\u00dfen. Die Jugendlichen suchten verst\u00e4rkt nach L\u00f6sungen f\u00fcr ihre Lernprobleme und gaben seltener auf.<\/p>\n<p>Seitens der Betriebe werden das <em>Produktive Lernen<\/em> und die gute Zusammenarbeit von Schule und Betrieben gelobt. Die Firmen k\u00f6nnen die Sch\u00fcler \u00fcber l\u00e4ngere Zeit einarbeiten und gegebenenfalls an sich binden. Die Sch\u00fcler lernen den Alltag, die T\u00e4tigkeiten und den Betrieb viel intensiver kennen.<\/p>\n<h3>Besonderer Bildungsweg des Regelsystems<\/h3>\n<p>Das <em>Produktive Lernen<\/em> wurde im Rahmen eines ESF-Projektes 2008 an acht s\u00e4chsischen Oberschulen eingef\u00fchrt und durch das IPLE begleitet. Das Konzept fu\u00dft vor allem auf der freiwilligen Teilnahme der Sch\u00fcler, der curricularen Verbindung des praktischen und schulischen Lernens und in der individuelleren Bildungsberatung. Im Vorfeld des <em>Produktiven Lernens<\/em> durchlaufen die Jugendlichen eine sechsw\u00f6chige Orientierungsphase, in der jeder herausfinden kann, ob diese Lernform zu ihm oder ihr passt. Zum Aufnahmeverfahren geh\u00f6ren zus\u00e4tzlich eine schriftliche Bewerbung und ein Aufnahmegespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Als besonderer Bildungsweg wird das <em>Produktive Lernen<\/em> zum Schuljahr 2018\/19 in das Regelsystem \u00fcberf\u00fchrt werden. Die Ergebnisse des Schulversuchs und der Evaluierung werden bei der Umsetzung einbezogen. Die Qualifizierung der Lehrkr\u00e4fte erfolgt grunds\u00e4tzlich praxisbegleitend in Seminaren und einem Briefstudium, aber auch E-Learning-Angeboten. Am Projekt beteiligen sich derzeit folgende Oberschulen:<\/p>\n<ul>\n<li>Oberschule Freital-Potschappel<\/li>\n<li>Oberschule \u00bbAm Holl\u00e4nder\u00ab in D\u00f6beln<\/li>\n<li>Oberschule \u00bbAm Stadtrand\u00ab Hoyerswerda<\/li>\n<li>Georg-Weerth-Oberschule Chemnitz<\/li>\n<li>Georg-Schumann-Schule, Oberschule der Stadt Leipzig<\/li>\n<li>Helmholtzschule, Oberschule der Stadt Leipzig<\/li>\n<li>121. Oberschule \u00bbJohann Georg Palitzsch\u00ab Dresden<\/li>\n<li>Dr.-Christoph-Hufeland-Oberschule Plauen<\/li>\n<\/ul>\n<p>In der Reportage <a href=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2017\/01\/26\/jeder-hat-eine-chance-verdient-ein-besonderes-projekt-rettet-abschlussgefaehrdete-schueler\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbJeder hat eine Chance verdient. Ein besonderes Projekt rettet abschlussgef\u00e4hrdete Sch\u00fcler\u00ab<\/a> erz\u00e4hlen Lehrer, Sch\u00fcler und Betriebe von ihren Erfahrungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><sup>1<\/sup> Vgl. Produktives Lernen in Sachsen: 2015 \u2013 2017. Abschlussbericht zur Projektevaluation; IPLE 2017.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schulversuch \u00bbProduktives Lernen\u00ab hat sich bew\u00e4hrt: Durch den starken Praxisbezug haben viele abschlussgef\u00e4hrdete Sch\u00fcler einen Bildungsabschluss und stabile berufliche Anschlussperspektiven erreicht. Aufgrund des gro\u00dfen Erfolges soll der Schulversuch zum kommenden Schuljahr 2018\/19 in das Regelsystem \u00fcberf\u00fchrt werden. Im neuen Schulgesetz wurden die Weichen bereits gestellt.<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":5022,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[200,62],"class_list":["post-5021","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bildungspolitik","tag-produktives-lernen","tag-schule"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5021","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5021"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5021\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5031,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5021\/revisions\/5031"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5022"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5021"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5021"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5021"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}