{"id":3523,"date":"2017-02-09T11:25:57","date_gmt":"2017-02-09T10:25:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=3523"},"modified":"2017-02-23T10:48:12","modified_gmt":"2017-02-23T09:48:12","slug":"interview-mit-prof-dr-hans-vorlaender-vereine-sind-erziehungsanstalten-der-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2017\/02\/09\/interview-mit-prof-dr-hans-vorlaender-vereine-sind-erziehungsanstalten-der-demokratie\/","title":{"rendered":"Interview mit Prof. Dr. Hans Vorl\u00e4nder: \u00bbVereine sind Erziehungsanstalten der Demokratie\u00bb"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3663\" aria-describedby=\"caption-attachment-3663\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3663 size-medium\" src=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Vorl\u00e4nder-II-200x300.jpg\" alt=\"vorlaender-ii\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Vorl\u00e4nder-II-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Vorl\u00e4nder-II-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Vorl\u00e4nder-II-800x1200.jpg 800w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Vorl\u00e4nder-II.jpg 1067w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3663\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Hans Vorl\u00e4nder<\/figcaption><\/figure>\n<p>Schule muss ein Ort gelebter Demokratie sein. Demokratieerziehung darf sich nicht nur auf ein Unterrichtsfach beschr\u00e4nken, sagt <strong>Politikwissenschaftler Hans Vorl\u00e4nder<\/strong>. Warum Vereine wichtige Institutionen f\u00fcr eine Zivilgesellschaft sind, erkl\u00e4rt der <a href=\"https:\/\/tu-dresden.de\/gsw\/phil\/powi\/poltheo\/zvd\/direktor\" target=\"_blank\">Direktor des Zentrums f\u00fcr Verfassungs- und Demokratieforschung an der Technischen Universit\u00e4t Dresden<\/a> im Interview.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Wie erreiche ich Politik-verdrossene Menschen? Wie bringe ich sie dazu, dass sie sich beteiligen?<\/h3>\n<p>Erstens: Man muss mit diesen Menschen reden, dabei aber auf Anstand, Respekt und Toleranz bestehen. Zweitens: Man muss rechtzeitig mit Demokratieerziehung beginnen. Der geeignete Ort hierf\u00fcr ist die Schule.<\/p>\n<h3>Reicht Demokratieerziehung in der Schule wirklich aus, um diesen Prozess voran zu bringen oder bedarf es da nicht auch anderer Instrumente?<\/h3>\n<p>Es gibt viele Instrumente. Aber das wichtigste Instrument ist, dass junge Menschen mit der Demokratie, mit den Konflikten, mit den Kompromissen, mit den Institutionen und mit den Verfahren vertraut gemacht werden. Dass man ihnen Raum gibt, Demokratie selbst zu praktizieren &#8211; auch in der Schule. Das ist ganz wichtig. Man muss lernen, dass Menschen unterschiedliche Auffassungen, und Interessen haben. Dabei gilt es Werte wie Toleranz und Respekt zu erlernen. Das kann man in der Schule sehr gut praktizieren. Danach ist man gewappnet f\u00fcr die gro\u00dfen Auseinandersetzungen, die in der Gesellschaft und Politik gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<h3>Was hei\u00dft das im Konkreten? Mehr Demokratieunterricht?<\/h3>\n<p>Die Schule muss neben ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag auch immer ein Ort gelebter Demokratie sein. Mitbestimmung ist bereits f\u00fcr Sch\u00fcler sehr wichtig. Man muss \u00fcber Probleme offen reden k\u00f6nnen &#8211; nicht nur im Bereich des Gemeinschaftskundeunterrichts. Egal in welchem Fach: Kontroversit\u00e4t und Konfliktivit\u00e4t m\u00fcssen in der Schule erlernt und bew\u00e4ltigt werden. Dazu geh\u00f6rt sicher auch eine gewisse St\u00e4rke, sowohl von Lehrerinnen und Lehrern wie auch von Sch\u00fclern.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2835\" aria-describedby=\"caption-attachment-2835\" style=\"width: 424px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2835 size-full\" src=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Fotolia_127791845_XS.jpg\" alt=\"education, high school and people concept - group of happy teenage students with notebooks learning at campus yard\" width=\"424\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Fotolia_127791845_XS.jpg 424w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Fotolia_127791845_XS-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 424px) 100vw, 424px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2835\" class=\"wp-caption-text\">\u00bbSchule muss Ort gelebter Demokratie sein.\u00ab<\/figcaption><\/figure>\n<p>Beide Seiten m\u00fcssen verstehen lernen, wie mit kontroversen Meinungen umzugehen ist. Das ist gewiss nicht immer leicht.<\/p>\n<h3>Dies ist sicherlich auch ein Lernprozess f\u00fcr Lehrer, denn viele haben noch beide politischen Systeme kennengelernt, manche als Sch\u00fcler, manche sogar auch als Lehrer\u2026<\/h3>\n<p>Ein Systemwandel ist nie leicht und geht mit vielen Entbehrungen und H\u00e4rten einher. Auch Lehrer haben umschulen m\u00fcssen. Ich selbst habe nach 1990 Lehrer weitergebildet. Ich wei\u00df daher aus Erfahrung, dass das schwierig ist. Daf\u00fcr muss man Verst\u00e4ndnis und Geduld haben, und gleichzeitig immer wieder darauf hinwirken, dass ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese neuen Formen demokratischer Offenheit und politischer Freiheit entwickelt wird. Es ist eben etwas Anderes, Staatsb\u00fcrgerkunde in einem totalit\u00e4ren oder autorit\u00e4ren Regime oder Gemeinschaftskunde in einer Demokratie zu unterrichten. Nicht nur vom Inhalt, sondern auch von der Methodik her.<\/p>\n<h3>Es gibt auch andere gesellschaftliche Kr\u00e4fte, zum Beispiel Vereine. Werden diese gesellschaftlichen Kr\u00e4fte ihrer Vorbildfunktion in Sachsen gerecht?<\/h3>\n<p>Man muss daf\u00fcr Sorge tragen, dass diese zivilgesellschaftlichen Institutionen, wie Vereine und B\u00fcrgerinitiativen immer gef\u00f6rdert werden. Ein gro\u00dfer Theoretiker und Demokratieforscher, Alexis de Tocqueville, hat in der Mitte des 19. Jahrhunderts Vereine f\u00fcr das Eigentliche und Wichtige in der Demokratie gehalten, weil sich die Menschen dort begegnen. Sie k\u00f6nnen sich organisieren, sie k\u00f6nnen unterschiedliche Interessen miteinander diskutieren und sie k\u00f6nnen auch ihre politischen Forderungen artikulieren. Das ist sozusagen ein Schmelztiegel an Interessen und Meinungen eine, wenn Sie so wollen, \u00bbErziehungsanstalt\u00ab der Demokratie. Solche Vereine &#8211; von der Feuerwehr \u00fcber Fu\u00dfballvereine bis hin zum Briefmarken- oder Heimatverein &#8211; sind ganz wichtige Institutionen. Leider ist es so, dass sich eine lebendige Zivilgesellschaft in Ostdeutschland bisher nicht so hat entwickeln k\u00f6nnen, wie das in Westdeutschland zuvor, in einem Prozess von mehreren Jahrzehnten, der Fall gewesen ist. Das war in der DDR-Zeit nicht m\u00f6glich und auch nicht gew\u00fcnscht. Das muss man ganz langsam wieder aufbauen. Das ist die eigentliche Herausforderung.<\/p>\n<h3>Wie baut man diese Zivilgesellschaft wieder auf?<\/h3>\n<p>Die muss sich von unten regenerieren. Man kann helfen, durch politische Bildung, durch Initiativen, auch durch die bewusste F\u00f6rderung des Ehrenamtes. Doch kann man nicht erwarten, dass jeder dadurch ein hundertprozentiger Demokrat wird. Man kann auch nicht erwarten, dass jeder alles gut findet. Aber es ist wichtig, dass man sich austauscht und manchmal auch sehr hart miteinander redet und lernt, Konflikte auszuhalten und Wege findet, sie zivilisiert beizulegen.<\/p>\n<h3>Also m\u00fcssen wir es auch aushalten, dass es Gegner der Demokratie gibt?<\/h3>\n<p>Demokratie muss aushalten, wenn jemand hart die konkrete Funktionsf\u00e4higkeit der Demokratie kritisiert. Es darf allerdings keine Toleranz gegen\u00fcber den Feinden der Demokratie geben. Zwischen Kritik und Gegnerschaft, zwischen berechtigten Anliegen und Feindschaft gibt es gro\u00dfe Unterschiede.<\/p>\n<p><em>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Nicole Kirchner.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Interviews mit Professor Dr. Hans Vorl\u00e4nder erscheinen gek\u00fcrzt in der n\u00e4chsten Ausgabe der <a href=\"https:\/\/publikationen.sachsen.de\/bdb\/artikel\/27107\">KLASSE<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schule muss ein Ort gelebter Demokratie sein. 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