{"id":2907,"date":"2016-12-10T10:00:56","date_gmt":"2016-12-10T09:00:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=2907"},"modified":"2017-01-17T09:56:00","modified_gmt":"2017-01-17T08:56:00","slug":"qualitaet-der-politischen-bildung-an-schulen-muss-sich-weiterentwickeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2016\/12\/10\/qualitaet-der-politischen-bildung-an-schulen-muss-sich-weiterentwickeln\/","title":{"rendered":"Qualit\u00e4t der politischen Bildung an Schulen muss sich weiterentwickeln"},"content":{"rendered":"<p>Der Sachsen-Monitor brachte alarmierende Ergebnisse ans Licht: Ein relativ hoher Anteil der jungen Menschen in Sachsen zeigt menschenfeindliche oder gar rechtsradikale Einstellungen. Damit m\u00fcssen sich auch die Schulen auseinandersetzen. Einfach ist das nicht und Erfolgsgarantien kann niemand geben. Kultusministerin Brunhild Kurth schreibt im folgenden Beitrag \u00fcber M\u00f6glichkeiten und Grenzen politischer Bildung an Schulen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Politische Bildung hat M\u00f6glichkeiten und Grenzen zugleich<\/h2>\n<figure id=\"attachment_2766\" aria-describedby=\"caption-attachment-2766\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2766 size-medium\" src=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Stm_Kurth_RM23020-300x297.jpg\" alt=\"Die Staatsministerin f\u00fcr Kultus des Freistaates Sachsen, Brunhild Kurth (CDU), aufgenommen am Mintag (12.01.2015) im s\u00e4chsischen Kultusministerium in Dresden. Foto: Robert Michael \/ www.robertmichaelphoto.de *** Local Caption *** Nutzung nur gegen H o n o r a r + 7% Mwst. sowie Urhebernennung. W I C H T I G: Jegliche kommerzielle Nutzung ist H o n o r a r - und M e h r w e r t s t e u e r p f l i c h t i g ! 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Die Klaerung dieser Rechte obliegt dem Nutzer.\" width=\"300\" height=\"297\" srcset=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Stm_Kurth_RM23020-300x297.jpg 300w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Stm_Kurth_RM23020-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Stm_Kurth_RM23020-768x762.jpg 768w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Stm_Kurth_RM23020-1210x1200.jpg 1210w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Stm_Kurth_RM23020-1280x1269.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2766\" class=\"wp-caption-text\">Die Staatsministerin f\u00fcr Kultus des Freistaates Sachsen, Brunhild Kurth (CDU), Foto: Robert Michael<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie wollen wir zusammenleben? Wollen wir eine Gesellschaft, die es Menschen mit unterschiedlichen Traditionen und Lebensanschauungen erm\u00f6glicht, ihre Vorstellungen und Werte zu leben ohne die anderen abzuwerten? Der Sachsen-Monitor hat darauf beunruhigende Antworten und Einstellungen gerade junger Sachsen zu Tage treten lassen. Ein relativ hoher Anteil der jungen Generation zeigte bei der repr\u00e4sentativen Umfrage menschenfeindliche oder gar rechtsradikale Einstellungen. 29 Prozent der 18- bis 29-J\u00e4hrigen sind der Auffassung, die Verbrechen des Nationalsozialismus w\u00fcrden in der Geschichtsschreibung \u00fcbertrieben. Der Aussage \u00bbMuslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden\u00ab stimmen 49 Prozent der jungen Sachsen zu. \u00bbJuden versuchen heute Vorteile daraus zu ziehen, dass sie w\u00e4hrend der Nazi-Zeit die Opfer gewesen sind\u00ab \u2013 diese Aussage vertreten immerhin 46 Prozent der 18- bis 29-J\u00e4hrigen. Dass gerade junge Sachsen, die in einem freiheitlich-demokratischen System aufgewachsen und zur Schule gegangen sind, derartige Haltungen teilen, ist alarmierend.<\/p>\n<h2>Qualit\u00e4tsentwicklung der demokratischen Bildung n\u00f6tig<\/h2>\n<p>Mit diesen Ergebnissen werden sich Politik, Wirtschaft, Kirchen, Vereine, aber auch Schulen intensiv auseinandersetzen m\u00fcssen. Zwar wird das grundlegende politische Werteverst\u00e4ndnis bereits im Elternhaus gepr\u00e4gt. Aber die Ergebnisse des Sachsen-Monitors zeigen, dass wir an Schulen nicht einfach zur Tagesordnung \u00fcbergehen d\u00fcrfen, sondern der Qualit\u00e4t der politischen Bildung noch gr\u00f6\u00dfere Aufmerksamkeit schenken m\u00fcssen. Wir brauchen eine intensive Qualit\u00e4tsentwicklung der demokratischen Bildung an Schulen. Die Zukunft unseres Landes h\u00e4ngt sowohl von mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen der heranwachsenden Generation ab, als auch von einem Kanon gemeinsamer Werte.<\/p>\n<h2>Einzelne F\u00e4cher k\u00f6nnen das nicht allein leisten<\/h2>\n<p>In dieser Situation wird meist reflexartig nach mehr Gemeinschaftskundeunterricht gerufen. Aus der Politikdidaktik, wissen wir, dass dieser Ansatz falsch ist. Politische Bildung und das Vorleben demokratischer Werte darf sich nicht auf einzelne Unterrichtsf\u00e4cher beschr\u00e4nken, sondern muss Unterrichtsprinzip aller F\u00e4cher sein, zum Beispiel auch in der Medienbildung. Im Internet muss man sich nicht zwangsl\u00e4ufig mit kontroversen Meinungen auseinandersetzen, sondern kann sich verborgen hinter einer \u00bbFilterblase\u00ab unter seines gleichen gem\u00fctlich in der \u00bbEchokammer\u00ab einrichten. Wer so in seiner Sicht immer wieder best\u00e4rkt wird, schafft sich unverr\u00fcckbare Weltbilder und denkt am Ende sogar, dass Medien l\u00fcgen.<\/p>\n<p>Die Demokratieerziehung und interkulturelle Bildung an Schulen muss den gleichen Stellenwert genie\u00dfen wie die Vermittlung anderer Kernkompetenzen in den Unterrichtsf\u00e4chern. Dabei ist von entscheidender Bedeutung, wie es um die Schulkultur bestellt ist. Politische Bildung gelingt immer dann am besten, wenn sie erlebbar wird. Es macht Sinn, junge Menschen altersgem\u00e4\u00df mehr und mehr in Entscheidungsprozesse der Schule einzubeziehen und ihnen Verantwortung zu \u00fcbertragen. Das m\u00fcssen Lehrerinnen und Lehrer nat\u00fcrlich mittragen. Eine gute, demokratische Schulkultur ist Aufgabe f\u00fcr alle. Sie ist zuweilen anstrengend, aber auch lohnenswert.<\/p>\n<h2>Aktuelle politische Diskussionen geh\u00f6ren in den Unterricht<\/h2>\n<p>Schule darf zudem kein unpolitischer Raum sein. Ich ermuntere alle Lehrerinnen und Lehrer ausdr\u00fccklich, aktuelle politische Diskussionen in das Unterrichtsgeschehen einflie\u00dfen zu lassen. Die Lehrpl\u00e4ne bieten daf\u00fcr Raum. Sie geben Unterrichtsinhalte f\u00fcr 30 Wochen vor. Ein Schuljahr z\u00e4hlt meist 40 Wochen oder mehr. Zeit f\u00fcr den politischen Diskurs ist also vorhanden. Um es einmal deutlich zu sagen: Kontroverse politische Themen zu diskutieren, Meinungsunterschiede auszuhalten und eigene fundierte Urteile zu bilden \u2013 all dies zu lernen und zu \u00fcben, daf\u00fcr bietet Schule gute Lern- und Erfahrungsm\u00f6glichkeiten. Doch m\u00f6glicherweise scheuen viele aus der \u00e4lteren Lehrergeneration, die noch unter dem Eindruck der ungeliebten \u00bbStaatsb\u00fcrgerkunde\u00ab aus DDR-Zeiten steht, den politischen Diskurs. Hier muss Lehrerfortbildung helfen, die demokratische Diskussionskultur an Schulen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<h2>Moralisieren und missionieren sind tabu<\/h2>\n<p>Doch wer die Ursachen f\u00fcr undemokratische Einstellungen allein in einer unzureichenden politischen Bildung in Schulen sieht, liegt falsch. Wer von einem Mehr an Demokratieerziehung Wunder oder gar kurzfristige Verhaltens\u00e4nderungen erwartet, muss entt\u00e4uscht werden. Der politischen Bildung sind nat\u00fcrliche Grenzen gesetzt. Sch\u00fcler sind nicht naiv. Wenn Lehrer versuchen, Sch\u00fcler einseitig zu beeinflussen, wird meist das Gegenteil von dem erreicht, was man eigentlich m\u00f6chte. Sch\u00fcler merken, wenn ein Lehrer ausschlie\u00dflich moralisiert, Fakten und Argumente einseitig und selektiv darstellt. Aus gutem Grund ist seit Jahrzehnten der sogenannte Beutelsbacher Konsens Grundlage der politischen Bildung und Ausbildung. Er verlangt von Lehrern, dass sie Sch\u00fcler mit einer Sichtweise nicht \u00fcberw\u00e4ltigen. Politiklehrer m\u00fcssen sich davor h\u00fcten, selbst im Dienste einer guten Sache, Sch\u00fcler zu moralisieren oder gar zu missionieren. Der Beutelsbacher Konsens fordert von P\u00e4dagogen auch, dass sie politische Problemstellungen kontrovers behandeln. Wenn etwa die Fl\u00fcchtlingskrise im Unterricht thematisiert wird, dann m\u00fcssen sowohl Chancen als auch Risiken von Zuwanderung klar benannt und im besten Fall diskutiert werden. Einen Unterricht, der sich nicht mit Gegenpositionen auseinandersetzt, darf es nicht geben. Mit dem \u00dcberw\u00e4ltigungsverbot und dem Kontroversit\u00e4tsgebot grenzt sich die politische Bildung in der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewusst vom Konzept des Staatsb\u00fcrgerkundeunterrichts ab.<\/p>\n<h2>Schule ist keine Maschine<\/h2>\n<p>Selbst wenn s\u00e4mtliche F\u00e4cher im Sinne von politischer Bildung als Unterrichtsprinzip f\u00fcr eine Demokratie wichtige Werte vermitteln, werden wir noch keine durchschlagenden Ergebnisse erzielen. Schule funktioniert nicht wie eine Maschine, in der man am Anfang das Richtige in entsprechenden Dosen hineinf\u00fcllt und am Ende kommen die Sch\u00fcler als fertiges Produkt, ausgestattet mit den gew\u00fcnschten Kompetenzen, F\u00e4higkeiten und Werten heraus. Eine mechanische Vermittlung von Werten und Normen, degradiert die Sch\u00fcler zu Objekten. So gelingt es nicht, dass aus Sch\u00fclern einmal m\u00fcndige B\u00fcrger werden. Demokratieerziehung an Schulen kann nur Fr\u00fcchte tragen, wenn sie mit dem zivilgesellschaftlichen Engagement im Umfeld von Schule einhergeht. Staat und Gesellschaft m\u00fcssen in ihren Institutionen, Regelungen und ihrem Handeln demokratische Werte sichtbar machen. Die Schule verantwortet nur einen Teil des Sozialisationsprozesses. Wie sehr die Sozialisation junger Menschen auch vom privaten Umfeld gepr\u00e4gt wird, darauf deuten auch Ergebnisse aus dem Sachsen-Monitor. Auff\u00e4llig sind starke regionale Unterschiede in den Antwortmustern in Leipzig, Dresden und Chemnitz. Die Parteienbindung ist in Leipzig mit 43 Prozent deutlich h\u00f6her als in Chemnitz (24 Prozent). Die Bereitschaft zur politischen Partizipation und Initiative ist in Leipzig ebenso h\u00f6her als in Chemnitz oder Dresden. 30 Prozent in Leipzig schlie\u00dfen es aus, sich an einen Politiker zu wenden, in Dresden sind es 47, in Chemnitz sogar 49 Prozent. Diese Ergebnisse zeigen, Schule allein macht noch keine bessere Gesellschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Brunhild Kurth<\/p>\n<p>S\u00e4chsische Staatsministerin f\u00fcr Kultus<\/p>\n<p><em>Hinweis: Der Beitrag ist in der \u00bbS\u00e4chsischen Zeitung\u00ab vom 10. Dezember 2016 erschienen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sachsen-Monitor brachte alarmierende Ergebnisse ans Licht: Ein relativ hoher Anteil der jungen Menschen in Sachsen zeigt menschenfeindliche oder gar rechtsradikale Einstellungen. Damit m\u00fcssen sich auch die Schulen auseinandersetzen. Einfach ist das nicht und Erfolgsgarantien kann niemand geben. 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