{"id":1392,"date":"2016-12-01T11:37:37","date_gmt":"2016-12-01T10:37:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=1392"},"modified":"2024-05-21T11:09:11","modified_gmt":"2024-05-21T09:09:11","slug":"orientierungsrahmen-fuer-familien-und-sexualerziehung-an-schulen-aktualisiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2016\/12\/01\/orientierungsrahmen-fuer-familien-und-sexualerziehung-an-schulen-aktualisiert\/","title":{"rendered":"Orientierungsrahmen f\u00fcr Familien- und Sexualerziehung an Schulen aktualisiert"},"content":{"rendered":"<p>Der \u00bbOrientierungsrahmen f\u00fcr die Familien- und Sexualerziehung an s\u00e4chsischen Schulen\u00ab ist \u00fcberarbeitet worden. Damit bekommen Sachsens Lehrer erg\u00e4nzende Informationen zu diesem Thema, die den gesellschaftlichen Entwicklungen in diesem Bereich gerecht werden. Warum der Orientierungsrahmen aktualisiert wurde und was die wesentlichen \u00c4nderungen sind, erkl\u00e4rt dieser Blogbeitrag.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Was genau ist der \u00bbOrientierungsrahmen f\u00fcr die Familien-und Sexualerziehung\u00ab?<\/h2>\n<p>Im S\u00e4chsischen Schulgesetz ist im \u00a7 36 verankert, dass unbeschadet des nat\u00fcrlichen Erziehungsrechts der Eltern, die Familien- und Sexualerziehung zur Aufgabe der Schule geh\u00f6rt. Der Orientierungsrahmen bietet den Lehrerinnen und Lehrern aller Schularten zielgerichtet Informationen zur Umsetzung diese Bildungs- und Erziehungsauftrages. Er benennt Ziele und Aufgaben der Familien-und Sexualerziehung n\u00e4her und beschreibt, wie diese in der Schule umgesetzt werden k\u00f6nnen. Es werden zudem Bedingungen benannt, die f\u00fcr eine zeitgem\u00e4\u00dfe Thematisierung erforderlich sind wie zum Beispiel die Einbeziehung von Eltern und externen Partnern.<\/p>\n<h2>In welchen F\u00e4chern spielt Familien- und Sexualerziehung eine Rolle?<\/h2>\n<p>Familien- und Sexualerziehung ist kein eigenes Unterrichtsfach und auch nicht an ein bestimmtes Fach gebunden. Ziele und Inhalte finden sich vor allem in den Lehrpl\u00e4nen folgender F\u00e4cher wieder:<\/p>\n<h3>Grundschule:<\/h3>\n<p>Der Sachunterricht vermittelt erste grundlegende Kenntnisse \u00fcber die Gemeinsamkeiten und Besonderheiten verschiedengeschlechtlicher K\u00f6rper, \u00fcber Zeugung, Schwangerschaft und Geburt. Das Selbstwertgef\u00fchl der Kinder soll gest\u00e4rkt und damit gleichzeitig sexuellem Missbrauch vorgebeugt werden. Zudem geht es um bewusste K\u00f6rperhygiene und gesunde Lebensf\u00fchrung. Au\u00dferdem gewinnen die Sch\u00fcler Einblick in Rollenverst\u00e4ndnisse der Familienmitglieder, in Ver\u00e4nderungen im Familienleben und in kulturelle Verschiedenheiten im Familienalltag.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1398 alignright\" src=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/kondom_104726977_424-300x177.jpg\" alt=\"Condom in the vintage blue jeans pocket. Focus on the condom.\" width=\"300\" height=\"177\" srcset=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/kondom_104726977_424-300x177.jpg 300w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/kondom_104726977_424.jpg 424w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<h3>Alle weiterf\u00fchrenden Schulen:<\/h3>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Gegenstand des Biologieunterrichts ist die naturwissenschaftliche Betrachtung der Sexualit\u00e4t, z.B. wissenschaftlich fundierte Kenntnisse \u00fcber die Fortpflanzung oder sexuell \u00fcbertragbare Krankheiten. Partnerschaft und Familie k\u00f6nnen auch aus verhaltensbiologischer Sicht und soziologischer Sicht betrachtet werden. Zur Familien- und Sexualerziehung geh\u00f6rt auch die Behandlung von ethischen, sozialen und kulturellen Fragen. Das geschieht zum Beispiel in Ethik, Evangelischer Religion,\u00a0 Katholischer Religion, Deutsch, Geschichte, Gemeinschaftskunde\/ Rechtserziehung\/ Wirtschaft und Wirtschaft-Technik-Haushalt\/ Soziales.<\/span><\/p>\n<p>Detaillierte Angaben zu Lernzielen und Lerninhalten sind in den <a href=\"http:\/\/www.schule.sachsen.de\/lpdb\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lehrpl\u00e4nen<\/a> dieser F\u00e4cher zu finden.<\/p>\n<h2>Warum wurde der Orientierungsrahmen \u00fcberarbeitet?<\/h2>\n<p>Die inhaltliche Bestimmung der Begriffe \u00bbEhe\u00ab und \u00bbFamilie\u00ab ist einerseits durch die Gesetzgebung und andererseits durch das gesellschaftliche Bewusstsein einem Wandel unterworfen. Neben der\u00a0 Ehe, die als dauerhafte Verbindung zwischen Mann und Frau verstanden wird, gibt es seit 2001 auch die \u00bbEingetragene Lebenspartnerschaft\u00ab von zwei Menschen gleichen Geschlechts mit zunehmend gleichen Rechten und Pflichten wie sie f\u00fcr die traditionelle Ehe gelten. Der Begriff \u00bbFamilie\u00ab meint heute jede Lebensgemeinschaft von einem oder mehreren Erwachsenen mit einem oder mehreren Kindern, f\u00fcr die gesorgt wird. Der aktualisierte Orientierungsrahmen bietet die Basis, um Aspekte der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt angemessen zu thematisieren. Vorrangiges Ziel ist es dabei, Benachteiligung und Ausgrenzung wegen geschlechtlicher oder sexueller Orientierung vorzubeugen und die geschlechtliche und sexuelle Vielfalt zu tolerieren bzw. zu akzeptieren.<\/p>\n<h2>Gibt es wissenschaftliche Gutachten zum \u00fcberarbeiteten Orientierungsrahmen?<\/h2>\n<p>F\u00fcr die \u00dcberarbeitung des Orientierungsrahmens wurden zwei Gutachten eingeholt. Gutachter waren Dr. Jakob Past\u00f6tter, Pr\u00e4sident der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Sozialwissenschaftliche Sexualforschung sowie Esther Elisabeth Sch\u00fctz, Leiterin des Instituts f\u00fcr Sexualp\u00e4dagogik und Sexualtherapie ISP Uster (Schweiz). Beide Gutachter bewerteten den Orientierungsrahmen insgesamt positiv. So hei\u00dft es bei Dr. Jakob Past\u00f6tter, dass das Papier \u00bbeine wissenschaftlich fundierte und ideologievermeidende Position\u00ab bezieht. Esther Elisabeth Sch\u00fctz\u00a0 fasst zusammen, dass der Rahmen \u00bbzentrale Punkte der heutigen Sexualerziehung aufnimmt und Fachleuten eine gute Orientierung\u00ab bietet.<\/p>\n<h2>Was sind die wesentlichen \u00c4nderungen? Was ist neu?<\/h2>\n<h3>Sexuelle Vielfalt<\/h3>\n<p>Der \u00fcberarbeitete Orientierungsrahmen macht den oben beschriebenen gesetzlichen und gesellschaftlichen Wandel zu den Begriffen \u00bbEhe\u00ab und \u00bbFamilie\u00ab deutlich. Bei der Thematisierung von Geschlechtlichkeit (m\u00e4nnlich\/ weiblich, Jungen\/ M\u00e4dchen, Frauen\/M\u00e4nner) ist zu beachten, dass es Kinder und Jugendliche in der Lerngruppe geben kann, die sich physisch oder psychisch nicht den traditionellen Kategorien zuordnen lassen oder sich selbst nicht eindeutig zuordnen k\u00f6nnen. Deshalb ist beim Sprechen \u00fcber die Geschlechter R\u00fccksicht auf Kinder und Jugendliche zu nehmen, die aktuell oder in Zukunft durch Homo- oder Bisexualit\u00e4t, Intersexualit\u00e4t, Transgender oder Transsexualit\u00e4t eine Orientierung bzw. einen Lebensstil jenseits gewohnter heterosexueller Normen leben bzw. leben werden. Dies erfordert von den Lehrerinnen und Lehrern ein hohes Ma\u00df an Selbstkontrolle und Sensibilit\u00e4t beim Unterrichten und in der allt\u00e4glichen Interaktion einerseits und Achtsamkeit gegen\u00fcber diskriminierendem Verhalten und Sprechen von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern andererseits.<\/p>\n<h3>Bedeutung der Medien<\/h3>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Gro\u00dfe Bedeutung im Sinne \u00bbheimlicher Miterzieher\u00ab kommt den Medien, insbesondere Jugendzeitschriften, Fernsehen und Internet, zu. Die Verhaltens- und Sprachmuster darin widersprechen oft den in der Schule vermittelten Werten. Daran muss bei der Planung von Unterricht und bei der Einsch\u00e4tzung von Sch\u00fclerreaktionen gedacht werden.\u00a0 Zudem werden Jungen und M\u00e4dchen \u00fcber die Medien schon fr\u00fch mit allen Facetten von Sexualit\u00e4t konfrontiert.\u00a0 Es w\u00e4re unangemessen, wenn Schule darauf nicht durch Vorverlegen handlungsrelevanter Themen wie unter anderem Infektionsschutz, Empf\u00e4ngnisregelung, \u00bbdas erste Mal\u00ab oder \u00bbSex in den Medien\u00ab reagieren w\u00fcrde. Der Einsatz des Internets im Unterricht wird grunds\u00e4tzlich begr\u00fc\u00dft, bedarf aber einer speziellen Vorbereitung durch die Lehrerin oder den Lehrer, wenn er lernzielorientiert und p\u00e4dagogisch sinnvoll sein soll.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<h3>Schutz von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern mit Behinderungen bzw. sonderp\u00e4dagogischem F\u00f6rderbedarf<\/h3>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit Behinderungen bzw. sonderp\u00e4dagogischem F\u00f6rderbedarf sind dabei sensibel zu unterst\u00fctzen, ein positives Selbstkonzept aufzubauen, um eine selbstbestimmte Sexualit\u00e4t zu entwickeln zu k\u00f6nnen. Sie sind insbesondere zu bef\u00e4higen, sich vor sexueller Gewalt und Missbrauch zu sch\u00fctzen. Dazu bedarf es spezifischer handlungsorientierter Lernangebote durch eine sachkundige und respektvolle p\u00e4dagogische bzw. sonderp\u00e4dagogische Begleitung.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<h3>Zur\u00fcckhaltung mit abwertenden Meinungen<\/h3>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Lehrerinnen und Lehrer halten sich mit abwertenden Meinungen (u.a. bei dem Adjektiv \u00bbnormal\u00ab) zur\u00fcck, um grunds\u00e4tzlich Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler nicht zu verletzen oder abzuwerten. Es geht dabei um R\u00fccksicht auf Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, in deren Familien andere als die mehrheitlich \u00fcblichen Lebensstile praktiziert werden oder problematische Situationen gegeben sind.<\/span><\/p>\n<h3>Zusammenarbeit mit au\u00dferschulischen Partnerinnen und Partnern<\/h3>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Bei Themen der Familien- und Sexualerziehung, die auf eine Selbstreflexion und die Beantwortung von pers\u00f6nlichen Fragen zielen, wird die Einbindung externer Partner empfohlen. Dabei ist eine Interessenvertretung zu vermeiden und auf entsprechende Qualit\u00e4tssicherung zu achten.<\/span><\/p>\n<h2>Warum \u00fcberhaupt Familien- und Sexualerziehung in der Schule?<\/h2>\n<p>Nach Artikel 22 der Verfassung des Freistaates Sachsen sind Pflege und Erziehung der Kinder das nat\u00fcrliche Recht der Eltern und die zuerst ihnen obliegende Pflicht. Unbeschadet dieses nat\u00fcrlichen Erziehungsrechtes der Eltern geh\u00f6rt nach \u00a7 36 Schulgesetz f\u00fcr den Freistaat Sachsen (SchulG) Familien- und Sexualerziehung aber auch zu den Aufgaben der Schule. Die Entwicklung einer bindungs- und konfliktf\u00e4higen Pers\u00f6nlichkeit ist von vielen Einfl\u00fcssen abh\u00e4ngig. Einstellungen, die f\u00fcr gelingende Partnerschaften und ein zufriedenstellendes Familienleben n\u00f6tig sind, m\u00fcssen gezielt entwickelt und gef\u00f6rdert werden. Erste und entscheidende Pr\u00e4gungen kommen aus dem Elternhaus, weitere aus Kindertageseinrichtungen und Schule, wo institutionelle Rahmenbedingungen auf spezifische Weise eine Auseinandersetzung mit dem Thema Familie, Ehe, Partnerschaft und Sexualit\u00e4t m\u00f6glich machen. Schulische Familien- und Sexualerziehung tr\u00e4gt zu einer selbstbestimmten und verantwortungsbewussten Lebensgestaltung bei, bef\u00e4higt die Heranwachsenden, die eigene Sexualit\u00e4t anzunehmen und zwischenmenschliche Beziehungen positiv zu gestalten. Sie ist auf ein werteorientiertes Leben in Partnerschaften gerichtet, die von gegenseitiger Achtung und gegebenenfalls gemeinsamer Sorge f\u00fcr die in der Familie lebenden Kinder getragen werden.<\/p>\n<h2>Wie werden die Eltern einbezogen?<\/h2>\n<p>Eltern sind dabei wichtige Partner der Schule und haben ein Informationsrecht. So ist nach \u00a7 36 Abs. 2 SchulG den Eltern einer Klasse das Ziel, der Inhalt und die Form der Familien- und Sexualerziehung rechtzeitig mitzuteilen. Meistens wird daf\u00fcr ein Elternabend zu Schuljahresbeginn genutzt. Das Informationsrecht bezieht sich auch auf den Lehrplan und die Lehr- und Lernmaterialien. In Absprache mit dem Klassenlehrer bzw. den zust\u00e4ndigen Fachlehrern l\u00e4dt der Klassenelternsprecher zu einer Sitzung der Klassenelternschaft ein, auf deren Tagesordnung Familien- und Sexualerziehung ausgewiesen ist. Die vorgesehenen Medien, insbesondere die, die \u00fcber die eingef\u00fchrten Schulb\u00fccher hinausgehen, werden den Eltern vorgestellt. Fachliche und p\u00e4dagogische Argumente f\u00fcr das geplante Vorgehen werden erl\u00e4utert. Ein Mitbestimmungsrecht der Eltern \u00fcber Ziele, Inhalte, Methoden und Medien besteht allerdings nicht. Die Teilnahme der Sch\u00fcler an Themen der Familien- und Sexualerziehung im Rahmen des Unterrichts ist obligatorisch. Die Lehrer sind dabei aber bestrebt, Meinungs- oder Auffassungsunterschiede m\u00f6glichst einvernehmlich auszugleichen. Es liegt in ihrer Verantwortung, eventuell auftretende Konflikte mit den Eltern, insbesondere dem Klassenelternsprecher und dem Vorsitzenden des Elternrates der Schule m\u00f6glichst vorher auszur\u00e4umen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der komplette Orientierungsrahmen kann auf der Seite <a href=\"https:\/\/www.schule.sachsen.de\/lebenskompetenz-5133.html\">\u00bbLebenskompetenz\u00ab<\/a> heruntergeladen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der \u00bbOrientierungsrahmen f\u00fcr die Familien- und Sexualerziehung an s\u00e4chsischen Schulen\u00ab ist \u00fcberarbeitet worden. Damit bekommen Sachsens Lehrer erg\u00e4nzende Informationen zu diesem Thema, die den gesellschaftlichen Entwicklungen in diesem Bereich gerecht werden. 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