{"id":12125,"date":"2025-10-15T09:00:00","date_gmt":"2025-10-15T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=12125"},"modified":"2025-10-15T09:47:26","modified_gmt":"2025-10-15T07:47:26","slug":"wie-sachsens-schulen-kuenstliche-intelligenz-nutzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2025\/10\/15\/wie-sachsens-schulen-kuenstliche-intelligenz-nutzen\/","title":{"rendered":"Zwischen Alltag und Aufbruch | Wie Sachsens Schulen K\u00fcnstliche Intelligenz nutzen"},"content":{"rendered":"\n<p>K\u00fcnstliche Intelligenz ver\u00e4ndert Schule \u2013 langsam, aber sp\u00fcrbar. In Sachsen zeigen erste Schulen wie KI-gest\u00fctzte Tools sinnvoll eingesetzt werden k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Was passiert bereits konkret? Was brauchen Schulen, um weiterzukommen? Und was sagen Lehrkr\u00e4fte und Verwaltung zu Chancen und Grenzen von KI <em>\u2013<\/em> und zu der gro\u00dfen Frage: Was kommt als N\u00e4chstes?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Von Antje Tiefenthal<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDer Umgang mit KI muss den Kindern genauso beigebracht werden wie Fahrradfahren\u00ab, sagt Ivonne Rehle, Schulleiterin der Freien Schule Erzgebirgsblick in Gelenau. Dort wird KI l\u00e4ngst im Unterricht genutzt \u2013 nicht, weil sie eine Modeerscheinung, sondern eine Notwendigkeit ist. \u00bbWir m\u00fcssen uns damit auseinandersetzen. Denn wir merken, dass die Kinder bereits in der 5. Klasse KI nutzen\u00ab, sagt Informatiklehrer Christoph Deike. F\u00fcr ihn ist klar: \u00bbKI ist ein Werkzeug \u2013 nicht nur f\u00fcr die Schule, sondern zum Beispiel auch f\u00fcr den sp\u00e4teren Arbeitsalltag. Und genau das ist unser p\u00e4dagogischer Auftrag: Wir m\u00fcssen die Kinder und Jugendlichen auf das Berufsleben vorbereiten.\u00ab Auch Julia Scharsich, Referentin im Referat \u00bbDigitalisierung, Medienbildung\u00ab des S\u00e4chsischen Kultusministeriums (SMK), best\u00e4tigt: \u00bbK\u00fcnstliche Intelligenz ist l\u00e4ngst Teil der Lebensrealit\u00e4t und damit auch Teil des Schulalltages.\u00ab Das Thema besch\u00e4ftigt Schulen, Schultr\u00e4ger und Verwaltung gleicherma\u00dfen. \u00bbViele Lehrkr\u00e4fte fragen sich: Was darf ich \u00fcberhaupt nutzen \u2013 und in welchem Rahmen?\u00ab F\u00fcr das SMK ist deshalb klar: KI muss in den Schulen thematisiert, erprobt und diskutiert werden \u2013 nicht irgendwann, sondern jetzt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Erste Eins\u00e4tze und Chancen<\/h3>\n\n\n\n<p>Noch ist KI an Sachsens Schulen kein fl\u00e4chendeckender Standard, aber sie ist angekommen. Am Beruflichen Schulzentrum Mei\u00dfen-Radebeul beispielsweise erstellen einzelne Lehrkr\u00e4fte mit KI-Unterst\u00fctzung \u00dcbungsmaterialien, nutzen Chatbots oder Lernplattformen. \u00bbDer Einsatz von KI ist in unserem Schulalltag noch eher im Anfangsstadium. Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sind den Lehrenden oft weit voraus\u00ab, sagt Schulleiterin Kerstin Rahn. Auch am Lessing-Gymnasium D\u00f6beln ist der Wissensstand innerhalb des Kollegiums unterschiedlich ausgepr\u00e4gt. \u00bbWir hatten einen p\u00e4dagogischen Tag zum Einsatz von KI im Unterricht. Dabei ist deutlich geworden: Gerade die j\u00fcngere Generation nutzt KI sehr gern. Manche \u00c4ltere sind noch abgeneigt und denken, KI bedeutet Mehraufwand\u00ab, sagt Lehrerin Julia Berger. In einem gemeinsamen Projekt mit der Pacemaker Initiative hat sich das Kollegium der Schule damit besch\u00e4ftigt, wie es KI nutzen kann, zum Beispiel f\u00fcr die Unterrichtsvorbereitung und -gestaltung. \u00bbUnser Ziel ist es, alle Kolleginnen und Kollegen mitzunehmen und ihnen zu zeigen, dass sie keine Angst vor KI haben m\u00fcssen\u00ab, sagt Tommy Greim, stellvertretender Schulleiter des Lessing-Gymnasiums. Er sieht K\u00fcnstliche Intelligenz als Chance. \u00bbKI ist eine enorme Arbeitserleichterung, sowohl f\u00fcr die Lernenden als auch f\u00fcr die Lehrkr\u00e4fte. Man kann damit zum Beispiel relativ schnell auf unterschiedlichen Niveaustufen arbeiten. So k\u00f6nnen wir etwa f\u00fcr unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit Deutsch als Zweitsprache Texte vereinfachen lassen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">An den aktuellen Zeitgeist angepasst<\/h3>\n\n\n\n<p>Am Goethe-Gymnasium Auerbach setzt Lehrer Justus Weber in seinem f\u00e4cherverbindenden Wahlgrundkurs \u00bbComputermathematik\u00ab auf projektorientiertes Arbeiten. \u00bbGerade in Zeiten von KI halte ich solche Formate f\u00fcr sinnvoller als das klassische Auswendiglernen und Reproduzieren. In meinem regul\u00e4ren Fach Mathematik fehlt mir aus Zeitgr\u00fcnden oft die Freiheit, Neues auszuprobieren und den Unterricht dem aktuellen Zeitgeist anzupassen. Dabei g\u00e4be es auch in der Mathematik gro\u00dfartige Ideen, wie man KI im Unterricht gewinnbringend einsetzen kann \u2013 etwa um Konzepte anschaulich zu machen oder interaktive Experimente durchzuf\u00fchren\u00ab, erkl\u00e4rt er. Justus Weber l\u00e4sst nicht nur seine Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit KI arbeiten, sondern nutzt die Technologie selbst: \u00bbKI erlaubt mir, deutlich effektiver zu arbeiten. Mein Unterricht wird durch KI erheblich besser, weil ich Zeit bei redundanten Arbeiten einsparen kann.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wenn KI zu schnell wird<\/h3>\n\n\n\n<p>Mit dem Einsatz von KI wachsen die Fragen. Viele Schulen stehen vor ganz praktischen Problemen und k\u00e4mpfen mit Unsicherheiten, etwa beim Datenschutz, Urheberrecht oder bei der Frage: Was darf ich mit KI \u00fcberhaupt machen? F\u00fcr Hanspeter H\u00f6ra, Lehrer f\u00fcr Englisch und Geschichte am Gymnasium Markneukirchen, ist es eine Herzensangelegenheit, aufzukl\u00e4ren. Er bietet sachsenweit Fortbildungen zum Thema KI f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte sowie f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler an. \u00bbMir begegnet regelm\u00e4\u00dfig die Frage, was aus uns Lehrkr\u00e4ften wird. Ich glaube nicht, dass der Lehrberuf wegfallen wird. Ich sehe KI eher als einen Assistenten, der uns ganz viel abnehmen kann.\u00ab Ihn sorgt stattdessen die wachsende Kluft zwischen Menschen mit guten und schlechten Bildungschancen: \u00bbDie fitten Kinder werden durch KI noch mal fitter. Die anderen geben einfach was ein und \u00fcbernehmen das Ergebnis ungepr\u00fcft \u2013 da geht die \u00dcbungsphase verloren. Ich bin \u00fcberzeugt, dass mit KI die Bildungsschere weiter aufgeht.\u00ab F\u00fcr Justus Weber ist das gr\u00f6\u00dfte Problem die rasante Geschwindigkeit, mit der sich die Technologie weiterentwickelt. \u00bbEs ist schwierig, f\u00fcr Kolleginnen und Kollegen eine ultimative Antwort zu finden, wie KI auf Seiten der Lernenden und Lehrenden sinnvoll eingesetzt werden kann. Ich kann auf Fragen zwar immer eine aktuelle Antwort geben, aber in drei Wochen ist sie dann schon wieder veraltet. Deshalb tauschen wir uns st\u00e4ndig aus: Jeder findet etwas Neues, zeigt es dem anderen. Eine feste Linie, wo man sagt ,So machen wir es jetzt\u2039, kann es noch nicht geben.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was Schulen brauchen<\/h3>\n\n\n\n<p>\u00dcber alle Schulen hinweg w\u00fcnschen sich Lehrkr\u00e4fte mehr Orientierung, Austausch und Qualifizierung. \u00bbWir brauchen eine fl\u00e4chendeckende KI-Grundausbildung\u00ab, fordert Christoph Deike. \u00bbMeine Kolleginnen und Kollegen erarbeiten sich vieles selbst oder fragen mich. Aber das ist auf Dauer keine L\u00f6sung.\u00ab Auch Justus Weber sieht einen strukturellen Engpass: \u00bbEs fehlen vor allem die zeitlichen Ressourcen, um KI in die Fachschaften zu bringen. Wir m\u00fcssen erst mal Unterricht absichern.\u00ab Das Kultusministerium sieht es als eine seiner zentralen Aufgaben, genau die Handlungssicherheit zu geben, die sich die Schulen w\u00fcnschen. \u00bbWir wollen Lehrkr\u00e4fte so unterst\u00fctzen, dass sie KI-Systeme souver\u00e4n und reflektiert einsetzen k\u00f6nnen\u00ab, sagt Julia Scharsich. Bereits seit 2023 gibt es unter mesax.de\/ki ein umfassendes Informationsangebot, das rechtliche Fragen kl\u00e4rt, Tipps gibt und Beispiele zeigt. Mit dem \u00bbAssistenten KAI\u00ab wurde ein datenschutzkonformer und niedrigschwelliger Zugang zu generativer KI geschaffen \u2013 gezielt f\u00fcr den gesch\u00fctzten schulischen Raum. \u00bbJede Lehrkraft, die Interesse hat, soll mit KAI die M\u00f6glichkeit bekommen, K\u00fcnstliche Intelligenz f\u00fcr ihren Unterricht zu nutzen. Eine wichtige Rolle spielen dabei unsere unterst\u00fctzenden Angebote \u2013 darunter Fortbildungsangebote, PITKo, Fachberater sowie die Medienp\u00e4dagogischen Zentren\u00ab, erkl\u00e4rt Julia Scharsich.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Zukunft von KI an Schulen<\/h3>\n\n\n\n<p>KI nimmt Fahrt auf \u2013 in der Verwaltung ebenso wie im Kollegium. Immer mehr Lehrkr\u00e4fte und Schulleitungen denken weiter: Wie kann KI im Schulalltag noch wirksamer werden? Und was braucht es, damit der n\u00e4chste Schritt gelingt? \u00bbWir w\u00fcnschen uns, dass in den kommenden Jahren die Integration von KI im Schulalltag noch st\u00e4rker voranschreitet\u00ab, sagt Kerstin Rahn vom Beruflichen Schulzentrum Mei\u00dfen- Radebeul. Ihr Wunsch: KI-gest\u00fctzte Lernplattformen, die auf individuelle Bed\u00fcrfnisse eingehen, mehr Effizienz und Inklusion erm\u00f6glichen \u2013 ohne die p\u00e4dagogische Arbeit zu ersetzen. \u00bbDabei ist es wichtig, ethische Fragen und den Datenschutz stets im Blick zu behalten, um das Vertrauen aller Beteiligten zu sichern.\u00ab Auch strukturell stehen Ver\u00e4nderungen an. \u00bbIch glaube, Schule wird sich grunds\u00e4tzlich ver\u00e4ndern m\u00fcssen \u2013 so sehr wie noch nie in ihrer Geschichte\u00ab, sagt Tommy Greim vom Lessing-Gymnasium D\u00f6beln. Und Hanspeter H\u00f6ra vom Gymnasium Markneukirchen beschreibt den Einsatz von KI in Schule und Unterricht als Aufbruch ins Unbekannte: \u00bbWir sind Argonauten, die sich in Gew\u00e4ssern bewegen, in denen noch nie jemand unterwegs war.\u00ab Dass dieser Kurs anspruchsvoll ist, bestreitet niemand. Julia Scharsich hat das Ziel fest im Blick: \u00bbIch w\u00fcnsche mir, dass alle Lehrkr\u00e4fte und alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler wissen, wie sie KI f\u00fcr ihre Ziele nutzen k\u00f6nnen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"567\" height=\"378\" src=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/250623Klasse-KI-Gymnasium-Auerbach16_rgb.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12128\" srcset=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/250623Klasse-KI-Gymnasium-Auerbach16_rgb.jpg 567w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/250623Klasse-KI-Gymnasium-Auerbach16_rgb-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 567px) 100vw, 567px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fortbildungskurse und weitere Informationen<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Landesamt f\u00fcr Schule und Bildung hat im Selbstlern-Fortbildungskurs \u00bbOnline Lernen und Lehren in Sachsen\u00ab das Modul \u00bbK\u00fcnstliche Intelligenz in Schule und Unterricht\u00ab erg\u00e4nzt. Das Modul bietet eine praktische Einf\u00fchrung in die Arbeit mit KI-Anwendungen wie ChatGPT.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/ki-campus.org\">https:\/\/ki-campus.org<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Hier geht es zum <a href=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2025\/08\/11\/ki-macht-schule-interview-mit-prof-birte-platow\/\" title=\"\">Interview mit Prof. Birte Platow<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KI an Sachsens Schulen | Schule in Auerbach<\/p>\n","protected":false},"author":3354,"featured_media":12127,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,211,151],"tags":[213,621,407,62],"class_list":["post-12125","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bildungspolitik","category-digitale-bildung","category-zeitschrift-klasse","tag-digitale-bildung","tag-kuenstliche-intelligenz","tag-sachsen","tag-schule"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12125","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3354"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12125"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12125\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12299,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12125\/revisions\/12299"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12127"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12125"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12125"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12125"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}