{"id":11692,"date":"2024-09-13T07:00:40","date_gmt":"2024-09-13T05:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=11692"},"modified":"2024-09-20T09:10:52","modified_gmt":"2024-09-20T07:10:52","slug":"wir-muessen-das-kind-in-den-fokus-nehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2024\/09\/13\/wir-muessen-das-kind-in-den-fokus-nehmen\/","title":{"rendered":"\u00bbWir m\u00fcssen das Kind in den Fokus nehmen\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>Um die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler f\u00fcr die Zukunft stark zu machen, erprobt die Questenberg-Grundschule in Mei\u00dfen alternative Formen der Leistungsbewertung. Schulleiterin Antje Buschmann schreckt auch vor Umwegen und H\u00fcrden nicht zur\u00fcck, sondern geht mit ihrem Team mutig neue Wege.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Aus bunten Legosteinen hat Antje Buschmann ihre Schule der Zukunft gebaut. Mit R\u00e4dern, damit sich die Schule nach vorne bewegt. Mit Fenstern, damit die Schulgemeinschaft in alle Richtungen blicken kann. \u00bbZuerst habe ich gedacht: Was ist denn das f\u00fcr ein Bl\u00f6dsinn\u00ab, erinnert sich die Schulleiterin der Questenberg-Grundschule in Mei\u00dfen an den Moment, als sie vor zwei Jahren in einem Workshop der Initiative \u00bbSchule macht stark\u00ab vor den kleinen Bausteinen stand. Doch Antje Buschmann lie\u00df sich auf die Aufgabe ein und erlebte eine \u00bbInitialz\u00fcndung\u00ab: \u00bbIch habe verstanden, was Schulentwicklung alles erm\u00f6glichen und dass man vieles neu denken kann.\u00ab<\/p>\n<p>Zusammen mit ihrem Stellvertreter Peter Bannier hat Antje Buschmann dann \u00fcberlegt: Wie w\u00fcrde Schule aussehen, wenn wir sie so gestalten k\u00f6nnten, wie wir es wollen? Aus den gemeinsamen \u00dcberlegungen hat das Team ein Konzept entwickelt \u2013 mit vielen mutigen Ans\u00e4tzen. \u00bbDie Welt bricht nicht zusammen, wenn wir etwas ver\u00e4ndern. Corona hat gezeigt, dass Dinge auch ganz anders gehen, als wir es schon seit Jahren gemacht haben \u2013 und unter Umst\u00e4nden sogar besser\u00ab, so die Schulleiterin.<\/p>\n<h2>Vom Legomodell zum Schulversuch<\/h2>\n<p>Was mit einem Legomodell begann, ist nach \u00dcberarbeitungsschleifen und in engem Austausch mit dem S\u00e4chsischen Staatsministerium f\u00fcr Kultus seit dem Schuljahr 2023\/24 ein auf vier Jahre angesetzter Schulversuch. \u00bbUnser Konzept besteht aus vier S\u00e4ulen: Wir wollen eine Kultur der Digitalit\u00e4t f\u00f6rdern, den Schulalltag rhythmisieren, f\u00e4cher\u00fcbergreifend unterrichten und alternative Formen der Leistungsbewertung erproben\u00ab, erkl\u00e4rt Antje Buschmann. Die vier S\u00e4ulen greifen ineinander. Ein Beispiel: \u00bbWenn wir f\u00e4cher\u00fcbergreifend unterrichten, ist es ganz schwierig, die F\u00e4cher am Ende wieder einzeln aufzuschl\u00fcsseln und zu bewerten\u00ab, so Antje Buschmann. Gleichzeitig kenne sie wenige Lehrkr\u00e4fte, die mit der Bewertung in den Nebenf\u00e4chern wirklich gl\u00fccklich waren. Zum einen fehle ihnen die Zeit, man laufe den Noten in den Nebenf\u00e4chern nur hinterher. Zum anderen ist die Schulleiterin \u00fcberzeugt, dass die Notenvergabe in den Nebenf\u00e4chern die im Lehrplan vorgegebenen Lernziele konterkarieren: \u00bbOb das Musik, Sport, Kunst oder Ethik ist: Die Kinder sollen lernen, sich auszuprobieren, Neugier entdecken und Freude am Fach haben. Aber nur in dem Rahmen, wie die Bewertungsma\u00dfst\u00e4be aufgestellt sind. Das ist aus meiner Sicht ein totaler Widerspruch.\u00ab<\/p>\n<h2>Basiskompetenzen sind unverzichtbar<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-11695\" src=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/A-Questenbergschule-099_isocoatedv2eciRGB-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/A-Questenbergschule-099_isocoatedv2eciRGB-198x300.jpg 198w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/A-Questenbergschule-099_isocoatedv2eciRGB-794x1200.jpg 794w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/A-Questenbergschule-099_isocoatedv2eciRGB-768x1161.jpg 768w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/A-Questenbergschule-099_isocoatedv2eciRGB.jpg 824w\" sizes=\"auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/p>\n<p>Gleichzeitig legt das Kollegium der Questenberg-Grundschule Wert auf eine ganz klare R\u00fcckmeldung in den Kernf\u00e4chern Deutsch, Mathematik und Sachunterricht. Das Team m\u00f6chte die Kinder zukunftsf\u00e4hig machen \u2013 und daf\u00fcr seien die Basiskompetenzen von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung, um im Leben erfolgreich sein zu k\u00f6nnen. \u00bbWir bestehen an dieser Stelle auf die Leistungsorientierung. Ob ich lesen, rechnen und schreiben kann, ist entscheidend f\u00fcr mich und meine Zukunftsorientierung. Singen dagegen muss ich heute nicht mehr zwingend k\u00f6nnen\u00ab, erkl\u00e4rt Antje Buschmann. Schlie\u00dflich sei es auch Aufgabe der Schule, den Kindern zu zeigen, was sie gut k\u00f6nnten und wie ihre Zukunft aussehen k\u00f6nne. Seit dem vergangenen Schuljahr werden die Leistungen der Kinder in den F\u00e4chern Musik, Kunst, Sport und Ethik nicht mehr bewertet. Was einfach klingt, ist f\u00fcr Antje Buschmann und ihr Team ein herausfordernder Weg mit Stolperstellen und H\u00fcrden. Immer wieder musste das Kollegium nachjustieren. \u00bbWir haben zum Beispiel den Kindern zum Halbjahr R\u00fcckmeldungen in Form von verschiedenen Pflanzenstadien gegeben. Eine Wurzel bedeutet, dass das Kind noch Entwicklungspotenziale hat, eine Bl\u00fcte zeigt, dass die Kompetenzen schon erbl\u00fcht sind. Allerdings merken die Kinder schnell, dass eine Wurzel auch nichts viel anderes ist als eine Note 4 oder 5.\u00ab Weil es den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern aber st\u00e4rkenorientierte, positive R\u00fcckmeldungen geben m\u00f6chte, entschied sich das Kollegium daf\u00fcr, zum Schuljahresende individuell formulierte Briefe an die Kinder zu schreiben.<\/p>\n<h2>Individuelle Briefe statt Noten<\/h2>\n<p>250 Briefe lagen bei Antje Buschmann in den Tagen vor den Sommerferien auf dem Schreibtisch. Von einem \u00bbG\u00e4nsehautmoment\u00ab spricht die Schulleiterin und zitiert aus einigen Briefen: \u00bbManchmal f\u00e4llt es dir noch schwer, den richtigen Ton zu treffen, um mit anderen Sch\u00fclern in Kontakt zu kommen. Seit der Einf\u00fchrung unseres Klassenbriefkastens aber verfasst du viele liebevoll formulierte Briefe an deine Mitsch\u00fcler und Lehrer und zauberst ihnen damit ein L\u00e4cheln ins Gesicht.\u00ab Oder: \u00bbMeist wirkst du im Unterricht eher zur\u00fcckhaltend und introvertiert, aber als du gemeinsam mit deiner Theatergruppe auf der gro\u00dfen B\u00fchne gestanden hast, konntest du allen zeigen, wie viel Power eigentlich in dir steckt.\u00ab<\/p>\n<p>Im neuen Schuljahr arbeitet das Team daran, das Konzept der alternativen Leistungsbewertung weiter zu erproben und kontinuierlich anzupassen. So sollen jetzt Zielvereinbarungsgespr\u00e4che eingef\u00fchrt werden, damit die Kinder eine klare Vorstellung davon haben, woran sie arbeiten und was sie erreichen sollen. Antje Buschmann ist \u00fcberzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein: \u00bbWir m\u00fcssen das Kind in den Fokus nehmen und damit auch die R\u00fcckmeldung an das Kind \u00fcberdenken, das Selbstvertrauen st\u00e4rken und positiv gepr\u00e4gte Menschen ausbilden. In unserer Gesellschaft schauen wir immer mehr auf das, was nicht funktioniert, obwohl es so viel gibt, was gelingt. Das ist ein Perspektivwechsel, der beim Kind beginnen sollte, wenn wir ihn auf die Gesellschaft anwenden wollen.\u00ab<\/p>\n<h3>Schule der Zukunft<\/h3>\n<p>Der Mei\u00dfener Schulversuch ist eng mit dem Projekt <a href=\"https:\/\/bildungsland2030.sachsen.de\/\">\u00bbBildungsland Sachsen 2030\u00ab<\/a> verbunden. Die m\u00f6gliche Umsetzung einiger der im Strategiepapier formulierten Ziele erprobt die Grundschule aktuell. Im Handlungsfeld \u00bbLernen\u00ab hei\u00dft es zum Beispiel: \u00bb2030 gestalten die s\u00e4chsischen Schulen alle Lern- und Leistungssituationen anwendungs- und kompetenzorientiert. Neben den Ziffernnoten werden vielf\u00e4ltige Formen der R\u00fcckmeldung und der Leistungsbewertung genutzt.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Weitere spannende Beitr\u00e4ge lesen Sie in der <a href=\"https:\/\/publikationen.sachsen.de\/bdb\/artikel\/44825\" data-auto-event-observed=\"true\">aktuellen Ausgabe unserer KLASSE<\/a>.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Text: Antje Tiefenthal<\/p>\n<p>Fotos: Matthias Rietschel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler f\u00fcr die Zukunft stark zu machen, erprobt die Questenberg-Grundschule in Mei\u00dfen alternative Formen der Leistungsbewertung. 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