{"id":11688,"date":"2024-09-23T07:00:35","date_gmt":"2024-09-23T05:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=11688"},"modified":"2024-10-28T09:29:29","modified_gmt":"2024-10-28T08:29:29","slug":"helfen-statt-hass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2024\/09\/23\/helfen-statt-hass\/","title":{"rendered":"Helfen statt Hass"},"content":{"rendered":"<p>Raushalten? F\u00fcr Lehrerin Anne Petkovic keine Option. Sie sieht sich als Unterst\u00fctzerin ihrer Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler \u2013 und zeigt ihnen, wie sie selbst aktiv gegen Gewalt im Netz vorgehen k\u00f6nnen. Daf\u00fcr werden Jugendliche am Oberland-Gymnasium Seifhennersdorf als Peers ausgebildet und unterst\u00fctzen so Gleichaltrige beim Umgang mit Cybermobbing und Hatespeech.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Anne Petkovic ist \u00fcberzeugt: \u00bbLehrerin zu sein \u2013 das ist ein sch\u00f6ner und abwechslungsreicher Beruf. Das Auseinandersetzen mit den Kids h\u00e4lt sicherlich auch jung.\u00ab Die junge Frau unterrichtet die F\u00e4cher Mathematik und Kunst. Nach ihrem Studienabschluss 2014 arbeitete sie erst einmal im B\u00fchnen-, Messe- und Kulissenbau, eignete sich dabei zahlreiche handwerkliche F\u00e4higkeiten an. 2016 entschied sie sich dann f\u00fcr das Referendariat. Von dieser Zeit und den guten Mentorinnen und Mentoren schw\u00e4rmt Anne Petkovic noch heute. Ein Jahr sp\u00e4ter startete sie als Lehrerin am Oberland-Gymnasium Seifhennersdorf in der Oberlausitz \u2013 mit ihrem Mann lebt sie ganz in der N\u00e4he.<\/p>\n<h2>\u00bbVerbieten ist keine L\u00f6sung\u00ab<\/h2>\n<p>Im Alltag sp\u00fcrt die Lehrerin, dass es vielen jungen Menschen nicht bewusst ist, wie stark sie selbst gestalten und Einfluss nehmen k\u00f6nnen \u2013 im Schulleben und in der Gesellschaft. Ein Klassenchat erweist sich beispielsweise als sehr n\u00fctzlich, um sich schnell zu informieren und abzusprechen. Aber er kann auch N\u00e4hrboden f\u00fcr Cybermobbing, Beleidigungen und Hassreden sein, Fotos k\u00f6nnen Ausl\u00f6ser zum Spie\u00dfrutenlauf werden. Auch Lehrkr\u00e4fte sind von Hatespeech und Mobbing nicht verschont. \u00bbUnsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sind heute st\u00e4rker als je zuvor von einer digitalen Welt umgeben. Wir wollen sicherstellen, dass sie nicht nur \u00fcber technische F\u00e4higkeiten verf\u00fcgen, sondern auch \u00fcber das Bewusstsein und die Empathie, um respektvoll miteinander umzugehen\u00ab, so der Anspruch von Anne Petkovic. Was tun, um pr\u00e4ventiv gegen diese moderne Form der Gewalt vorzugehen? \u00bbDie Kinder bewegen sich einen gro\u00dfen Teil des Tages in der digitalen Welt, da vergeben wir uns viel, wenn wir uns aus allem raushalten. Verbieten ist keine L\u00f6sung. Schule muss etwas mit der Lebenswelt der Kids zu tun haben und sie auf ihre M\u00f6glichkeiten, aber auch Aufgaben in unserer Gesellschaft vorbereiten.\u00ab<\/p>\n<p>Anne Petkovic befasst sich schon seit langer Zeit mit diesen Themen, sie besuchte zahlreiche Fortbildungen. Da kam ihr die Ausschreibung einer Stelle als P\u00e4dagogische IT-Koordinatorin (PITKo) vor vier Jahren gerade recht. \u00bbWir haben uns als Gymnasium erfolgreich um das Medienprojekt \u203aSchule und digitale Demokratie\u2039 beworben.\u00ab Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Aktion Zivilcourage e.V. und dem S\u00e4chsischen Staatsministerium f\u00fcr Kultus. Damit wurden Workshops f\u00fcr die Lehrkr\u00e4fte beispielsweise zu Themen wie Cybermobbing, Datenschutz und Hatespeech sowie zu verschiedenen Unterrichtstools angeboten. \u00bbIch habe dabei viel gelernt\u00ab, sagt Anne Petkovic. Auch die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler konnten an verschiedenen Workshops teilnehmen. So befassten sich die 5. und 6. Klassen damit, wie Cybermobbing gestoppt werden kann. Um Meinungsbildung im Netz ging es bei den 7. Klassen, w\u00e4hrend sich die 8. Klassen mit Datensicherheit befassten. Wie man Fake News erkennt, war Thema in den 9. und 10. Klassen.<\/p>\n<h2>Peers k\u00f6nnen mehr bewegen<\/h2>\n<p>Besonders wirksam sei es, wenn die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler miteinander sprechen. \u00bbDie k\u00f6nnen es einfach anders erkl\u00e4ren und Gleichaltrigen Inhalte anders vermitteln\u00ab, sagt Petkovic. Auch in der Wirtschaft und der Wissenschaft hat sich ein sogenanntes Peer-Training bew\u00e4hrt. Es bedeutet so viel wie Lernen auf Augenh\u00f6he von Menschen mit \u00e4hnlichen Lebensrealit\u00e4ten. Peers haben oft einen viel besseren Zugang zu Themen, die sie selbst betreffen. Dadurch k\u00f6nnen sie mehr bewegen als \u00bbklassische\u00ab Trainerinnen und Trainer. So nahmen auch am Oberland-Gymnasium Seifhennersdorf Interessierte aus den 8. und 9. Klassen an einer zweit\u00e4gigen Peer-Ausbildung teil. Sie erhielten praxisnahe Tipps, \u00fcbten Moderation und Rhetorik, befassten sich mit psychologischen und sozialen Aspekten von Gewalt im Internet. Am Ende der Ausbildung erhielten sie ein Zertifikat der Aktion Zivilcourage e. V. sowie einen #PEER.sonalausweis.<\/p>\n<p>In einem gesch\u00fctzten Raum sprechen die Peers nun \u00fcber Folgen des Cyber-Mobbings und lernen, ihre F\u00e4higkeiten f\u00fcr Empathie und Konfliktbew\u00e4ltigung zu st\u00e4rken und gemeinsam L\u00f6sungsans\u00e4tze zu finden. \u00bbMan untersch\u00e4tzt die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler leicht. Wahnsinn, was sie bewirken k\u00f6nnen, wenn man ihnen vertraut und Verantwortung \u00fcbertr\u00e4gt\u00ab, so die engagierte Lehrerin. So waren es auch ihre Peers selbst, die darum baten, daraus ein Ganztagsangebot zu machen. Es wurde genehmigt.<\/p>\n<h2>Jugendliche veranstalten selbst Elternabende<\/h2>\n<p>Mehr noch, die Peers wurden selbst aktiv: Sie leisten Pr\u00e4ventionsarbeit zum Thema Mobbing und Cybermobbing. Dabei erarbeiten sie mit j\u00fcngeren Klassen die Definition dieser Begriffe. Welche Erkennungsmerkmale und welche Rollen gibt es im Konstrukt Mobbing? Wie kann man jemandem, der gemobbt wird, zur Seite stehen und dabei helfen, das Konstrukt aufzubrechen? Dazu veranstalten sie auch Elternabende, damit die Eltern \u00fcber dasselbe Wissen verf\u00fcgen. Sie haben dann klarere Handlungsstrategien, um ihre Kinder bei dem Thema zu unterst\u00fctzen oder einfach ihre eigenen Handlungsweisen zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Das Konzept ging auf: Das Projekt, das von der Schulleitung und einem Gro\u00dfteil der Lehrkr\u00e4fte unterst\u00fctzt wird, habe zu mehr Ruhe gef\u00fchrt und bewirkt, dass Probleme in den Chats nicht mehr so hochgekocht w\u00fcrden, sch\u00e4tzt Petkovic ein. Inzwischen wurden schon weitere Peer-Jahrg\u00e4nge ausgebildet. Da Anne Petkovic im neuen Schuljahr an einem Gymnasium in G\u00f6rlitz lehrt, hat sie das Projekt an einen Kollegen abgegeben, damit es nahtlos weitergef\u00fchrt werden kann. Das w\u00fcnscht sich Anne Petkovic, die sich als Unterst\u00fctzerin und Ansprechpartnerin ihrer Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sieht.<\/p>\n<p><strong>Weitere spannende Beitr\u00e4ge lesen Sie in der <a href=\"https:\/\/publikationen.sachsen.de\/bdb\/artikel\/44825\" data-auto-event-observed=\"true\">aktuellen Ausgabe unserer KLASSE<\/a>.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Text: Bettina Klemm<\/p>\n<p>Fotos: Matthias Rietschel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Raushalten? F\u00fcr Lehrerin Anne Petkovic keine Option. Sie sieht sich als Unterst\u00fctzerin ihrer Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler \u2013 und zeigt ihnen, wie sie selbst aktiv gegen Gewalt im Netz vorgehen k\u00f6nnen. 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