{"id":11674,"date":"2024-08-26T17:30:39","date_gmt":"2024-08-26T15:30:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=11674"},"modified":"2024-09-02T11:02:10","modified_gmt":"2024-09-02T09:02:10","slug":"wer-genderzeichen-verwendet-baut-zusaetzliche-sprachliche-huerden-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2024\/08\/26\/wer-genderzeichen-verwendet-baut-zusaetzliche-sprachliche-huerden-auf\/","title":{"rendered":"\u00bbWer Genderzeichen verwendet, baut zus\u00e4tzliche sprachliche H\u00fcrden auf.\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>Sachsens Kultusminister Christian Piwarz hat heute vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Bezirk Sachsen als erster Preistr\u00e4ger den neu geschaffenen \u00bbUn-Gleichstellungspreis\u00ab bekommen. In einer kurzen Erwiderung ging der Kultusminister auf die Verleihung des Negativpreises ein.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Mit dem Negativpreis m\u00f6chte der DGB auf Sachverhalte hinweisen, die seiner Ansicht nach gegen die Gleichstellung und Inklusion am Arbeitsplatz wirken. Grund f\u00fcr die Preisverleihung an den Kultusminister ist der Umstand, dass Sachsen auf die Einhaltung der deutschen Rechtschreibregeln pocht, was vom DGB als \u00bbGenderverbot\u00ab verstanden wird.<\/p>\n<p>Wir geben die Erwiderung des Kultusministers anl\u00e4sslich der Preisverleihung im Wortlaut wider.<\/p>\n<p>\u2013 Es gilt das gesprochene Wort \u2013<\/p>\n<p>\u00bbVor vier Tagen erreichte mich die Einladung zur heutigen Preisverleihung im Rahmen des Frauenpolitischen Abends des DGB Sachsen. Das ist sportlich \u2013 gerade eine Woche vor der Landtagswahl, in der es um Sachsen und unsere Zukunft geht! Aber die Initiatoren wissen ja, wie wichtig mir das gute Miteinander und der konstruktive \u2013 ja auch kritische \u2013 Austausch ist.<\/p>\n<p>Heute geht es Ihnen nicht um das Zukunftsthema Bildung oder gute Rahmenbedingungen f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten. Heute geht es Ihnen um ein anderes wichtiges Thema: Gleichstellung bzw. Ungleichstellung.<\/p>\n<p>\u00bbPraktizierte Ungleichheit und Diskriminierung soll der Negativ-Preis sichtbar machen, um damit auch f\u00fcr mehr Gleichstellung einzutreten.\u00ab<\/p>\n<p>Worin bestehen diese Ungleichheiten und Diskriminierungen? Das bringen Sie, Frau Kolbe, in der Preis-Ausschreibung vom 7. Juli 2024 trefflich auf den Punkt:<\/p>\n<p>\u00bbniedrigere L\u00f6hne von Frauen,<br \/>\nmehr Teilzeitjobs,<br \/>\nweniger weibliche F\u00fchrungskr\u00e4fte,<br \/>\nsexuelle \u00dcbergriffe und Mobbing<br \/>\ngegen\u00fcber Frauen.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbJeglicher Diskriminierung und Ungleichheit \u2013 nicht nur aufgrund des Geschlechts \u2013 sowie sexuelle und psychische Gewalt m\u00fcssen wir in allen Lebensbereichen entgegentreten. Hier sind wir alle gefordert, in unserem Umfeld aktiv zu werden: Frauen gezielt zu f\u00f6rdern, zu unterst\u00fctzen und zu sch\u00fctzen. Hier stehe ich fest an Ihrer Seite! Und ich h\u00e4tte mich \u00fcber Ihre Einladung zu einem konstruktiven Dialog zu ganz konkretem, wirksamen Handeln gefreut.<\/p>\n<p>Angesichts der beschriebenen Problemlagen bleibt es jedem selbst \u00fcberlassen, zu bewerten, welches Ziel die heutige Verleihung des Negativpreises f\u00fcr Gleichstellung an mich hat. Ein Preis, der erstmals heute verliehen wird.<\/p>\n<p>Immerhin acht Einsender haben mich vorgeschlagen, vor 14 Tagen hat die Jury entschieden und acht Tage sp\u00e4ter wurde die Einladung versandt. Zum Gl\u00fcck ist die Post in Dresden noch schnell \u2013 sonst h\u00e4tte ich wom\u00f6glich von der Verleihung aus der Zeitung erfahren.<\/p>\n<p>Dabei nehme ich die Einladung, mich pers\u00f6nlich zu \u00e4u\u00dfern, doch sehr gern an. Ich finde es wichtig, \u00fcber dieses Thema zu sprechen. Und es ist wichtig, das eigene Handeln regelm\u00e4\u00dfig zu reflektieren \u2013 das gilt f\u00fcr mich, wie f\u00fcr uns alle.<\/p>\n<p>Was also habe ich als Kultusminister genau getan: Ich fordere ein, dass an den s\u00e4chsischen Schulen die Regeln der Deutschen Rechtschreibung gelten. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.<\/p>\n<p>Die Sprache, die in Wort und Schrift verwendet und vermittelt wird, muss klar verst\u00e4ndlich und respektvoll sein. Das hei\u00dft auch: geschlechtergerecht und geschlechtersensibel. Das hei\u00dft nicht: willk\u00fcrlich auf der Tastatur gefundene Sonderzeichen.<\/p>\n<p>Und genau darauf sollen Schulleitungen und Lehrkr\u00e4fte achten. Sie sollen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler f\u00fcr eine geschlechtergerechte Sprache sensibilisieren. Dazu wurden sie im Rahmen der Vorbereitung f\u00fcr das Schuljahr 2021\/2022 per Schreiben aufgefordert.<\/p>\n<p>Dieses Schreiben gibt mit ganz konkretem Beispiel Orientierung, um, ich darf zitieren:<\/p>\n<p>\u00bb&#8230; die Kolleginnen und Kollegen sowie die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern in geeigneter Form f\u00fcr die Thematik der geschlechtergerechten Sprache in der schulischen Kommunikation sowie deren normgerechte sprachliche Umsetzung zu sensibilisieren.\u00ab<\/p>\n<p>Dabei geht es nicht darum, dass die \u00fcberwiegende Mehrheit der Menschen in unserem Land das Gendern ablehnt. Fakt ist doch: Gender-Zeichen sind nicht alltagstauglich. In der Schule erschweren sie vor allem das Erlernen unserer Sprache. Wie oft sprechen wir dar\u00fcber, dass Inklusion wichtig ist und dass wir mehr f\u00fcr die soziale Teilhabe von Menschen tun m\u00fcssen, die \u00fcber geringere Sprachkompetenzen verf\u00fcgen? Wer Genderzeichen verwendet, baut zus\u00e4tzliche sprachliche H\u00fcrden auf.<\/p>\n<p>Deshalb thematisieren wir im Schulleiterschreiben die Verwendung einer diskriminierungsfreien Sprache gegen\u00fcber Menschen mit individuell empfundenen Geschlechtsidentit\u00e4ten und verweisen auf normgerechte sprachliche Alternativen.<\/p>\n<p>Den anschlie\u00dfenden Absatz m\u00f6chte w\u00f6rtlich zitieren: \u00bbVor diesem Hintergrund ist es wichtig, gemeinsam mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern den Gebrauch und die Wirkung verschiedener geschlechtergerechter Sprachformen zu untersuchen und zu reflektieren.<\/p>\n<p>Wenngleich der Deutschunterricht bei der Ausbildung von vertiefter Sprachkompetenz und Sprachbewusstsein hier eine Vorreiterrolle einnimmt, sollte das Gesamtthema Geschlechtergerechtigkeit sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich der normgerechten sprachlichen Umsetzung im Schulalltag und im Unterricht aller F\u00e4cher Ber\u00fccksichtigung finden.\u00ab<\/p>\n<p>In der Verwaltung und an den Schulen gilt das amtliche Regelwerk des Rates f\u00fcr deutsche Rechtschreibung. Diese sehen keine Genderzeichen vor. Nach diesen Regeln lernen unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler die deutsche Rechtschreibung. Und nach diesen Regeln erfolgt selbstverst\u00e4ndlich auch die Benotung.<\/p>\n<p>Dass ein Kultusminister einen Negativpreis bekommt, weil er auf die Einhaltung von Rechtschreibregeln pocht, spricht B\u00e4nde f\u00fcr die Beweggr\u00fcnde der Auszeichnenden und weniger f\u00fcr den Ausgezeichneten. Dieser Logik folgend bekomme ich bald auch einen Negativpreis, weil ich mich an die Verkehrsregeln halte. Insofern nehme ich diese Ehrung dankbar entgegen. So kann ich zumindest meinen Enkelkindern einmal nachweisen, dass ich als Kultusminister meinen Job gemacht habe. \u00a0Besonders wichtig ist mir die Vermittlung der basalen Kompetenzen zu st\u00e4rken \u2013 gerade die Kompetenz \u00bbrichtig zu schreiben\u00ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sachsens Kultusminister Christian Piwarz hat heute vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Bezirk Sachsen als erster Preistr\u00e4ger den neu geschaffenen \u00bbUn-Gleichstellungspreis\u00ab bekommen. 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