{"id":11630,"date":"2024-08-19T10:00:18","date_gmt":"2024-08-19T08:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=11630"},"modified":"2024-08-28T13:51:36","modified_gmt":"2024-08-28T11:51:36","slug":"wie-schuelerinnen-und-schueler-nachrichten-besser-verstehen-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2024\/08\/19\/wie-schuelerinnen-und-schueler-nachrichten-besser-verstehen-lernen\/","title":{"rendered":"Zwischen TikTok und Tagesschau: Wie Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler Nachrichten besser verstehen lernen"},"content":{"rendered":"<p>Die s\u00e4chsische Initiative spreuXweizen setzt sich leidenschaftlich f\u00fcr die St\u00e4rkung der Nachrichtenkompetenz von Jugendlichen ein. Im Interview spricht Aline M\u00f6rath, Projektreferentin bei spreuXweizen, \u00fcber die Herausforderungen und Chancen, die sich in der Arbeit mit jungen Menschen in einer von Social Media dominierten Informationswelt ergeben. M\u00f6rath erkl\u00e4rt, wie spreuXweizen mit innovativen Bildungsangeboten Lehrkr\u00e4fte, Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler dabei unterst\u00fctzt, kritisch und selbstbewusst mit Nachrichten umzugehen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Was ist die Idee und der Ansatz von spreuXweizen?<\/h2>\n<p>Uns geht es vor allem darum, Jugendlichen mehr Nachrichtenkompetenz zu vermitteln. Wir bieten verschiedene Programme an, insbesondere Workshops, die sich an der Lebenswelt der Jugendlichen orientieren. Das bedeutet, wir greifen ihr Nachrichtenverhalten auf Social Media auf und helfen ihnen, Nachrichten besser auf ihre Vertrauensw\u00fcrdigkeit zu pr\u00fcfen. Es geht auch darum, Desinformationen zu erkennen und die Qualit\u00e4t von Nachrichten zu bewerten. Au\u00dferdem wollen wir erkl\u00e4ren, warum Journalismus wichtig ist, was das mit Demokratie zu tun hat und warum freie Berichterstattung notwendig ist. Das Ziel ist es, den Jugendlichen Werkzeuge an die Hand zu geben, um sich in der Flut an Informationen zurechtzufinden und sich nicht \u00fcberfordert zu f\u00fchlen.<\/p>\n<h2>Die Jugendlichen von heute informieren sich vor allem \u00fcber soziale Medien und lesen nicht mehr die klassische Tageszeitung oder schauen um 20 Uhr die Tagesschau. Versuchen Sie, die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler f\u00fcr klassische Medien zu begeistern, oder akzeptieren Sie ihr Mediennutzungsverhalten und arbeiten damit?<\/h2>\n<p>Es ist eine Mischung aus beidem. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir akzeptieren, dass sich das Medienverhalten ver\u00e4ndert hat. Unser eigenes Informationsverhalten unterscheidet sich schlie\u00dflich auch von dem unserer Eltern oder Gro\u00dfeltern. Das ist normal. Deshalb arbeiten wir zun\u00e4chst mit dem bestehenden Informationsverhalten der Jugendlichen und zeigen ihnen, dass es auch auf Social Media seri\u00f6se Nachrichtenquellen gibt. Wir sagen nicht, dass sie unbedingt die Tagesschau schauen m\u00fcssen, aber wir nutzen beispielsweise den TikTok-Kanal der Tagesschau, um zu zeigen, wie man auch auf diesen Plattformen glaubw\u00fcrdige Informationen findet.<\/p>\n<h2>\u00dcber die sozialen Medien sind die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern einer st\u00e4ndigen Nachrichtenflut ausgesetzt. Was macht das mit den jungen Menschen und wie reagiert spreuXweizen darauf?<\/h2>\n<p>Wir nehmen eine gewisse \u00dcberforderung wahr. Verschiedene Studien zeigen, dass die sogenannte \u00bbNews Avoidance\u00ab, also die Abkehr von Nachrichten, zunimmt. Das kann frustrierend sein, insbesondere in Zeiten, in denen man st\u00e4ndig mit schlechten Nachrichten konfrontiert wird. Unser Ziel ist es, den Jugendlichen zu vermitteln, warum es trotzdem wichtig ist, sich zu informieren. Dabei geht es auch darum, ein gewisses Ma\u00df an Selbstf\u00fcrsorge zu vermitteln \u2013 man muss nicht rund um die Uhr Nachrichten konsumieren. Wir zeigen ihnen, dass man durch informierte Entscheidungen viel Handlungsf\u00e4higkeit gewinnt, sei es in politischen oder gesellschaftlichen Fragen. Das ist besonders relevant, da viele unserer Jugendlichen bald wahlberechtigt sind und durch ihre Entscheidungen unsere Gesellschaft und Politik mitgestalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Welche Rolle spielt dabei das Thema Glaubw\u00fcrdigkeitsverlust im Journalismus?<\/h2>\n<p>Vor allem in l\u00e4ndlichen Regionen nehmen wir eine gewisse Skepsis gegen\u00fcber traditionellen Medien wahr, die oft schon im Elternhaus mitgegeben wird. Diese Skepsis begegnet uns auch in unseren Fortbildungen f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte und andere Gruppen. Dort sehen wir nicht nur Kritik, sondern oft auch Misstrauen gegen\u00fcber den Medien, die dann alle gleich mit der Regierung assoziiert werden. Das ist ein Problem, aber vielleicht auch ein Vorteil unseres Projekts: Wir arbeiten zwar mit Journalistinnen und Journalisten zusammen, verstehen uns selbst aber als politische Bildnerinnen und Bildner \u2013 und nicht als Medienhaus. Das erleichtert uns den Zugang zu Schulen und anderen Einrichtungen.<\/p>\n<h2>Wie nehmen die Schulen und die Jugendlichen Ihr Angebot wahr? Wie ist die Bereitschaft, sich darauf einzulassen?<\/h2>\n<p>Das ist sehr unterschiedlich. Bei den Jugendlichen ist das Interesse meist gro\u00df, allein schon, weil es kein normaler Unterricht ist und jemand Externes kommt. Unsere Multiplikatoren, die die Workshops leiten, sind oft n\u00e4her am Alter der Zielgruppe, was zus\u00e4tzlich Interesse weckt. Es gibt jedoch auch F\u00e4lle, in denen wir auf Widerstand sto\u00dfen, vor allem in Klassen mit stark rechten Einstellungen. In solchen F\u00e4llen ist es schwierig, unsere Inhalte zu vermitteln, aber das ist eher die Ausnahme. Insgesamt ist die Offenheit gro\u00df, und auch die Schulen zeigen ein zunehmendes Interesse an unseren Angeboten. Besonders nach Ereignissen wie der Pandemie, dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine oder den j\u00fcngsten Konflikten im Nahen Osten sp\u00fcren wir einen Anstieg der Anfragen.<\/p>\n<h2>Wie sch\u00fctzen Sie sich pers\u00f6nlich vor der Nachrichtenflut?<\/h2>\n<p>Zum einen achte ich darauf, mein Wohlbefinden im Blick zu behalten. Das bedeutet, ich plane bewusst Zeiten ein, in denen ich mich mit bestimmten Themen besch\u00e4ftige, und vermeide es, ununterbrochen am Handy zu sein und Push-Nachrichten zu checken. Nachrichtenvermeidung ist f\u00fcr mich jedoch keine Option, da ich aufgrund meiner Arbeit, aber auch aus pers\u00f6nlichem Interesse informiert bleiben m\u00f6chte. Eine Sache, die mir sehr wichtig ist und die wir auch unseren Teilnehmern vermitteln, ist die Vielfalt der Nachrichtenquellen. Es ist wichtig, aus seiner Filterblase auszubrechen und verschiedene Perspektiven zu h\u00f6ren.<\/p>\n<h2>Wie erkl\u00e4ren Sie das den Jugendlichen? Wie vermitteln Sie ihnen die Bedeutung von Nachrichtenvielfalt?<\/h2>\n<p>Indem wir ihnen zum Beispiel raten, verschiedene Medien zu abonnieren, sowohl auf Social Media als auch im analogen Bereich. Es geht darum, unterschiedliche Quellen zu nutzen und sich auch mit Menschen auszutauschen, die eine andere Meinung haben. So lernt man, die eigene Blase zu verlassen und vielf\u00e4ltigere Informationen zu erhalten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/spreu-weizen.de\/\"><strong>Mehr zu spreuXweizen <\/strong><strong>gibt es hier.<\/strong><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Text: Antje Tiefenthal<\/p>\n<p>Grafik: spreuXweizen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die s\u00e4chsische Initiative spreuXweizen setzt sich leidenschaftlich f\u00fcr die St\u00e4rkung der Nachrichtenkompetenz von Jugendlichen ein. 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