{"id":11625,"date":"2024-10-07T07:00:27","date_gmt":"2024-10-07T05:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=11625"},"modified":"2024-10-28T09:29:21","modified_gmt":"2024-10-28T08:29:21","slug":"durch-das-internet-entsteht-ein-staendiger-druck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2024\/10\/07\/durch-das-internet-entsteht-ein-staendiger-druck\/","title":{"rendered":"\u00bbDurch das Internet entsteht ein st\u00e4ndiger Druck\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>Neurowissenschaftlerin Maren Urner erkl\u00e4rt im Interview, welche Folgen die t\u00e4gliche Medienflut auf Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler hat. Sie zeigt Wege auf, wie Lehrkr\u00e4fte darauf reagieren k\u00f6nnen, um die Kinder und Jugendlichen zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>In der Medienwelt lassen sich einige Trends beobachten \u2013 klassische Medien verlieren an Bedeutung und Glaubw\u00fcrdigkeit, soziale Medien sind \u00fcberpr\u00e4sent, die Flut an negativen Nachrichten scheint unaufhaltsam. Was macht das mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern?<\/h2>\n<p>Vieles! Ich versuche ein paar Aspekte zu nennen. Zun\u00e4chst ist da die Dauerverf\u00fcgbarkeit. Durch das Internet und Smartphones entsteht ein st\u00e4ndiger Druck, verbunden mit Fragen wie: Was k\u00f6nnte ich gerade verpassen? Wann reagieren Freundinnen und Freunde auf meinen Post, meine Story, mein Video? Studienergebnisse zeigen, dass bereits die Anwesenheit eines Smartphones daf\u00fcr sorgt, dass es einen Teil der Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Dadurch f\u00e4llt es gerade jungen Menschen \u2013 bei denen bestimmte Hirnbereiche noch nicht vollst\u00e4ndig ausgebildet sind \u2013 schwer, sich auf eine Sache wirklich zu konzentrieren. Gleichzeitig korrelieren lange Nutzungszeiten sozialer Medien ironischerweise mit Gef\u00fchlen von Einsamkeit und psychischen Krankheiten wie Depressionen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass die erw\u00e4hnte Negativit\u00e4t das Verhalten des sogenannten \u00bbDoomscrolling\u00ab beg\u00fcnstigen kann. Gemeint ist damit ein suchtartiges Konsumieren von negativen Nachrichten, was wiederum zu einem zu negativen Weltbild und Hilflosigkeit in dieser entscheidenden Lebensphase f\u00fchren kann.<\/p>\n<h2>Wie kann man Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler resilienter machen gegen die Medienflut, die auf sie einprasselt? Welche ganz konkreten, praxisnahen Ideen haben sie?<\/h2>\n<p>Der wichtigste Punkt ist hier tats\u00e4chlich \u2013 und es klingt einfach, ist es aber nicht \u2013 ein bewusster Umgang mit der eigenen Aufmerksamkeit. Sprich, es geht darum, eine Sensibilit\u00e4t daf\u00fcr zu entwickeln, wann und wie ich als Sch\u00fclerin oder Sch\u00fcler mit der F\u00fclle an Informationen umgehe. Das geht am besten im ehrlichen und respektvollen Austausch mit anderen. Um diesen leisten zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigen Eltern und Lehrkr\u00e4fte nicht nur ein Wissen \u00fcber die aktuell angesagten Plattformen, Apps und Angebote, sondern vor allem auch eine emotionale Reife, die es ihnen erlaubt, die Beweggr\u00fcnde hinter der Mediennutzung der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zu erfragen und zu adressieren. Ganz praktisch geht es am Anfang und Ende immer um Gewohnheiten, die Kinder (und Erwachsene) am besten spielerisch erlernen k\u00f6nnen. Beispielsweise kann ein Spiel daraus entstehen, zu testen, wer bei einer Verabredung am l\u00e4ngsten nicht auf sein Handy schauen kann \u2013 wer \u00bbverliert\u00ab, muss vielleicht ein Eis ausgeben oder einen anderen \u00bbEinsatz\u00ab liefern.<\/p>\n<h2>Was kann und sollte aus Ihrer pers\u00f6nlichen Sicht Schule hier leisten \u2013 und was ist nicht die Aufgabe der Schule?<\/h2>\n<p>Die Schule kann ein Ort sein, an dem die genannten Gewohnheiten \u00bbvorgeschlagen\u00ab und \u00bbeinge\u00fcbt\u00ab werden. Das mag ein wenig technisch klingen, ist aber ein ganz wichtiger Aspekt, da die Schule ein wichtiger sozialer und kommunikativer Ort ist. Sprich, hier geht es viel darum, was \u00bbnormal\u00ab ist, wer \u00bbdazu geh\u00f6rt\u00ab und welcher Umgang mit dem Smartphone, Internet und sozialen Medien \u00bbrichtig\u00ab ist. Dabei ist es zentral, die Bed\u00fcrfnisse der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler und ihre Lebenswelt(en) zu ber\u00fccksichtigen und nicht mit dem erhobenen Zeigefinger zu agieren. Das wird im Zweifel das Gegenteil eines bewussten Umgangs bewirken.<\/p>\n<h2>Wie kann man Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler daf\u00fcr begeistern, dass sie die klassischen journalistischen Medien nicht aus den Augen verlieren?<\/h2>\n<p>Auch hier spielen verschiedene Akteure eine wichtige Rolle. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen die klassischen Medien Inhalte und Formate anbieten, die junge Menschen erreichen und ber\u00fchren. Dabei ist in der Vergangenheit viel \u00bbfalsch\u00ab gelaufen, weil beispielsweise \u00bbf\u00fcr die jungen Leute\u00ab von \u00bbalten\u00ab Leuten produziert wurde \u2013 das Jugendwort \u00bbcringe\u00ab trifft auf viele der so entstandenen Ergebnisse zu.<\/p>\n<p>Dann gilt es nat\u00fcrlich auch zu Hause klassische journalistische Medien zu nutzen, sprich sie als \u00bbnormal\u00ab in den Alltag zu integrieren. Das muss nicht immer die Tagesschau sein, aber auch hier sind insgesamt gemeinsame Routinen mit journalistischen Angeboten von Qualit\u00e4tsh\u00e4usern wichtig.<\/p>\n<p>Und \u2013 last but not least \u2013 kommt auch den Schulen eine entsprechende Rolle zu. Welche Quellen und Medien werden im Unterricht benutzt? Und welche Beitr\u00e4ge dabei analysiert und zitiert? Haben sie einen Bezug zum Alltag der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler? Dazu eine pers\u00f6nliche Anekdote zum Abschluss: Ich habe das gedruckte Magazin \u00bbTIME\u00ab durch meinen Englischlehrer in der Oberstufe kennengelernt und es seit meiner Studienzeit im Abo.<\/p>\n<h3>Zur Person<\/h3>\n<p>Maren Urner ist Neurowissenschaftlerin und seit 2019 Professorin f\u00fcr Medienpsychologie an der Media University of Applied Sciences in K\u00f6ln. Ihre drei B\u00fccher \u00bbSchluss mit dem t\u00e4glichen Weltuntergang\u00ab (Droemer 2019), \u00bbRaus aus der ewigen Dauerkrise\u00ab (Droemer 2021) und \u00bbRadikal emotional: Wie Gef\u00fchle Politik machen\u00ab (Droemer 2024) sind SPIEGEL-Bestseller. Sie ist Preistr\u00e4gerin des B.A.U.M. Umwelt- und Nachhaltigkeitspreises 2023 in der Kategorie Wissenschaft. Zum 1. September 2024 hat sie den Ruf als Professorin f\u00fcr nachhaltige Transformation an der FH M\u00fcnster angenommen und wird Studiengangsleiterin des neuen <a href=\"https:\/\/www.fh-muenster.de\/de\/studiengaenge\/nachhaltige-transformationsgestaltung-master\">Master-Studiengangs \u00bbNachhaltige Transformationsgestaltung\u00ab.<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Text: Antje Tiefenthal<\/p>\n<p>Foto: Lea Franke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neurowissenschaftlerin Maren Urner erkl\u00e4rt im Interview, welche Folgen die t\u00e4gliche Medienflut auf Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler hat. 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