{"id":11565,"date":"2024-07-10T15:24:44","date_gmt":"2024-07-10T13:24:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=11565"},"modified":"2024-08-08T10:46:05","modified_gmt":"2024-08-08T08:46:05","slug":"staffelstab-bei-jugend-debattiert-uebergeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2024\/07\/10\/staffelstab-bei-jugend-debattiert-uebergeben\/","title":{"rendered":"Staffelstab bei \u00bbJugend debattiert\u00ab \u00fcbergeben"},"content":{"rendered":"<p>Eine Demokratie braucht Menschen, die kritische Fragen stellen, die aufstehen, ihre Meinung sagen und sich mit den Meinungen anderer auseinandersetzen, die zuh\u00f6ren und reden k\u00f6nnen. Menschen, die fair und sachlich streiten. Schon in der Schule kann man damit beginnen. <!--more-->\u00bbJugend debattiert\u00ab verbindet das Training im Unterricht mit einem bundesweiten Wettbewerb (<a href=\"http:\/\/www.jugend-debattiert.de\">www.jugend-debattiert.de<\/a>). Auf Schul-, Regional- und Landesebene bis hin zum Bundeswettbewerb k\u00f6nnen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ab Klasse 8 in zwei Altersgruppen ihre neu gewonnenen F\u00e4higkeiten erproben.<\/p>\n<p>Die \u00bbJugend debattiert\u00ab-Community wuchs in den letzten 20 Jahren enorm. Allein in Deutschland nehmen rund 200.000 Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen und 7.500 Lehrkr\u00e4fte aus 1.400 Schulen teil. Und dazu noch Deutschlernende in rund 40 L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Nach jahrzehntelanger engagierter und sehr erfolgreicher Arbeit als Landeskoordinatorin Sachsens \u00fcbergibt Martina Jahn mit dem neuen Schuljahr den Staffelstab an Susann Kaboth vom Martin-Andersen-Nex\u00f6 Gymnasium Dresden und Tina Kleefeldt vom Romain-Rolland-Gymnasium Dresden.<\/p>\n<h2>\u00a0Was fasziniert Sie an \u00bbJugend debattiert\u00ab?<\/h2>\n<p>Martina Jahn: Wie oft wirft das Leben in einer pluralistischen Gesellschaft wie unserer Fragen auf, die \u00fcberall entstehen, wo Menschen mit unterschiedlicher Meinung auch ganz unterschiedlich handeln? Schule ist und bleibt Spiegelbild des gesellschaftlichen Miteinanders. Klar denken, aber fair streiten ist eine notwendige Voraussetzung daf\u00fcr, viele Fragen mit jungen Menschen zu beantworten. Um den Prozess einer Debattenkultur zu gestalten, machen sich in Sachsen immer wieder engagierte Lehrerinnen und Lehrer auf den Weg, ihren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern wichtige Grundlagen daf\u00fcr zu vermitteln. Dieser Weg ist oft nicht leicht, fordert viel Engagement, zumal dies au\u00dferhalb des Stundendeputates und ohne jegliche Anrechnung erfolgt. Das nehme ich mit gro\u00dfer Achtung und Dankbarkeit wahr. Faszinierend ist f\u00fcr mich, auf welch hohem Niveau es dank dieses hohen Einsatzes unserer Kolleginnen und Kollegen gelingt, Debatten zu gestalten, in der alle etwas lernen. Sowohl die Debattierenden als auch die Zuh\u00f6renden gelangen von einer Kontroverse zum Erkenntnisgewinn. Dabei agieren sie streng in der Sache und freundlich im Wort. Manche Debatten in Politik und Gesellschaft k\u00f6nnen sich daran durchaus ein Beispiel nehmen.<\/p>\n<p>\u00bbJugend debattiert\u00ab ist nicht nur ein Projekt der Demokratiebildung und der politischen Bildung, sondern vermittelt Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern vor allem Selbstwirksamkeit. Sie erlangen die F\u00e4higkeit mutig aufzustehen, die eigene Meinung mit Sachkenntnis zu vertreten. Beindruckend bleibt immer wieder, wie selbstsicher, sprachlich wirkungsvoll und respektvoll das geschieht. Diese wichtigen Kompetenzen zu f\u00f6rdern, ist f\u00fcr die Lehrerinnen und Lehrer harte Arbeit, aber eine sch\u00f6ne Aufgabe und ein St\u00fcck gemeinsamen Weges. In Basisseminaren lernen und \u00fcben die Kolleginnen und Kollegen zun\u00e4chst erst einmal selbst, was sie sp\u00e4ter mit ihren Klassen und Gruppen trainieren. Auch diese Prozesse sind wertvoll.<\/p>\n<p>Mich fasziniert, wie sich junge Menschen durch \u00bbJugend debattiert\u00ab entwickeln, vor allem auch als Pers\u00f6nlichkeiten. Das nehme ich als einen unsch\u00e4tzbaren Gewinn mit. Im gegenseitigen Austausch und mit dem notwendigen Perspektivwechsel lernen sie Schritt f\u00fcr Schritt, ihre eigene Haltung konstruktiv zu vertreten und \u00fcberzeugend zu argumentieren. Das st\u00e4rkt sie auch im pers\u00f6nlichen Umfeld und in Pr\u00fcfungssituationen. In spannenden Debatten tragen viele Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zu lebendigen Unterrichtsgespr\u00e4chen bei und bringen sich engagiert in Gestaltungsprozesse ihrer Schulen und Kommunen ein. In keinem anderen Projekt meiner mehr als 20j\u00e4hrigen T\u00e4tigkeit als Landeskoordinatorin habe ich so viele Weiterentwicklungen von Menschen erlebt, meine eigene inbegriffen. Das ber\u00fchrt mich sehr.<\/p>\n<h2>Warum sollten sich Schulen unbedingt an diesem Programm beteiligen?<\/h2>\n<p>Martina Jahn: \u00bbJugend debattiert\u00ab f\u00f6rdert sowohl den Einzelnen, als auch die Schulgemeinschaft. Eine etablierte Feedbackkultur als Resultat des fairen, konstruktiven Streitens unterst\u00fctzt wirkungsvoll Partizipationsprozesse an der Schule. Wettbewerbe und \u00f6ffentliche Debatten zu schuleigenen Themen bereichern das Schulleben, festigen die Gemeinschaft und haben zudem eine sehr positive Au\u00dfenwirkung. Nach manchem Basisseminar an Schulen zur Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern haben mir die Beteiligten signalisiert, dass sie auch als Kollegium n\u00e4her zueinander ger\u00fcckt sind.<\/p>\n<p>\u00bbJugend debattiert\u00ab ist aber auch eine hervorragende M\u00f6glichkeit, sich mit anderen zu messen, Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler aus dem Schulverbund, dem Bundesland und bundesweit kennenzulernen und sich mit spannenden Themen aus Politik und Gesellschaft auseinanderzusetzen. Dieser Schritt folgt aber erst, nachdem \u00bbJugend debattiert\u00ab als Projekt an der Schule auf sicheren F\u00fc\u00dfen steht.<\/p>\n<p>Macht euch auf den Weg, nehmt gen\u00fcgend Proviant mit, baut auf Erfahrungen anderer im \u00bbJugend debattiert\u00ab-Schulnetz, lasst euch nicht entmutigen und sucht euch zuverl\u00e4ssige Begleiter aus allen Bereichen. Bei \u00bbJugend debattiert\u00ab lernen alle Beteiligten. Versprochen.<\/p>\n<h2>Warum ist es wichtig f\u00fcr mich, mich f\u00fcr dieses Programm zu engagieren?<\/h2>\n<p>Tina Kleefeldt: \u00bbJugend debattiert\u00ab bietet eine Vielzahl von Vorteilen f\u00fcr Jugendliche. Es tr\u00e4gt zur pers\u00f6nlichen Entwicklung junger Menschen bei, f\u00f6rdert das demokratische Verst\u00e4ndnis und die soziale Integration. Neben der Verbesserung beziehungsweise der Ausbildung von Argumentationsf\u00e4higkeit sind f\u00fcr mich drei Punkte bei \u00bbJugend debattiert\u00ab wichtig: Die Selbstsicherheit, die Jugendliche im Projekt entwickeln k\u00f6nnen, die an der Sache orientierte Auseinandersetzung mit aktuellen Themen, die zu einer Versachlichung mitunter hoch emotionaler Diskurse und Themen beitr\u00e4gt und \u2013 vielleicht am wichtigsten aus meiner Sicht &#8211; der in der Debatte vollzogene Perspektivwechsel, weil die Themen anwaltlich vertreten werden. Junge Menschen werden \u00fcber ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre pers\u00f6nliche Filterblase hinaus dazu angeregt, sich in andere Meinungen, Positionen und Lebensweisen hineinzuversetzen. Damit leistet \u00bbJugend debattiert\u00ab einen wichtigen Beitrag f\u00fcr gesellschaftlichen Zusammenhalt.<\/p>\n<p>Susann Kaboth: W\u00e4hrend meines Referendariats nahm ich vor 10 Jahren bei Martina Jahn selbst an einem Basisseminar von Jugend debattiert teil. Seitdem brenne ich f\u00fcr dieses Programm als Schul-, sp\u00e4ter Regional- und nun auch Landeskoordinatorin. Seit drei Jahren bilde ich selbst Lehrkr\u00e4fte in ganz Sachsen aus und halte eben diese Basisseminare. Als Englischlehrerin wei\u00df ich um die Relevanz des gesprochenen Wortes und der perfekten Wortwahl. Als Politiklehrerin sehe ich aber nat\u00fcrlich den immensen Mehrwert des Perspektivwechsels, den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler hier gezwungen sind vorzunehmen. Die F\u00e4higkeit, sich in die Lebensumst\u00e4nde anderer einzuf\u00fchlen, ist etwas, was uns heutzutage oft fehlt. Auch die inhaltliche Auseinandersetzung mit einem Thema auf der Sachebene finde ich spannend. Kennen wir wirklich alle Argumente zu einer Streitfrage oder nur die aus unserer Bubble? Und wie wichten wir diese? Denn manchmal ist ein Pro-Argument schwerwiegender als f\u00fcnf Gegenargumente. Letztendlich ist einer der wertvollsten Grunds\u00e4tze des Programms das Beharren auf seiner Position und damit auch das Aushalten des Faktes, dass der Debattengegner sich ebenfalls auf keinen Kompromiss einigen wird. Denn letztendlich dient die Debatte nun einmal dem Publikum, welches sich daraufhin eine fundierte Meinung bilden soll. Und gerade dieses Publikum hat es in Zeiten von Falschmeldungen, Desinformation und Populismus verdient, gut recherchierte Debatten zu erleben, in denen Austausch und auch das Hinterfragen von Gesagtem auf faire Weise stattfindet. Zuletzt sch\u00e4tze ich das Programm mehr und mehr \u00fcber die Jahre f\u00fcr seine treffsichere Auswahl in den Debattenthemen &#8211; welche so zeitgem\u00e4\u00df immer wieder die Jugendlichen motivieren k\u00f6nnen, sich in die Auseinandersetzung mit der Thematik zu begeben.<\/p>\n<h2>Was nehme ich mir vor?<\/h2>\n<p>Tina Kleefeldt: Susann Kaboth und ich treten als Nachfolgerinnen von Martina Jahn in wirklich gro\u00dfe Fu\u00dfstapfen. Das hat f\u00fcr uns den Vorteil, dass wir ein herausragend aufgebautes \u00bbJugend debattiert\u00ab-Schulnetz in Sachsen vorfinden. Dieses gilt es zu pflegen und zu erhalten. Wir stehen aber auch vor gro\u00dfen Herausforderungen. Politische Bildung an unseren Schulen muss noch st\u00e4rker als bisher verankert und weiter ausgebaut werden. Dazu m\u00fcssen Lehrkr\u00e4fte gewonnen und ausgebildet sowie gemeinsam gangbare Wege gefunden werden, dass politische Bildung nicht irgendwas ist, was im Nachmittagsbereich und nebenbei l\u00e4uft, sondern zielf\u00fchrend und gewinnbringend f\u00fcr alle Beteiligten in den Unterrichtsalltag implementiert werden kann. Argumentations- und Diskursf\u00e4higkeit geh\u00f6rt zu den Kernkompetenzen f\u00fcr Menschen innerhalb eines funktionierenden Gemeinwesens. Deshalb ist es f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre ein gro\u00dfes Ziel, \u00bbJugend debattiert\u00ab an nichtgymnasialen Schulen zu st\u00e4rken. Das wird sicher eines der gro\u00dfen Themen f\u00fcr uns sein.<\/p>\n<p>Susann Kaboth: Martina Jahn hat den Wettbewerb \u00fcber 20 Jahre gepr\u00e4gt, dabei eine hohe Professionalit\u00e4t entwickelt und auch immer Wege gefunden die ehrenamtliche T\u00e4tigkeit der engagierten Lehrkr\u00e4fte zu w\u00fcrdigen &#8211; dies w\u00fcrde ich gern aufrechterhalten. Unsere Baustellen sind die weitere Ausbildung von neuen Lehrkr\u00e4ften und damit die Gewinnung neuer Schulen sein. Insgesamt planen wir die Organisation des Wettbewerbs zuk\u00fcnftig digitaler zu gestalten und testen neue Formate f\u00fcr Aufbauseminare des bereits bestehenden Teams. Im Austausch mit anderen Landesverb\u00e4nden versuche ich Wege zu finden, das Programm zu st\u00e4rken, vor allem in Hinblick auf die Belastung der Kolleginnen und Kollegen in Zeiten des Lehrermangels.<\/p>\n<p>Foto: Anastasia Wendt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Demokratie braucht Menschen, die kritische Fragen stellen, die aufstehen, ihre Meinung sagen und sich mit den Meinungen anderer auseinandersetzen, die zuh\u00f6ren und reden k\u00f6nnen. Menschen, die fair und sachlich streiten. 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