{"id":11464,"date":"2024-06-11T10:25:03","date_gmt":"2024-06-11T08:25:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=11464"},"modified":"2024-06-21T09:40:51","modified_gmt":"2024-06-21T07:40:51","slug":"schritt-fuer-schritt-zum-lernprofi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2024\/06\/11\/schritt-fuer-schritt-zum-lernprofi\/","title":{"rendered":"Schritt f\u00fcr Schritt zum Lernprofi"},"content":{"rendered":"<p>Die Schule der Zukunft verankert feste Zeitr\u00e4ume und Lernorte f\u00fcr selbstbestimmte Lernphasen fest im Schultag. Das Dresdner Gymnasium Tolkewitz zeigt mit dem seit Jahren erprobten Konzept des \u00bbSelbstregulierten Lernens\u00ab, wie das in der Praxis aussehen kann. Die Schule bereitet die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler schrittweise darauf vor, selbstst\u00e4ndig zu lernen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u00bbDas ist einfach cool, dass wir zusammen lernen k\u00f6nnen\u00ab, sagt Luise*. Die Sch\u00fclerin der 5. Klasse am Dresdner Gymnasium Tolkewitz sitzt an einem der gro\u00dfen Tische im hellen, weitl\u00e4ufigen Flur des Schulgeb\u00e4udes. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Carla*, Sophia* und Hanna* l\u00f6st sie Aufgaben zum Thema \u00bbFr\u00fchlingsgedichte\u00ab. Sie sammeln passende W\u00f6rter zum Fr\u00fchling und wollen danach probieren, ein eigenes Gedicht zu schreiben. \u00bbNebenbei quatschen wir ein bisschen, das ist sch\u00f6n\u00ab, sagt Carla.<\/p>\n<h2>T\u00e4glich \u00bbSelbstreguliertes Lernen\u00ab<\/h2>\n<p>F\u00fcr die Kinder ist das \u00bbSelbstregulierte Lernen\u00ab (SRL) fester Bestandteil des Stundenplans. Damit beginnt f\u00fcr sie jeder Unterrichtstag: Von 8 bis 9 Uhr arbeiten sie klassen\u00fcbergreifend, selbstst\u00e4ndig und in ihrem individuellen Tempo an ihren Lernzielen, die sie am Anfang der Woche in ihrem Lernjournal festgelegt haben. Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler d\u00fcrfen au\u00dferdem w\u00e4hlen, wo und wie sie lernen m\u00f6chten. Luise und ihre Freundinnen entscheiden sich am liebsten f\u00fcr den Freilernbereich, wie die Arbeitspl\u00e4tze im Flur hei\u00dfen. \u00bbWir k\u00f6nnen uns gegenseitig helfen und kommen zusammen schneller voran\u00ab, sagt Luise. W\u00e4hrend der Freilernbereich vor allem f\u00fcr Gruppenarbeit vorgesehen ist, k\u00f6nnen die Kinder auch allein im Ruheraum oder zu zweit mit einer Partnerin oder einem Partner in den Ateliers arbeiten. Die Ateliers sind Fachr\u00e4ume f\u00fcr die F\u00e4cher Deutsch, Mathematik, Englisch und WWC. WWC steht f\u00fcr \u00bbWissen, Werte, Competencia\u00ab und ist ein Komplex aus unterschiedlichen F\u00e4chern und Lernen lernen.<\/p>\n<p>\u00dcbergeordnetes Ziel ist, die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler im Laufe ihrer Schulzeit dazu zu bef\u00e4higen, selbstst\u00e4ndig zu lernen. \u00bbWir wollen Menschen ausbilden, die eigenst\u00e4ndig Probleme erkennen, L\u00f6sungswege erarbeiten, dabei zu einem begr\u00fcndeten Urteil gelangen und sich f\u00fcr deren Umsetzung engagieren\u00ab, erkl\u00e4rt Lehrerin Hanka Ackermann. Sie hat das Konzept, das mit der Gr\u00fcndung des Gymnasiums im Schuljahr 2017\/18 eingef\u00fchrt wurde, von Anfang an mitgestaltet und ist heute Koordinatorin f\u00fcr das \u00bbSelbstregulierte Lernen\u00ab.<\/p>\n<h2>Kinder lernen das Lernen<\/h2>\n<p>Hanka Ackermann und ihr Team verstehen das \u00bbSelbstregulierte Lernen\u00ab als einen Prozess, der sich ein Leben lang weiterentwickelt. Deshalb starten die Kinder der 5. Klasse zun\u00e4chst mit einer Einf\u00fchrungsphase: In den ersten zwei Wochen begleitet sie der Koalab\u00e4r Kalli Klug. Mit seiner Unterst\u00fctzung lernen die Kinder, wie sie ihre Zeit sinnvoll planen, sich konzentrieren und motivieren oder wie sie Aufgaben richtig bearbeiten. Kalli Klug ziert auch das Deckblatt des Lernjournals, mit dem die Kinder ihren individuellen Lernprozess dokumentieren und reflektieren. Sie halten darin nicht nur fest, welche Aufgaben und Lernschritte sie geschafft haben, sondern auch, wie sie gelernt haben und was sie \u00e4ndern m\u00fcssten, um k\u00fcnftig noch besser lernen zu k\u00f6nnen. Luise zeigt das Wochenziel in ihrem Lernjournal: \u00bbIch m\u00f6chte auf jeden Fall n\u00e4chste Woche noch mehr schaffen und konzentriert sein.\u00ab Mit der regelm\u00e4\u00dfigen Selbstreflexion analysieren die Kinder das eigene Denken, F\u00fchlen und Handeln. \u00bbSie lernen dabei, wie sie bestm\u00f6glich lernen k\u00f6nnen\u00ab, erkl\u00e4rt Hanka Ackermann.<\/p>\n<p>Das \u00bbSelbstregulierte Lernen\u00ab in der Klassenstufe 5 ist dabei nur die erste Stufe eines durchdachten Konzeptes, das sich bis zur Oberstufe fortsetzt. W\u00e4hrend der SRL-Unterricht im Jahrgang 5 in Zyklen von je vier Wochen eingeteilt ist, dauern die Zyklen f\u00fcr den 6. Jahrgang sechs Wochen. Im 7. Jahrgang machen die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler dann einen gro\u00dfen Sprung: Sie erlernen das wissenschaftliche Arbeiten in verschiedenen Workshops und arbeiten im zweiten Halbjahr an einem Gro\u00dfprojekt, dessen Thema sie selbst w\u00e4hlen d\u00fcrfen. \u00bbHier fangen die Kinder erstmals an, wissenschaftlich zu arbeiten\u00ab, sagt Hanka Ackermann.<\/p>\n<p>Im 8., 9. und 10. Jahrgang m\u00fcssen sich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler dann f\u00fcr eines der vier Profile des Gymnasiums entscheiden. Der damit verbundene Profilunterricht greift Themen aus verschiedenen Unterrichtsf\u00e4chern auf und ist stark davon gepr\u00e4gt, dass die Lernenden selbst aktiv werden. Noten gibt es f\u00fcr das \u00bbSelbstregulierte Lernen\u00ab keine \u2013 Worturteile ersetzen Ziffernnoten. Luise und ihre Freundinnen finden es gut, dass sie mal \u00bbganz frei\u00ab sein d\u00fcrfen. \u00bbAm Anfang hatten wir die Sorge, dass die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ganz ohne Notendruck nicht motiviert genug sind\u00ab, sagt Hanka Ackermann und f\u00fcgt hinzu: \u00bbAber das Gegenteil ist der Fall. Die Kinder strengen sich richtig an und wollen aus einer intrinsischen Motivation heraus erfolgreich sein.\u00ab<\/p>\n<h2>Gut zu wissen<\/h2>\n<p>Das Strategiepapier zum \u00bbBildungsland Sachsen 2030\u00ab plant weitere Ma\u00dfnahmen, um selbstbestimmte Lernphasen an den Schulen zu f\u00f6rdern. Daf\u00fcr werden Best- Practice-Beispiele, Erm\u00f6glichungsstrategien und Unterst\u00fctzungsstrukturen zur organisatorischen, r\u00e4umlichen und rechtssicheren Umsetzung selbstbestimmter Lernphasen schulart-, klassen- und jahrgangsstufenspezifisch zusammengestellt und erarbeitet. Die Ergebnisse und weitere Orientierungen zum selbstbestimmten Lernen werden zur Verf\u00fcgung gestellt. Daf\u00fcr sollen auch die Stundentafeln und Lehrpl\u00e4ne aller Schularten explizit Themen und Bereiche aufweisen, die durch digitale Medien im Rahmen von Selbstlernphasen bearbeitet werden.<\/p>\n<p><strong>Weitere spannende Beitr\u00e4ge lesen Sie in der neuen <a href=\"https:\/\/publikationen.sachsen.de\/bdb\/artikel\/44262\">Sonderausgabe unserer KLASSE zum \u00bbBildungsland Sachsen 2030\u00ab<\/a>.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Text: Antje Tiefenthal<\/p>\n<p>Fotos: Matthias Rietschel<\/p>\n<p>* Namen von der Redaktion ge\u00e4ndert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schule der Zukunft verankert feste Zeitr\u00e4ume und Lernorte f\u00fcr selbstbestimmte Lernphasen fest im Schultag. Das Dresdner Gymnasium Tolkewitz zeigt mit dem seit Jahren erprobten Konzept des \u00bbSelbstregulierten Lernens\u00ab, wie das in der Praxis aussehen kann. 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