{"id":11462,"date":"2024-06-14T11:20:49","date_gmt":"2024-06-14T09:20:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=11462"},"modified":"2024-06-21T09:40:56","modified_gmt":"2024-06-21T07:40:56","slug":"mehr-kompetenzen-weniger-fachwissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2024\/06\/14\/mehr-kompetenzen-weniger-fachwissen\/","title":{"rendered":"Mehr Kompetenzen, weniger Fachwissen"},"content":{"rendered":"<p>Die Schule der Zukunft muss st\u00e4rker darauf abzielen, Kompetenzen zu vermitteln. Deshalb sollen k\u00fcnftig die als \u00fcberfrachtet geltenden Lehrpl\u00e4ne im Freistaat laufend aktualisiert und der f\u00e4cherverbindende Unterricht fest verankert werden. Martina Adler vom Landesamt f\u00fcr Schule und Bildung erkl\u00e4rt im Interview, was sich f\u00fcr s\u00e4chsische Schulen ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Das Strategiepapier definiert f\u00fcr das Handlungsfeld Lernen folgendes Ziel: 2030 sind an den s\u00e4chsischen Schulen Fachunterricht und f\u00e4cherverbindendes Lernen verbindlich, aufeinander abgestimmt und erg\u00e4nzen sich. Was bedeutet das f\u00fcr die Lehrpl\u00e4ne?<\/h2>\n<p>In einer dynamischen Wissensgesellschaft ist die Zeit der gro\u00dfen Lehrplanreformen vorbei. Stattdessen braucht es regelm\u00e4\u00dfige Aktualisierungsschleifen. Wir m\u00fcssen k\u00fcnftig gesellschaftliche Entwicklungen st\u00e4rker im Blick behalten und beobachten, was dies f\u00fcr die F\u00e4cher bedeutet und bei Bedarf die jeweiligen Lehrpl\u00e4ne anpassen. Dabei ist Agilit\u00e4t ein wichtiges Stichwort: Wir m\u00fcssen in der Lage sein, flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren. Daf\u00fcr braucht es allerdings klare Kriterien.<\/p>\n<h2>Welche sind das?<\/h2>\n<p>Ein wichtiges Kriterium wird beispielsweise die Kompetenzorientierung sein. Wir m\u00fcssen pr\u00fcfen, ob die im Lehrplan verorteten Lernziele und -inhalte dazu beitragen, den Kompetenzerwerb der Lernenden zu st\u00e4rken. Statt den Fokus auf reines Fachwissen zu legen, wollen wir den Blick auf Wissen richten, das vernetzt angewendet werden kann und hilft, Probleme zu l\u00f6sen. Eine laufende Aktualisierung ist ressourcenintensiv.<\/p>\n<h2>Wie wollen Sie das angesichts des Fachkr\u00e4ftemangels bew\u00e4ltigen?<\/h2>\n<p>Das ist eine gro\u00dfe Herausforderung. Als wir zuletzt 2004 die Lehrpl\u00e4ne grundlegend \u00fcberarbeitet haben, waren sehr viele Lehrkr\u00e4fte pro Fach in den jeweiligen Lehrplankommissionen beteiligt. Sie haben sich \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum w\u00f6chentlich getroffen und an den Lehrpl\u00e4nen gearbeitet. Das ist eine Ressourcenbindung, die wir aktuell nicht erm\u00f6glichen k\u00f6nnen. Gleichzeitig ist es unverzichtbar, dass Menschen aus der Praxis die Lehrplanaktualisierung begleiten. Wir m\u00fcssen schauen, wie wir die Praxis ressourcenschonend beteiligen und daf\u00fcr neue Wege finden.<\/p>\n<h2>Zur\u00fcck zum Stichwort Kompetenzorientierung: Welche Rolle spielt das Thema k\u00fcnftig?<\/h2>\n<p>Unsere Lehrpl\u00e4ne sind bereits grunds\u00e4tzlich kompetenzorientiert angelegt. Trotzdem m\u00fcssen wir die Lehrpl\u00e4ne dahingehend noch einmal genau untersuchen. In vielen F\u00e4chern sind immer noch Wissensbest\u00e4nde enthalten, die nicht hundertprozentig n\u00f6tig sind, um die Kompetenzorientierung umzusetzen. Wir m\u00fcssen uns fragen: Welches Fachwissen, welche F\u00e4higkeiten braucht eine Sch\u00fclerin oder ein Sch\u00fcler, um komplexe Aufgabenstellungen zu l\u00f6sen? Denn genau dies ist eine gro\u00dfe Herausforderung in unserer Gesellschaft: Wir m\u00fcssen damit tagt\u00e4glich umgehen k\u00f6nnen. Es n\u00fctzt uns nichts, Dinge nur zu wissen, wir m\u00fcssen sie auch anwenden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>In der Schule der Zukunft nimmt die Kompetenzorientierung also eine noch gr\u00f6\u00dfere Rolle ein als bisher?<\/h2>\n<p>Das ist richtig. Deshalb ist zum Beispiel im Strategiepapier ein weiteres Ziel mit diesem Thema verkn\u00fcpft. \u00bb2030 gestalten die s\u00e4chsischen Schulen alle Lern- und Leistungssituationen anwendungs- und kompetenzorientiert.\u00ab Lehrkr\u00e4fte m\u00f6chten ihre Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler bestm\u00f6glich auf Pr\u00fcfungen vorbereiten. Das bedeutet: Wenn wir Pr\u00fcfungen ver\u00e4ndern, \u00e4ndern wir auch den Unterricht. Oder anders formuliert: Wenn wir Pr\u00fcfungen kompetenzorientiert aufsetzen und dort komplexe Aufgaben formulieren, werden Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auch im Unterricht lernen, komplexe Problemstellungen zu l\u00f6sen.<\/p>\n<h2>Mit den neuen Ma\u00dfnahmen soll im Handlungsfeld Lernen au\u00dferdem der f\u00e4cherverbindende Unterricht gest\u00e4rkt werden. Welche Ziele verfolgen Sie damit?<\/h2>\n<p>Auch hier gibt es eine Verkn\u00fcpfung \u2013 diesmal zwischen dem Handlungsfeld Lernen und dem Handlungsfeld Steuerung: \u00bb2030 handeln die s\u00e4chsischen Schulen eigenverantwortlich hinsichtlich p\u00e4dagogischer Konzepte, der Gesamtorganisation des schulischen Lernens und schulinterner Personal- und Leitungsstrukturen.\u00ab Um dieses Ziel zu erreichen, sollen Schulen k\u00fcnftig unter anderem verpflichtend Stundentafeln und Lehrpl\u00e4ne eigenst\u00e4ndig und flexibel f\u00fcr f\u00e4cherverbindendes Lernen umsetzen. Auch hier geht es wieder um Kompetenzorientierung, um Fachwissen, um Strategien und die F\u00e4higkeit, Probleme l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Der Unterricht an der Schule der Zukunft muss noch st\u00e4rker vernetzt sein, denn Probleme k\u00f6nnen schon heute nicht immer nur aus der Perspektive eines Faches gel\u00f6st werden. Es m\u00fcssen viele Fachbereiche miteinander verkn\u00fcpft werden.<\/p>\n<h2>Bedeutet dies, dass Schulen in Bezug auf den Lehrplan k\u00fcnftig mehr Freir\u00e4ume haben und st\u00e4rker eigenverantwortlich handeln k\u00f6nnen?<\/h2>\n<p>Wie der Lehrplan umgesetzt wird, ist immer schon die p\u00e4dagogische Freiheit der Lehrkraft gewesen. Das wird nach wie vor so bleiben. Der Lehrplan gibt Lehrplanziele und -inhalte auf einem relativ abstrakten Niveau vor, die Ausgestaltung und die Umsetzung liegt immer in der Verantwortung der Einzelschule. F\u00fcr den f\u00e4cherverbindenden Unterricht er\u00f6ffnen wir k\u00fcnftig aber gr\u00f6\u00dfere Freir\u00e4ume, die der Einzelschule mehr Flexibilisierung erm\u00f6glichen. Im Freistaat gibt es bereits Schulen, die sich auf diesen innovativen Weg begeben haben. Ein Teil der Umsetzung wird sein, dass wir solche Best-Practice-Beispiele sammeln und als Anregung und Impuls f\u00fcr alle Schulen zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n<h2>Wie lassen sich die geplanten Ma\u00dfnahmen mit den Vorgaben der Kultusministerkonferenz (KMK) vereinbaren?<\/h2>\n<p>Daran m\u00fcssen wir uns nat\u00fcrlich halten. Wenn die KMK neue Bildungsstandards vorgibt, ist es unsere Aufgabe, diese in die s\u00e4chsischen Lehrpl\u00e4ne zu \u00fcberf\u00fchren. Gleichzeitig sollten uns die Vorgaben der KMK nicht davon abhalten, das Lernen der Zukunft zu gestalten. Hier m\u00fcssen wir dann innovative Ver\u00e4nderungsprozesse anregen und initiieren. Nur weil ein Weg vielleicht ein bisschen steiniger, l\u00e4nger oder beschwerlicher ist, sollten wir ihn nicht vermeiden.<\/p>\n<p><strong>Weitere spannende Beitr\u00e4ge lesen Sie in der neuen <a href=\"https:\/\/publikationen.sachsen.de\/bdb\/artikel\/44262\">Sonderausgabe unserer KLASSE zum \u00bbBildungsland Sachsen 2030\u00ab<\/a>.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Text: Antje Tiefenthal<\/p>\n<p>Fotos: Matthias Rietschel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schule der Zukunft muss st\u00e4rker darauf abzielen, Kompetenzen zu vermitteln. Deshalb sollen k\u00fcnftig die als \u00fcberfrachtet geltenden Lehrpl\u00e4ne im Freistaat laufend aktualisiert und der f\u00e4cherverbindende Unterricht fest verankert werden. 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