{"id":11220,"date":"2023-12-21T10:30:39","date_gmt":"2023-12-21T09:30:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=11220"},"modified":"2024-01-15T14:20:46","modified_gmt":"2024-01-15T13:20:46","slug":"oeffentlicher-beratungsprozess-zum-projekt-bildungsland-sachsen-2030-beendet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2023\/12\/21\/oeffentlicher-beratungsprozess-zum-projekt-bildungsland-sachsen-2030-beendet\/","title":{"rendered":"\u00d6ffentlicher Beratungsprozess zum Projekt \u00bbBildungsland Sachsen 2030\u00ab beendet"},"content":{"rendered":"<p>Wie sieht die Schule der Zukunft aus? Mit dieser Frage besch\u00e4ftigten sich f\u00fcnf regionale Bildungsforen von Juni bis November 2023. Sachsens Kultusminister Christian Piwarz hat heute die Ergebnisse vorgestellt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u00bbDie R\u00fcckmeldungen aus den Bildungsforen machen deutlich, wie kontrovers die Frage nach der Schule der Zukunft diskutiert wird. Umso mehr bin ich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Bildungsforen dankbar, dass sie sich diesem zeitaufwendigen Diskussionsprozess gestellt haben. Die Ergebnisse aus der \u00f6ffentlichen Beratung sind f\u00fcr uns eine wichtige Grundlage, um im Fr\u00fchjahr 2024 ein Strategiepapier zur Weiterentwicklung der schulischen Bildung im Freistaat Sachsen vorlegen zu k\u00f6nnen\u00ab, sagte Kultusminister Christian Piwarz bei der Vorstellung der Beratungsergebnisse.<\/p>\n<p>Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Bildungsforen hatten die Aufgabe, 218 Handlungsempfehlungen, die zuvor von Expertenr\u00e4ten vorgeschlagen wurden, auf ihre Praxistauglichkeit hin zu pr\u00fcfen. Der mehrstufige \u00f6ffentliche Beratungsprozess ist Teil des Projektes \u00bbBildungsland Sachsen 2030\u00ab.<\/p>\n<h2>Stellungnahmen der regionalen Bildungsforen \u2013 eine Auswahl<\/h2>\n<h3>Handlungsempfehlungen mit gro\u00dfer Zustimmung<\/h3>\n<p><strong>\u00bbMitbestimmung der Lernenden bei der Gestaltung von Unterricht\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Handlungsempfehlungen, die Sch\u00fclermitwirkung einforderten, stie\u00dfen in den Bildungsforen insgesamt auf gro\u00dfes Wohlwollen und Zustimmung. So auch die Empfehlung, die Mitbestimmung der Lernenden bei der Gestaltung des Unterrichts zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><strong>\u00bbKonzepte f\u00fcr selbstorganisiertes Lernen an Schule\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Ebenfalls von den Bildungsforen bef\u00fcrwortet wurde die Handlungsempfehlung, Konzepte f\u00fcr selbstorganisiertes Lernen an Schule zu entwickeln. Die Anleitung soll schon in der Kita beginnen und bis zum Abschluss der Schulzeit gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p><strong>\u00bbPr\u00fcfung der Lerninhalte aller F\u00e4cher auf Relevanz f\u00fcr Kompetenzerwerb\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Auf sehr gro\u00dfe Zustimmung in allen f\u00fcnf regionalen Bildungsforen stie\u00df der Expertenvorschlag, die Lehrpl\u00e4ne zu \u00fcberarbeiten und auf Relevanz und Kompetenzerwerb zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p><strong>\u00bbBerufliche Orientierung f\u00fcr alle allgemeinbildenden Schularten \u00fcberpr\u00fcfen\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Die regionalen Bildungsforen unterst\u00fctzen auch die Handlungsempfehlung der Expertinnen und Experten, die vorhandenen Angebote zur beruflichen Orientierung sowie die Lehrplanbez\u00fcge und Unterst\u00fctzungsmaterialien zur beruflichen Orientierung f\u00fcr alle allgemeinbildenden Schularten hinsichtlich Qualit\u00e4t, Nachhaltigkeit und Ressourcen zu \u00fcberpr\u00fcfen und bei Bedarf auch auszubauen.<\/p>\n<p><strong>\u00bbLeitlinien zu Potentialen und Synergien des analogen und digitalen Lernens inkl. Vorschl\u00e4ge zur Umsetzung\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Gro\u00dfe Zustimmung erfuhr auch die Handlungsempfehlung, Leitlinien zu den Potentialen von digitalem und analogem Lernen zu erstellen. Unter Mitwirkung wissenschaftlicher Expertise sollen Vorschl\u00e4ge zur Umsetzung erarbeitet werden.<\/p>\n<p><strong>\u00bb25 Prozent aller Unterrichtsstunden eigenverantwortlich von Schule verwenden\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Die Bildungsforen begr\u00fc\u00dften die Handlungsempfehlung des Expertenrats Steuerung, dass die Stundentafeln k\u00fcnftig 25 Prozent eigenverantwortlich von den Schulen verwendet werden k\u00f6nnten. Diese k\u00f6nnten dann f\u00fcr die differenzierte F\u00f6rderung der Basiskompetenzen, die schulische Profilbildung und individuelle Schwerpunktbildung der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sowie die praxisnahe Arbeitswelt- und Berufsfeldorientierung eingesetzt werden, so die Empfehlung.<\/p>\n<p><strong>\u00bbEigenverantwortung der Schule\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Auf Zustimmung in den Bildungsforen stie\u00df der Vorschlag, den Schulen deutlich mehr Eigenverantwortung zu \u00fcberlassen, wie sie die ihnen \u00fcbertragene Verantwortung intern verteilen. Die Handlungsempfehlung sieht vor, dass die Letztverantwortung bei der Schulleitung liegt.<\/p>\n<p><strong>\u00bbMultiprofessionelle Teams etablieren\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Die Idee das Schulteam gezielt mit weiteren Professionen wie etwa durch Verwaltungsassistenz und Schulsozialarbeit zu erweitern, erhielt in den regionalen Bildungsforen gro\u00dfe Zustimmung.<\/p>\n<h3>Handlungsempfehlungen mit hoher Kontroversit\u00e4t<\/h3>\n<p><strong>\u00bbUnterricht nach Biorhythmus\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Der Vorschlag der Expertenr\u00e4te, Unterricht und Schulalltag st\u00e4rker am Biorhythmus der Kinder und Jugendlichen zu orientieren, wurde in den regionalen Bildungsforen sehr kontrovers diskutiert. Die Bef\u00fcrworter begr\u00fc\u00dften es, wenn sich Schule individuell an den Bed\u00fcrfnissen der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ausrichtet. Widerstand kam aus den l\u00e4ndlichen Bildungsforen, da hier die Koordination mit dem \u00d6PNV eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielt als in der Stadt. Aber auch in den st\u00e4dtischen Bildungsforen kam die Frage nach der Realisierbarkeit auf.<\/p>\n<p><strong>\u00bbStatt Unterrichtsausfall gezielt Lernmedien nutzen\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Sehr kontrovers betrachteten die Bildungsforen die Anregung der Expertinnen und Experten, gezielt digitale Lernmedien einzusetzen, um ausfallbedingte Defizite im Lernprozess zu vermeiden. \u00bbDigitale Medien d\u00fcrfen und k\u00f6nnen keine Lehrkr\u00e4fte ersetzen\u00ab und \u00bbdigitale Lernmedien ersetzen keinen Unterricht, welcher durch eine Lehrkraft gehalten wird\u00ab, lauteten Anmerkungen aus verschiedenen Bildungsforen. Gleichwohl wurde auch die gro\u00dfe Chance gesehen, um Unterrichtsausfall z. B. bei Krankheitsfall zu kompensieren oder parallelen Unterricht mehrerer Klassen durch eine Lehrkraft erm\u00f6glichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>\u00bbAlternative R\u00fcckmeldeformate statt Noten\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Hoch kontrovers diskutiert wurde der Vorschlag, Noten durch alternative, z. B. digital gest\u00fctzte R\u00fcckmeldeformate zu ersetzen. Als Pro-Argument wurde u. a. aufgef\u00fchrt, dass es bereits positive Erfahrungen gebe, Kompetenzen nicht immer durch Noten abbildbar seien und die schriftliche R\u00fcckmeldung differenzierter als Noten ausfallen k\u00f6nnte. Als Contra-Argument wurde etwa die Gefahr gesehen, dass am Ende Worth\u00fclsen wie verklausulierte Noten eingesetzt werden k\u00f6nnten, der Aufwand weit gr\u00f6\u00dfer als bei der Benotung mit Zahlen sei und die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler den Vergleich auch w\u00fcnschen w\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>\u00bbKopfnoten abschaffen\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Kontrovers diskutiert wurde in den Bildungsforen auch die Handlungsempfehlung zur Abschaffung der Kopfnoten. Kopfnoten seien deutlich subjektiver als andere Noten, sie h\u00e4tten kaum Einfluss auf die Entwicklung und Coaching-Gespr\u00e4che. Mit Zielvereinbarungen w\u00fcrden Menschen viel gerechter als mit Zahlenwerte in 5er-Skala eingesch\u00e4tzt, lauteten bef\u00fcrwortende R\u00fcckmeldungen. Dementgegen kam mehrfach der Hinweis, dass Kopfnoten ein wichtiges Kriterium im Bewerbungsverfahren etwa f\u00fcr Ausbildungs- oder Arbeitspl\u00e4tze sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong>\u00bbBring-Your-Own-Device\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Der Expertenrat Infrastruktur hatte als Handlungsempfehlung formuliert, Bring-Your-Own-Device-Ans\u00e4tze f\u00fcr die Regelausstattung von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern zu pr\u00fcfen. \u00bbBring your own device\u00ab meint, dass Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler eigene digitale Endger\u00e4te mit in die Schule bringen k\u00f6nnten. Die Empfehlung wurde in den Bildungsforen kontrovers diskutiert: Technische Probleme, etwa durch unterschiedliche Betriebssysteme, aber auch drohende soziale Ungleichheit wurden da angef\u00fchrt. Au\u00dferdem wurde die Frage aufgeworfen, wie das mit der Lernmittelfreiheit in Einklang zu bringen sei.<\/p>\n<h3>Handlungsempfehlungen mit hoher Ablehnung<\/h3>\n<p><strong>\u00bbKonzept Schulurlaub wird gepr\u00fcft\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlungsempfehlung, das Konzept eines Schulurlaubs (statt Schulferien) zu pr\u00fcfen, stie\u00df in den Bildungsforen allgemein auf Ablehnung.<\/p>\n<p><strong>\u00bbEigenst\u00e4ndige Digitalbudgets der Schulen\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Stark diskutiert wurde in den regionalen Bildungsforen auch die Handlungsempfehlung aus dem Handlungsfeld Infrastruktur, den Schulen ein eigenst\u00e4ndiges Digitalbudget zur Verf\u00fcgung zu stellen. Allerdings fiel der Vorschlag im Praxischeck der Bildungsforen durch: Offenbar war den Teilnehmenden das Risiko zu gro\u00df, dass einzelne Schulen mit der Verwaltung des Budgets \u00fcberfordert sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Alle Ergebnisse aus den f\u00fcnf regionalen Bildungsforen werden auf der <a href=\"https:\/\/www.bildungsland2030.sachsen.de\/\">Website zum Projekt \u00bbBildungsland Sachsen 2030\u00ab<\/a> dokumentiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sieht die Schule der Zukunft aus? Mit dieser Frage besch\u00e4ftigten sich f\u00fcnf regionale Bildungsforen von Juni bis November 2023. 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