{"id":10772,"date":"2023-06-28T11:45:47","date_gmt":"2023-06-28T09:45:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=10772"},"modified":"2023-07-05T15:12:42","modified_gmt":"2023-07-05T13:12:42","slug":"vorschlaege-von-experten-gehen-in-den-praxis-check","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2023\/06\/28\/vorschlaege-von-experten-gehen-in-den-praxis-check\/","title":{"rendered":"Vorschl\u00e4ge von Experten gehen in den Praxis-Check"},"content":{"rendered":"<p>Wie sollte sich schulische Bildung weiterentwickeln? Wie sieht die Schule der Zukunft aus? Mit diesen Fragen haben sich in den vergangenen zwei Monaten rund 90 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kirchen, Schulpraxis und Kommunalebene besch\u00e4ftigt und jetzt zahlreiche Empfehlungen vorgelegt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Ma\u00dfnahmenvorschl\u00e4ge sollen nun bis November in f\u00fcnf regionalen Bildungsforen mit insgesamt 200 Personen diskutiert und einem Praxischeck unterzogen werden. Mit dabei sind Eltern, Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, Lehrkr\u00e4fte, Schulleitungen sowie B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. Sie sollen die Handlungsempfehlungen bewerten und kommentieren. Der zweistufige \u00f6ffentliche Beratungsprozess ist Teil des Projektes \u00bbBildungsland Sachsen 2030\u00ab, welches von Kultusminister Christian Piwarz initiiert wurde.<\/p>\n<p>Der Kultusminister dankte den Bildungsexperten f\u00fcr ihre ehrenamtliche Arbeit und ihre zahlreichen Ma\u00dfnahmenvorschl\u00e4ge. \u00bbDie Empfehlungen sind eine wertvolle Grundlage f\u00fcr die strategische Weiterentwicklung der schulischen Bildung in Sachsen.\u00ab An die Teilnehmer der regionalen Bildungsforen gerichtet, warb er daf\u00fcr, die Vorschl\u00e4ge mit einem \u00bbvision\u00e4ren Blick zu pr\u00fcfen und nach bestem Wissen zu bewerten\u00ab.<\/p>\n<h2>Was die Bildungsexperten empfehlen \u2013 eine Auswahl<\/h2>\n<p>Die Bildungsexperten entwickelten zu vier Handlungsfeldern insgesamt 218 Ma\u00dfnahmenvorschl\u00e4ge. Mit 128 Empfehlungen wurden die meisten Vorschl\u00e4ge f\u00fcr das Handlungsfeld \u00bbLernen\u00ab gemacht \u2013 eine Auswahl:<\/p>\n<h3>Handlungsfeld \u00bbLernen\u00ab<\/h3>\n<ul>\n<li>Schulische Akteure werden f\u00fcr psychische Gesundheit sensibilisiert.<\/li>\n<li>Die Gestaltung des Unterrichts und Lernens wird durch die Lernenden mitbestimmt. Die Mitbestimmung wird in allen Schularten gef\u00f6rdert und verbindlich umgesetzt.<\/li>\n<li>In allen Schularten werden Konzepte entwickelt, die die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zum selbstorganisierten Lernen bef\u00e4higen. Dies beinhaltet auch die Bereitstellung individueller Zeitfenster f\u00fcr selbstbestimmtes und selbstreguliertes Lernen.<\/li>\n<li>Die Festschreibung und Verankerung des Konzeptes \u00bbKlassenrat\u00ab in die Sch\u00fclermitwirkungsverordnung wird gepr\u00fcft und vollzogen.<\/li>\n<li>Es sollte ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis und Kriterien entwickelt, welche Funktion Hausaufgaben haben und unter welchen Rahmenbedingungen diese gestellt und bearbeitet werden.<\/li>\n<li>F\u00fcr alle Schularten sollte der jeweilige F\u00e4cherkanon auf Relevanz f\u00fcr derzeitige und zuk\u00fcnftige gesellschaftliche Herausforderungen gepr\u00fcft und angepasst werden.<\/li>\n<li>Die Lehrpl\u00e4ne aller F\u00e4cher in allen Schularten sollten regelm\u00e4\u00dfig auf Relevanz f\u00fcr den Kompetenzerwerb im Fach gepr\u00fcft werden.<\/li>\n<li>Schulleitungsteams und Lehrkr\u00e4fte werden darin ermutigt, unterst\u00fctzt und begleitet, Stundentafeln in allen Schularten flexibel zu nutzen.<\/li>\n<li>Es wird gepr\u00fcft, inwieweit die Zusammenarbeit von Schulen aller Schularten mit regionalen Unternehmen und s\u00e4chsischen Forschungseinrichtungen initiiert, gef\u00f6rdert und hinsichtlich Ressourcen unterst\u00fctzt werden kann.<\/li>\n<li>Jede allgemeinbildende Schule in Sachsen evaluiert und qualifiziert ihr Konzept zur Beruflichen Orientierung.<\/li>\n<li>F\u00fcr alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sollten in allen Schularten verbindlich w\u00f6chentlich fachunterrichtsfreie Zeit zur Verf\u00fcgung stehen, in der aktuelle Fragen, Konflikte und Probleme besprochen und bearbeitet werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Es sollten forschungsbasiert entwickelte und erprobte Konzepte f\u00fcr digital gest\u00fctzten Unterricht zusammengestellt werden, die f\u00fcr die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkr\u00e4ften zur Verf\u00fcgung stehen.<\/li>\n<li>Anstelle von Unterrichtsausfall sollten gezielt digitale Lernmedien genutzt werden, um ausfallbedingte Defizite im Lernprozess zu vermeiden.<\/li>\n<li>Es sollten verpflichtende Fortbildungsangebote f\u00fcr alle Lehrkr\u00e4fte zum Thema Digitalisierung\/Digitalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung gestellt werden.<\/li>\n<li>Alle Schulen sollten partizipativ einen in der Schulgemeinschaft akzeptierten Verhaltenskodex im Umgang mit digitalen Medien entwickeln.<\/li>\n<li>F\u00fcr ein fl\u00e4chendeckendes Angebot von Grund- und Leistungskursen in der gymnasialen Oberstufe wird bei Bedarf auf hybride Unterrichtskonzepte gesetzt.<\/li>\n<li>In allen Schulen sollte es t\u00e4glich verbindlich festgelegte Zeitr\u00e4ume f\u00fcr Selbstlernzeiten der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler geben, um ein selbstbestimmtes individuelles Lernen oder ein Lernen in selbstgew\u00e4hlten Gruppen zu erm\u00f6glichen.<\/li>\n<li>Die M\u00f6glichkeiten KI-basierter Lernsoftware f\u00fcr Diagnose und Unterst\u00fctzung sollte gepr\u00fcft und gegebenenfalls genutzt werden.<\/li>\n<li>Lernen sollte t\u00e4glich nicht nur im Klassenverband stattfinden, sondern auch klassen- und jahrgangs\u00fcbergeifend.<\/li>\n<li>Schriftliche und m\u00fcndliche Leistungsmessungen und -\u00fcberpr\u00fcfungen sollten immer angek\u00fcndigt werden.<\/li>\n<li>Die Benotung durch Ziffern sollte in allen F\u00e4chern (mindestens bis Klassenstufe 8) abgeschafft werden und durch alternative, auch digital gest\u00fctzte R\u00fcckmeldeformate zur Lern- und Leistungsentwicklung der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler erfolgen.<\/li>\n<li>Kopfnoten sollten abgeschafft und durch eine Beurteilung von Lern- und Sozialverhalten \u00fcber Feedback (individuelles Worturteil) und gemeinsame Zielvereinbarungen ersetzt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Handlungsfeld \u00bbSteuerung\u00ab<\/h3>\n<ul>\n<li>Stundentafeln sollten so umgestaltet werden, dass damit ein Viertel der Unterrichtsstunden von den Schulen eigenverantwortlich f\u00fcr eine differenzierte F\u00f6rderung der Sch\u00fcler verwendet werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Die Schulen sollten eigenverantwortlich entscheiden k\u00f6nnen wie sie die ihnen \u00fcbertragene Verantwortung intern verteilen.<\/li>\n<li>Schulen sollten den Anspruch haben, f\u00fcr nichtbesetzte Stellen ein kapitalisiertes Budget zugewiesen zu bekommen.<\/li>\n<li>Schultr\u00e4ger sollten auf Beschluss der Schulkonferenzr\u00e4umlich getrennte Schulen zu Schulverb\u00fcnden und Schulen am gemeinsamen Standort zu Schulzentren unter einer Leitung und gemeinsamer Stelle- und Mittelbewirtschaftung zusammenfassen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Die Mitwirkung von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern sollte in der Arbeit des Kultusministeriums eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Handlungsfeld \u00bbInfrastruktur\u00ab<\/h3>\n<ul>\n<li>Schulische Infrastruktur muss in erster Linie als Lebens- und Lernort f\u00fcr Kinder und Jugendliche entwickelt werden und f\u00fcr Inklusion geeignet sein.<\/li>\n<li>Da die Heterogenit\u00e4t der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler unterschiedliche Raum-, Rahmen-, und Personalbedingungen bedarf, sollte diese auch bei der Schulnetzplanung ber\u00fccksichtigt werden.<\/li>\n<li>Schultr\u00e4ger sollten ein eigenst\u00e4ndiges Digitalbudget pr\u00fcfen und f\u00fcr die Schulen bereitstellen.<\/li>\n<li>Alle Schulen sollten mit Glasfaser erschlossen werden.<\/li>\n<li>Aus volkswirtschaftlichen und \u00f6kologischen Gr\u00fcnden sollten Ans\u00e4tze von Bring-Your-Own-Device als Regelausstattung von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler gepr\u00fcft werden.<\/li>\n<li>Schulische Migration sollte als Aufgabe aller Schulen verstanden werden. Unabh\u00e4ngig vom Sozialraum sollte in jeder Schule die M\u00f6glichkeit bestehen, Vorbereitungsklassen zu bilden.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Handlungsfeld \u00bbProfessionalisierung\u00ab<\/h3>\n<ul>\n<li>Das Aufgabenspektrum von Lehrkr\u00e4ften sollte in Abgrenzung zu anderen Professionen in multiprofessionellen Teams definiert und gekl\u00e4rt werden.<\/li>\n<li>Die Entwicklung zu eigenverantwortlichen handelnden s\u00e4chsischen Schulen bedarf einer grundlegenden Neukonzeption der Qualifizierung schulischer F\u00fchrungskr\u00e4fte.<\/li>\n<li>Lebenslange Professionalisierung der Besch\u00e4ftigten muss durch die individuelle Beratung zur Personalentwicklung im Rahmen von Mitarbeiter-Vorgesetzten-Gespr\u00e4chen und Reflexionsgespr\u00e4chen durch die jeweiligen Vorgesetzten begleitet werden, die wesentliche Bestandteile einer Kultur der Personalf\u00fchrung werden.<\/li>\n<li>Schulscharfe Bewerbung f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte in Ausbildung im Vorbereitungsdienst sollten erm\u00f6glicht werden, um damit bessere M\u00f6glichkeiten der sp\u00e4teren Einstellung im Schuldienst zu schaffen.<\/li>\n<li>W\u00f6chentlicher Praxistag f\u00fcr Studierende sollte als M\u00f6glichkeit etabliert werden.<\/li>\n<li>Die bestehenden Regelungen zur Anpassung von Arbeitsbedingungen f\u00fcr \u00e4ltere Lehrkr\u00e4fte sollten weiter ausgebaut werden, um den Regelungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes entsprechen zu k\u00f6nnen und somit ein gesundes Erreichen der Regelaltersgrenze sicherzustellen.<\/li>\n<li>Zur Qualit\u00e4tssicherung sollten regelm\u00e4\u00dfige Supervision und kollegiale Fallberatung f\u00fcr alle Schulen fest institutionalisiert werden, sowie die Angebote des F\u00fchrungskr\u00e4fte-Coachings fortgef\u00fchrt und ausgebaut werden.<\/li>\n<li>An Schule sollten geeignete Feedback-, Feedforward- und Austauschstrukturen etabliert und fest im schulischen Arbeitsalltag verankert werden, damit Kompetenzen zeitnah und situationsbezogen weiterentwickelt werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sollte sich schulische Bildung weiterentwickeln? 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