{"id":1022,"date":"2016-02-10T10:00:15","date_gmt":"2016-02-10T09:00:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/?p=1022"},"modified":"2016-05-31T10:01:02","modified_gmt":"2016-05-31T08:01:02","slug":"ein-guter-anfang-interview-mit-bildungsexperten-zur-schulgesetznovelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/2016\/02\/10\/ein-guter-anfang-interview-mit-bildungsexperten-zur-schulgesetznovelle\/","title":{"rendered":"\u00bbEin guter Anfang\u00ab- Interview mit Bildungsexperten zur Schulgesetznovelle"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr die kommende Ausgabe unserer Zeitschrift \u00bbKLASSE\u00ab haben Vertreter von Landessch\u00fclerrat, Landeselternrat und GEW sowie eine Schulleiterin \u00fcber den Entwurf des <a href=\"http:\/\/www.schule.sachsen.de\/20820.htm\" target=\"_blank\">neuen s\u00e4chsischen Schulgesetzes<\/a> diskutiert. Brennpunktthemen dabei waren Eigenverantwortung und Inklusion. Einen Auszug aus dem Interview gibt es jetzt hier vorab.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<figure id=\"attachment_1053\" aria-describedby=\"caption-attachment-1053\" style=\"width: 292px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Herr-Roderfeld.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1053\" src=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Herr-Roderfeld-e1454499618464-263x300.jpg\" alt=\"Herr Roderfeld\" width=\"292\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Herr-Roderfeld-e1454499618464-263x300.jpg 263w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Herr-Roderfeld-e1454499618464.jpg 424w\" sizes=\"auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1053\" class=\"wp-caption-text\">Friedrich Roderfeld ist Sch\u00fcler eines Beruflichen Gymnasiums und Vorsitzender des LandesSch\u00fclerRates. Foto: Andr\u00e9 Forner<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_1050\" aria-describedby=\"caption-attachment-1050\" style=\"width: 309px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Frau-kruse.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1050\" src=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Frau-kruse-e1454499651925-278x300.jpg\" alt=\"Frau kruse\" width=\"309\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Frau-kruse-e1454499651925-278x300.jpg 278w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Frau-kruse-e1454499651925.jpg 448w\" sizes=\"auto, (max-width: 309px) 100vw, 309px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1050\" class=\"wp-caption-text\">Ursula-Maren Kruse ist Lehrerin und Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften. Au\u00dferdem sitzt sie seit 2004 im Medienrat der SLM. Foto: Andr\u00e9 Forner<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_1049\" aria-describedby=\"caption-attachment-1049\" style=\"width: 285px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Frau-kreis.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1049\" src=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Frau-kreis-e1454499474875-257x300.jpg\" alt=\"\" width=\"285\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Frau-kreis-e1454499474875-257x300.jpg 257w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Frau-kreis-e1454499474875.jpg 414w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1049\" class=\"wp-caption-text\">Anne-Kathrin Kreis ist Schulleiterin der Oberschule Clara Zetkin in Freiberg. Neben der Schulleitert\u00e4tigkeit unterrichtet sie Englisch. Foto: Andr\u00e9 Forner<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_1051\" aria-describedby=\"caption-attachment-1051\" style=\"width: 309px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Herr-Lorenz-e1454499681754.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1051\" src=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Herr-Lorenz-e1454499681754-278x300.jpg\" alt=\"\" width=\"309\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Herr-Lorenz-e1454499681754-278x300.jpg 278w, https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Herr-Lorenz-e1454499681754.jpg 448w\" sizes=\"auto, (max-width: 309px) 100vw, 309px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1051\" class=\"wp-caption-text\">Peter Lorenz ist Vater von f\u00fcnf T\u00f6chtern. Er engagiert sich als Vorsitzender des LandesElternRates in Sachsen und KreisElternRatsvorsitzender von Mittelsachsen. Korrektur 11.02.16: Nicht Peter Lorenz sondern Iris Kundt (Mitglied LER Vorstand und s\u00e4chsische Delegierte in den BER) vertritt die Interessen der s\u00e4chsischen Eltern im BundesElternRat Foto: Manja Kelch<\/figcaption><\/figure>\n<h2><\/h2>\n<h2><\/h2>\n<h2><\/h2>\n<h2><\/h2>\n<h2><\/h2>\n<h2><\/h2>\n<h2><\/h2>\n<h2><\/h2>\n<h2><\/h2>\n<h2><\/h2>\n<h2><span style=\"color: #800080;\"><strong>\u00bbEigenverantwortung f\u00fcr Schulen\u00ab hat im Gesetzentwurf erstmals einen eigenen Paragraphen bekommen. Wie wichtig ist das f\u00fcr Sie?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Peter Lorenz:<\/span> Die Eigenverantwortung der Schule war einer der Schwerpunkte der Eltern \u2013 also mehr Mitspracherecht, mehr Gestaltungsrecht. Darum empfehlen wir, auch den Schultr\u00e4ger mit ins Boot zu holen. Wir wollen das nicht grunds\u00e4tzlich als Pflicht, sondern die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnen, dass Schultr\u00e4ger, Schulen, Eltern \u2013 also alle an der Schule Beteiligten \u2013 viel gestalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\">Friedrich Roderfeld:<\/span> Uns geht bei der Eigenverantwortung der neue Schulgesetzentwurf noch nicht weit genug: Etwa beim Thema Schulkonten: Das neue Schulgesetz sieht vor, dass der Schultr\u00e4ger einzelne unternehmerische Kompetenzen an den Schulleiter abgeben kann. Diese \u00bbKann\u00ab-Formulierung sagt, dass es keine Pflicht ist. Das sehen wir nicht als gro\u00dfen Fortschritt. Dennoch, es freut uns, dass das Thema Eigenverantwortung eine gro\u00dfe Rolle spielt. Wie das umgesetzt werden kann, wird sich dann in der Realit\u00e4t zeigen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #808000;\">Uschi Kruse:<\/span> Das im Gesetz \u00fcberhaupt ein Satz zum Schulkonto steht, finde ich positiv. Das Wort \u00bbsollte\u00ab ist an dieser Stelle allerdings falsch. Schulkonten sind schon notwendig, um bestimmte Haftungsfragen, auch f\u00fcr Lehrerinnen und Lehrer, zu kl\u00e4ren. Mir w\u00e4re mehr Eigenverantwortung, insbesondere bei p\u00e4dagogischen Fragen, wesentlich wichtiger gewesen. Oft wird allerdings nur so getan, als g\u00e4be es mehr Eigenverantwortung f\u00fcr die Schule. In Wirklichkeit geht es um mehr Verpflichtungen f\u00fcr, so steht es dann im Gesetz, \u00bbden Schulleiter\u00ab \u2013 meistens sind es in Sachsen \u00fcbrigens Schulleiterinnen. Und da kommt f\u00fcr mich die Frage auf: Wenn zus\u00e4tzliche Aufgaben \u00fcbertragen werden, gibt es daf\u00fcr irgendwelche Ressourcen? Ich wei\u00df: Das wird im Schulgesetz nicht geregelt. Aber angesichts der Personalsituation bin ich bei neuen Aufgaben f\u00fcr die Schulen derzeit besorgt und skeptisch.<\/p>\n<p><span style=\"color: #800000;\">Anne-Kathrin Kreis:<\/span> Ich denke, dass so auch die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Schulen besser werden, eigenverantwortlich viele Dinge umzusetzen. Man kann auch nicht alles so detailgetreu aufschreiben. Bei den Schulkonten gebe ich Recht. Aber das ist so ein kleiner Teil der ganzen Geschichte. Und wenn ich \u00fcber personelle und finanzielle Ressourcen mitentscheiden kann, dann finde ich das gut.<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Lorenz:<\/span> Was uns fehlt, ist der tats\u00e4chliche Rahmen. Das ist die gro\u00dfe Unbekannte: Wie viele M\u00f6glichkeiten ein Schulleiter hat, zum Beispiel sein Personal selbst zu bestimmen. Da fehlen uns die Ausgestaltungsm\u00f6glichkeiten, die auch ressourcenabh\u00e4ngig sind. Aber es ist ein guter Anfang.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #800080;\"><strong>KLASSE: Wie viel Eigenverantwortung tut Schulen denn gut? Kann das jede Schule so umsetzen?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"color: #800000;\">Kreis:<\/span> Wenn eine Schule ein Schulprogramm und ein Schulkonzept hat, dann hat man auch gewisse Vorstellungen, in welche Richtung sich eine Schule entwickeln sollte. Diese Eigenverantwortung hei\u00dft, dass ich \u00fcber finanzielle Dinge entscheiden kann. Aber ich denke auch, dass wir einen Ansprechpartner f\u00fcr uns brauchen, weil wir nicht alles alleine regeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #808000;\">Kruse:<\/span> Ich sage Ihnen, wo ich die Grenzen bei Eigenverantwortung sehe. Es gab immer wieder gro\u00dfe Diskussionen dar\u00fcber, ob die Schulen, wie in anderen L\u00e4ndern auch, selber einstellen sollen. Ich verstehe, dass Schulleiter und Schulleiterinnen das gerne wollen. In der gegenw\u00e4rtigen Situation muss man damit allerdings vorsichtig sein. Sonst gibt es Schulen, da stehen die Bewerberinnen und Bewerber die Treppe hoch. Und dann gibt es Schulen, da bewirbt sich \u00fcberhaupt keiner. Das hei\u00dft, an dieser Stelle brauchen wir, angesichts der schwierigen Situation in Sachsen, ein Mindestma\u00df an zentraler Steuerung.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\">Roderfeld:<\/span> Wir stellen uns das auch <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #333333;\">nicht<\/span> so v<\/span>or, dass die Schule selber ausschreiben darf. Aber die Schulkonferenz sollte \u00fcber Personalangelegenheiten mitbestimmen d\u00fcrfen, zum Beispiel dass sich Lehreranw\u00e4rter dort vorstellen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #808000;\">Kruse:<\/span> <span style=\"color: #333333;\">Da bin ich ganz anderer Auffassung. Denn die Schulkonferenz ist nicht der Arbeitgeber.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\">Roderfeld:<\/span> Wir f\u00e4nden es gut, wenn Sch\u00fcler gemeinsam mit Eltern, Kollegium und Schulleitung sagen d\u00fcrften, ob der Lehrer zu der Schule passt oder nicht.<\/p>\n<p><span style=\"color: #808000;\">Kruse:<\/span> Das w\u00fcrde ich ganz schrecklich finden und ich kann es mir auch rechtlich nur schwierig vorstellen. Lehrer werden nach Eignung, Leistungen und F\u00e4higkeiten eingestellt und nicht danach, wie sie in der Schulkonferenz vortanzen. Aber ein st\u00e4rkeres Votum der Schulleitung \u2013 das w\u00fcrde ich mir w\u00fcnschen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #800000;\">Kreis:<\/span> Das sehe ich auch so \u2013 ein Votum der Schulleitung. Dass man dann schaut: Ist es ein Kollege, der zu uns passt? Oder hat er ganz andere Vorstellungen von Schule?<\/p>\n<h2><span style=\"color: #800080;\"><strong>KLASSE: Stichwort \u00bbInklusion\u00ab. Wie offen stehen Sie diesem Thema gegen\u00fcber?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"color: #800000;\">Kreis:<\/span> Die Lehrer wollen, dass die F\u00f6rderschule als zentrale Institution bestehen bleibt. Das ist auch wichtig. Ohne absprechen zu wollen, dass in dem ein oder anderen Fall die Kinder an einer Regelschule, wenn die Bedingungen da sind, unterrichtet werden k\u00f6nnen. Dem stehen wir auch offen gegen\u00fcber. Aber es ist wieder eine neue Herausforderung f\u00fcr uns, wo Kollegen geschult werden m\u00fcssen, wenn F\u00f6rderkinder oder Kinder mit Behinderungen an der Schule sind.<\/p>\n<p><span style=\"color: #808000;\">Kruse:<\/span> Ich h\u00e4tte mir gew\u00fcnscht, man h\u00e4tte klar und deutlich gesagt: Wir wollen Inklusion und daf\u00fcr stellen wir die notwendigen Ressourcen zur Verf\u00fcgung. Jetzt ist es umgekehrt: Wenn die Ressourcen da sind, bei denen unklar ist, ob sie geschaffen werden, dann kann Inklusion stattfinden. So wird es nicht funktionieren. An dieser Stelle finde ich das Schulgesetz besonders \u00e4rgerlich und besonders unehrlich.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #800080;\"><strong>KLASSE: Aber die Ressourcen-Frage wird doch im Gesetz gar nicht geregelt, sondern ist eine politische Frage.<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"color: #808000;\">Kruse:<\/span> Das stimmt. Aber die Ressourcen-Frage wird ja an genau dieser Stelle im Gesetz formuliert. Da steht: \u00bbWenn die Ressourcen vorhanden sind, dann kann man\u2026\u00ab Wenn man diesen Satz ausgespart h\u00e4tte, dann w\u00e4re eine Verpflichtung f\u00fcr die Haushaltsgesetzgebung entstanden.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #800080;\"><strong>KLASSE: Wie sieht denn die Sch\u00fclerschaft das Thema \u00bbgemeinsam lernen\u00ab?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\">Roderfeld:<\/span> Wir bef\u00fcrworten die Inklusion von Behinderten. Wir sprechen uns zwar auch f\u00fcr den Erhalt von F\u00f6rderschulen aus, aber sagen auch, dass bestimmte Leute mit bestimmten Bed\u00fcrfnissen integriert werden sollten. Insbesondere bei Lern- und K\u00f6rperbehinderten macht das auch Sinn. Wir sagen auch, dass es Kooperationsklassen geben muss. Da werden bestimmte Unterrichtsinhalte gemeinsam mit F\u00f6rder- und Regelsch\u00fclern gelehrt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #808000;\">Kruse:<\/span> Die Mehrheit der Sch\u00fcler mit F\u00f6rderbedarf, die wir in Sachsen haben, ist gar nicht an Schulen, wie beispielsweise einer Blindenschule. Kein Mensch w\u00e4re auf die Idee gekommen, gerade in diesem ersten Schritt, nun blinde K\u00f6rperbehinderte zu integrieren. Die Mehrheit, das sind Sch\u00fcler, die jetzt in Lernf\u00f6rderschulen oder Schulen f\u00fcr Erziehungshilfe sind. Damit m\u00fcssen wir uns doch auseinandersetzen: Wie es sein kann, dass in den \u00f6stlichen Bundesl\u00e4ndern, insbesondere Sachsen, ein so exorbitant hoher F\u00f6rderbedarf festgestellt wird. Gerade da ist Integration eigentlich dringend notwendig. Das erfordert aber Ressourcen, Fingerspitzengef\u00fchl und geschultes Personal.<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Lorenz:<\/span> Wir halten das Thema Inklusion f\u00fcr nicht ausgereift formuliert, weil es darin keine Rechtssicherheit f\u00fcr die Eltern gibt. Wir hatten au\u00dferdem externe Beratungsstellen angeregt, sodass Eltern erst einmal beraten werden \u2013 von einer unabh\u00e4ngigen Stelle. Die wird dann von Fall zu Fall entscheiden, ob eine Regelschule sinnvoll ist oder eine andere Einrichtung besser w\u00e4re. Das w\u00fcrde helfen, die Eltern vern\u00fcnftig zu beraten. Die Beratung muss vom Kinde ausgehen und nicht von Ressourcen oder pers\u00f6nlichen Befindlichkeiten abh\u00e4ngen.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #800080;\"><strong>KLASSE: Das Thema \u00bbGemeinschaftsschule\u00ab wurde nicht im neuen Gesetz verankert, die Zweigliedrigkeit bleibt bestehen. Sehen Sie das auch als den richtigen Weg?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"color: #800000;\">Kreis:<\/span> F\u00fcr mich ist der Weg der Mittelschule bzw. jetzt Oberschule ein gangbarer Weg. Wir haben \u00fcber viele Jahre ein System entwickelt, was gut funktioniert. Nat\u00fcrlich ist es eine gro\u00dfe Aufgabe zu gucken, welcher Bildungsabschluss f\u00fcr das Kind der richtige ist. Gerade f\u00fcr lernschwache Kinder ist die F\u00f6rderung an den Schulen eine ganz gro\u00dfe Herausforderung.<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Lorenz:<\/span> Wir h\u00e4tten es gern noch einen Schritt weiter: Dass die Schule, die die M\u00f6glichkeiten hat, es bis zum Abitur bringen kann. Das w\u00e4re eine Art Campus, der so flexibel ist, dass er sich den regionalen Bed\u00fcrfnissen anpassen kann. Das ist attraktiv und spart weite Wege.<\/p>\n<p><span style=\"color: #808000;\">Kruse:<\/span> Ich will jetzt nicht wieder die alten Diskussionen f\u00fchren. Und nat\u00fcrlich kenne ich den Koalitionsvertrag. Aber was ich nicht verstehe, ist, warum man Gemeinschaftsschulen in Sachsen verbietet. Warum untersagt man Eltern und Schultr\u00e4gern eine solche Schulkonstruktion? Warum k\u00f6nnen sich nicht Grund- und Mittelschulen zusammenschlie\u00dfen oder mehrere Mittelschulen, die eine gymnasiale Oberstufe drauf setzen? Es w\u00e4re ja nicht zwingend, alle Schulen zu Gemeinschaftsschulen zu machen. Das w\u00fcrde auch gar nicht passieren.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #800080;\"><strong>KLASSE: F\u00fcr \u00bbSchulen im l\u00e4ndlichen Raum\u00ab gibt es jetzt im Gesetzentwurf aber andere Alternativen, den Schulstandort langfristig zu sichern. Wie sehen Sie das?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"color: #808000;\">Kruse:<\/span> Was ich an dieser Stelle bedauere, ist, dass man mit dem jahrgangs\u00fcbergreifenden Unterricht \u2013 den ich f\u00fcr vern\u00fcnftig halte \u2013 so wie es jetzt geregelt ist, nur f\u00fcr kleine Standorte zul\u00e4sst. Er k\u00f6nnte ja auch ein Konzept f\u00fcr eine gro\u00dfe Schule im Zentrum von Leipzig, Dresden oder Chemnitz sein. Warum nicht? Ansonsten finde ich alle Anstrengungen gut, mit denen versucht wird, Schulstandorte so weit wie m\u00f6glich zu erhalten. Schon jetzt fahren Kinder viel zu lange, um eine Schule zu erreichen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #800000;\">Kreis:<\/span> Prinzipiell ist es gut, Schulstandorte zu erhalten. Was ich f\u00fcr kleine Oberschulen problematisch sehe, das sind die Wahlm\u00f6glichkeiten. Da sehe ich f\u00fcr Neigungskurse und Fremdsprachen schon ein Problem, sich da vielseitig zu orientieren.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\">Roderfeld:<\/span> Aus meiner Sicht sollte die Oberschule ein ganz anderes Profil haben: das praktische Profil. Und das sollte man auch mehr hervorheben, eine verst\u00e4rkte Durchl\u00e4ssigkeit zum Gymnasium ist daf\u00fcr nicht unbedingt entscheidend. Ich muss auch sagen, dass die Oberschule nicht den Ruf hat, den sie eigentlich haben sollte. Schlie\u00dflich meinen die meisten Eltern, sie m\u00fcssten ihr Kind aufs Gymnasium schicken. Ich finde, das ist ein echtes gesellschaftliches Problem.<\/p>\n<p><span style=\"color: #808000;\">Kruse:<\/span> Ich m\u00f6chte aber mal das Bem\u00fchen, gymnasiale Inhalte in den Unterricht holen zu k\u00f6nnen, positiv anerkennen. Es war der Versuch zu sagen: Die Oberschule ist keine Einbahnstra\u00dfe.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #800080;\"><strong>KLASSE: Gibt es Punkte im neuen Schulgesetz, die Sie besonders begr\u00fc\u00dfen?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"color: #808000;\">Kruse:<\/span> Wir loben die breite Beteiligung, wenn die ernst gemeint ist.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\">Roderfeld:<\/span> Wir begr\u00fc\u00dfen, dass im neuen Schulgesetz etwas zu Sch\u00fclervertretern drin steht und nun auch in Grundschulen Sch\u00fclervertreter, also Schulsprecher, gew\u00e4hlt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #800000;\">Kreis:<\/span> Ich finde es auch gut, dass man den Gesetzentwurf breit diskutieren kann. Dass man seine Meinung dazu sagen kann. Mein Punkt ist immer wieder, dass wir zwar jetzt gute Dinge im Schulgesetz haben, aber dass wir ringsherum die Bedingungen schaffen m\u00fcssen, damit viele Dinge umgesetzt werden k\u00f6nnen. Dass man Ressourcen hat, um gerade auch f\u00fcr die Oberschule als zentrale Schule eine Entwicklung voranzubringen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #808000;\">Kruse:<\/span> Es ist wichtig, dass das Schulgesetz einige neue Themen aufnimmt. Etwa Medienbildung. Die kam bisher gar nicht vor. Damit d\u00fcrfte Sachsen auch relativ innovativ sein. In anderen Schulgesetzen steht nur etwas von informationeller Bildung. Auch dass das Thema politische und demokratische Bildung einen besonderen Stellenwert findet, ist gut. Auch hier stellt sich nat\u00fcrlich die Ressourcen-Frage. Gerade was das Thema Mediengestaltung betrifft, fehlt es an Aus- und Fortbildung der Lehrkr\u00e4fte.<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Lorenz:<\/span> Insgesamt sind positive Ans\u00e4tze drin. Ein paar Eckpunkte fehlen uns als Eltern noch. Beispielsweise wollen wir in den Elterngremien die Eltern von Kindern der Kindertagesst\u00e4tten mit dabei haben, um die \u00dcberg\u00e4nge zu gestalten. Und wir m\u00f6chten die Eltern im Kreis- und Landeselternrat so lange vertreten k\u00f6nnen, wie unsere Kinder an den Bildungseinrichtungen sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrten Nicole Kirchner und Peter Stawowy.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die kommende Ausgabe unserer Zeitschrift \u00bbKLASSE\u00ab haben Vertreter von Landessch\u00fclerrat, Landeselternrat und GEW sowie eine Schulleiterin \u00fcber den Entwurf des neuen s\u00e4chsischen Schulgesetzes diskutiert. Brennpunktthemen dabei waren Eigenverantwortung und Inklusion. Einen Auszug aus dem Interview gibt es jetzt hier vorab.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,48],"tags":[64,66],"class_list":["post-1022","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildungspolitik","category-interview","tag-schulgesetz","tag-schulgesetznovelle"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1022","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1022"}],"version-history":[{"count":46,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1022\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1113,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1022\/revisions\/1113"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1022"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1022"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bildung.sachsen.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1022"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}