„Die Schüler haben mich schon voll akzeptiert“- Inklusionsassistenten ab diesem Schuljahr im Einsatz

„Die Schüler haben mich schon voll akzeptiert“- Inklusionsassistenten ab diesem Schuljahr im Einsatz

Es ist an diesem Freitag die dritte Stunde für eine 4. Klasse an der 6. Grundschule in Dresden.  Deutsch steht auf dem Stundenplan. Die Lehrerin erklärt gerade, dass heute jedes Kind eigenständig Aufgaben zum Buch „Sams Wal“ lösen soll. Rege Betriebsamkeit setzt ein. Aus einem bunten Kasten holen sich die Schüler verschiedene Aufgabenblätter. Doch nicht alle sitzen allein über den Aufgaben.

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Nancy Preußger unterstützt einen Schüler beim Bewältigen der Aufgabe

FullSizeRender (13)Neben der Klassenlehrerin gibt es noch Nancy Preußger, die sich besonders intensiv um drei Schüler der Klasse kümmert. Sie ist eine von 174 Inklusionsassistenten, die seit diesem Schuljahr an öffentlichen und freien Schulen in Sachsen eingesetzt werden. Ihre Aufgabe ist es, die Lehrer beim gemeinsamen Unterricht zu unterstützen und damit die UN-Behindertenrechtskonvention an den Schulen in Sachsen  umzusetzen. Nancy Preußger  ist an der 6. Grundschule für insgesamt neun Kinder der Klassenstufen 2 bis 4 zuständig.

Bessere Chancen für Schüler mit Förderbedarf

Nancy Preußger ist Ergotherapeutin und Diplom-Pädagogin. Schon immer war es ihr Wunsch, Kindern zu helfen, die  mehr Unterstützung als andere benötigen. Das Projekt „Inklusionsassistent“ kam deshalb für sie genau richtig. Die Inklusionsassistenten stärken Kinder und Jugendliche mit Behinderungen oder sonderpädagogischem Förderbedarf, damit sie gleichberechtigt ihren Bildungsweg gehen können. Damit steigen ihre Chancen, die Schule erfolgreich zu schaffen und den höchstmöglichen Schulabschluss abzulegen. Präventiv unterstützen die Inklusionsassistenten auch Schüler, bei denen ein Förderbedarf entstehen könnte.

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Inklusionsassistentin Nancy Preußger

„Die Kinder kommen in der heutigen Zeit mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule. Einige haben Schwierigkeiten beim Lernen, zum Beispiel sich zu konzentrieren, den Lernstoff aufzunehmen oder Aufgaben umzusetzen. Gleichzeitig zeigen andere sozial-emotionale Auffälligkeiten.“ Diese Kinder möchte ich so unterstützen, dass sie gemeinsam im Klassenverband lernen können und das Klassenziel erreichen“, sagt Nancy Preußger. Ein wichtiger Teil der Arbeit sei auch das soziale Lernen wie Konfliktlösungen in der Hofpause.

Sie begleitet die Schüler aber nicht nur im Unterricht, sondern auch bei Klassenausflügen und Exkursionen. Ebenso unterstützt sie die Lehrer bei der Elternarbeit und Elternabenden. „Die Lehrer haben mich alle ganz toll aufgenommen im Team“, freut sich Nancy Preußger. „Klar, ich muss erst einmal meine Rolle an der Schule finden und schauen, wie die Lehrer arbeiten und worauf sie Wert legen.“ Bisher hat das aber gut geklappt. Das Vertrauen der Eltern zu bekommen, ist allerdings nicht immer leicht, denn sie müssen vorher zwei Fragebögen ausfüllen und der  Zusammenarbeit mit der Inklusionsassistentin zustimmen. Doch auch dafür nimmt sich Nancy Preußger viel Zeit. Die Schüler jedenfalls haben sie schon voll akzeptiert und genießen die zusätzliche Zuwendung.

Fakten zu den Inklusionsassistenten

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Die 4. Klasse der 6. Grundschule Dresden im Unterricht

Das Projekt wird durch Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds und durch den Freistaat Sachsen finanziert. Insgesamt stehen für die Projektlaufzeit von fünf Jahren rund 51 Millionen Euro bereit. Die Inklusionsassistenten sind ausgebildete Erzieher, Heilerziehungspfleger oder besitzen einen Berufsabschluss im sozialen oder pädagogischen Bereich, mindestens auf Fachschulniveau. In den ersten Wochen ihres Einsatzes werden sie in einem Qualifizierungskurs auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe im Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung bzw. sonderpädagogischem Förderbedarf vorbereitet. In dem Kurs werden die Teilnehmer für die Besonderheiten individueller Förderbedarfe sensibilisiert und mit einem umfassenden Handlungsrepertoire ausgestattet. Die Inklusionsassistenten werden an Grundschulen, Oberschulen, Gymnasien, Schulen zur Lernförderung und Berufsbildenden Schulen eingesetzt. Es sind öffentliche Schulen und Schulen in freier Trägerschaft dabei. Inklusionsassistenten

 

Wissenschaftler der TU Chemnitz begleiten das Projekt

Während des gesamten Zeitraumes begleitet außerdem die Professur Allgemeine und Biopsychologie der TU Chemnitz das Projekt. Dabei werden die Wissenschaftler alle Prozesse des Projekts kontinuierlich analysieren. „Hierbei betrachten wir auch die individuelle Entwicklung der inklusiv lernenden Schüler“, so Projektleiter Dr. Andreas David. Außerdem soll damit eine Online-Plattform für den inhaltlichen Austausch zwischen den Inklusionsassistenten, deren Trägern, dem Kultusministerium sowie dem wissenschaftlichen Team der TU geschaffen werden.

 

Manja Kelch, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

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  1. […] und Jugendliche mit Behinderungen oder sonderpädagogischem Förderbedarf zu unterstützen, sind bereits seit Sommer 2016 an 173 sächsischen Schulen Inklusionsassistenten tätig. Zum Schuljahr 2017/18 wurden in einer zweiten Verfahrensrunde weitere Schulen ausgewählt, […]

  2. […] Erfahrungen aus dem Schulversuch flossen in das neue Schulgesetz ein. Seit 2016 unterstützen Inklusionsassistenten Schulen bei der Integration von Kindern mit […]

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