Neues Schulfach soll Gymnasiasten besser auf das Berufsleben vorbereiten

Neues Schulfach soll Gymnasiasten besser auf das Berufsleben vorbereiten

Mit dem neuen Schuljahr wird Schülern der Jahrgangsstufen 11 und 12 auch ein neues Schulfach angeboten. Acht Gymnasien in Sachsen haben sich auf den Weg gemacht und bieten ihren Schülern erstmals den Grundkurs „Auf dem Weg ins Berufsleben“ an. Kern des fächerverbindenden Grundkurses ist es, die Gymnasiasten bei der Berufs- und Studienwahl zu begleiten und sie auf die Anforderungen der Arbeitswelt vorzubereiten.

„Was will ich mal werden? Welcher Job passt zu mir?“ – diese Fragen stellen sich Schülerinnen und Schüler spätestens dann, wenn das Ende der Schulzeit naht. Abiturienten denken dabei meist an ein Studium. Doch der Besuch einer Hochschule muss nicht immer die richtige Entscheidung sein.

Die eigenen Möglichkeiten zu entdecken, einen Berufswunsch zu entwickeln und schließlich die Anforderungen und Wege zum passenden Beruf oder Studium zu kennen, dabei soll jetzt ein neuer Grundkurs den Schülern der 11. und 12. Jahrgangsstufen helfen.

„Gymnasiasten ist meist die Bandbreite der Ausbildungsberufe und dualen Studiengänge wenig bekannt. Dies kann zu falschen Entscheidungen und letztlich zum Abbruch des eingeschlagenen Bildungsweges führen. Ziel muss es daher sein, dass junge Menschen ihren beruflichen Weg nach eigenen Interessen und Fähigkeiten auswählen und nicht nach der besuchten Schulform“, begründet Kultusministerin Brunhild Kurth das neue Unterrichtsangebot.

Perspektiven kennen

Der neue Grundkurs fördert die Kompetenzen der Schüler, sich der Herausforderung „Berufswahl“ zu stellen. So unterstützt der Kurs laut Lehrplan im Lernbereich 1 „Strategien zur Selbsteinschätzung“ die Jugendlichen dabei, ihre Stärken und Neigungen zu erkennen. Neben herkömmlichen Strategien der Berufs- und Studienorientierung wie Praktika, Internetrecherche und Beratungen in der Arbeitsagentur oder Universitäten, werden auch psychologische Tests und Berufseignungstests angewendet.

Im Lernbereich 2 „Weg in die Arbeitswelt“ werden an erster Stelle die Vielfalt und der Aufbau von Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten aufgezeigt. Im Mittelpunkt stehen die Karriereperspektiven der dualen Ausbildung sowie moderne Berufsfelder, die oftmals verkannt werden. Der Grundkurs soll daher gezielt die Entwicklungschancen und Bereiche der beruflichen Ausbildung in den Fokus rücken.

In den ersten beiden Lernbereichen werden die Schüler mit den Anforderungen als Auszubildender, Student und Arbeitnehmer vertraut gemacht: Soft Skills, Fremdsprachen, PC-Kenntnisse und der digitale Fußabdruck werden thematisiert. Das Gestalten von Bewerbungsunterlagen und das Führen von Bewerbungsgesprächen werden ebenso trainiert. Der Grundkurs ist praxisorientiert und realitätsbezogen angelegt und basiert dabei auf der Kooperation mit regionalen Unternehmen, Hochschulen, Berufsberatungszentren, Kammern und Verbänden sowie der Agentur für Arbeit.

Tarifverträge, Sozialversicherung, Kündigung & Co.

© Frank Grätz

Auf dem Lehrplan stehen zudem im dritten Lernbereich die „Anforderungen der Arbeitswelt“, wie berufsspezifische Arbeitsbelastungen, Unternehmenskultur, die zunehmende Digitalisierung und Globalisierung. Rechtliche und organisatorische Fragen werden im letzten Lernbereich thematisiert. Welche Finanzierungsmöglichkeiten für Ausbildung und Studium gibt es? Wie organisiere ich mein Studium? Was gilt es bei Abschluss eines Arbeitsvertrages zu beachten?

Am Ende des Grundkurses entwerfen die Schüler eine persönliche, realistische Zukunftsplanung unter Berücksichtigung rechtlicher, finanzieller und organisatorischer Fragen von Berufsausbildung oder Studium. Die Gymnasiasten sollen daneben die Bereitschaft entwickeln, sich mit ihren individuellen Fähigkeiten in die Gesellschaft einzubringen.

Weitere Fortbildungen für Lehrer geplant

Zwei weitere sächsische Gymnasien planen bereits, den Grundkurs im nächsten Schuljahr 2018/19 anzubieten. Konnten sich Lehrkräfte schon im vergangenen Schuljahr für den Grundkurs fortbilden, werden im November 2017 und Juni 2018 zwei weitere Veranstaltungen zu den einzelnen Lernbereichen im Fortbildungskatalog ausgeschrieben.

Bianca Schulz, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

6 Kommentare

  1. Samuel Schinkel 4 Wochen vor

    Vielleicht wäre auch ein Scuhlfach „So kommuniziere ich mit dem Regionalschulamt“ ein wichtiges Fach. Falls man später mal Lehrer werden möchte.

  2. Kristin Wrubel 1 Monat vor

    Endlich! Der digitale Fußabdruck! PC Kenntnisse! Kommt vielleicht ein bisschen spät in der Schullaufbahn, hat sicherlich auch nicht den Umfang, den es eigentlich bräuchte, aber immerhin wird etwas unternommen (neben dem Informatikunterricht). Weiter so! Das ist doch schön! Sachsen hat begriffen, dass man mit Kreide und Tafel die Schüler nicht mehr unbedingt zeitgemäß auf das Berufsleben vorbereitet. Hand hoch wer an seinem Arbeitsplatz nicht am Computer arbeitet!

  3. Dietmar Rößler 1 Monat vor

    Als Studienberater habe ich sehr oft mit Schülern zu tun. Und erfahre hautnah, dass Informationen über Studienbewerbung, Studiengangswahl, Eignung sehr schwierig sind. Und muss natürlich auch feststellen, dass die Möglichkeit, an Schulen „aufzutreten“ nicht groß sind. Das Fach gibt möglicherweise etwas Raum dafür…
    In 20 Jahren Berufspraxis als Berater habe ich einiges gelernt. Das ich gerne weitergeben möchte. Auch, was möglicherweise unglaubhaft klingt, aber ernst gemeint ist, ohne eigennützige Hintergedanken…
    Für mich wäre es interessant zu wissen, welches die 7 (oder 8?) Gymnasien sind, wo das startet…

    • Autor
      Bianca Schulz - SMK 1 Monat vor

      Sehr geehrter Herr Rößler,
      vielen Dank für Ihren Kommentar und die Anfrage. Folgende Gymnasien bieten den Grundkurs an:
      Dr.-W.-André-Gymnasium Chemnitz, Bertolt-Brecht-Gymnasium Schwarzenberg, Humanistisches Greifenstein-Gymnasium Thum, Städtisches Gymnasium Riesa, Pestalozzi-Gymnasium Heidenau, Gymnasium Brandis, Gymnasium Engelsdorf/Gymnasium der Stadt Leipzig sowie das Internationale Gymnasium in Geithain.
      Nach derzeitiger Kenntnis planen zudem das Sportgymnasium Dresden und das W.-v.-Siemens-Gymnasium Großenhain ab dem Schuljahr 2018/19 den Grundkurs einzuführen.

      Mit freundlichen Grüßen!

  4. Tim 1 Monat vor

    Ich sehe das leider eher kritisch. Zum einen, da ich die Sinnhaftigkeit anzweifle: Es gab ja auch früher schon Fächerübergreifende Wahlgrundkurse. Ergebnis dieser war meist, das man vieles ein bisschen gemacht hat und am Ende nichts richtig. Dies trifft ja sowieso schon auf so einige Fächer zu …

    Was mich aber noch viel mehr stört, sind solche Sachen: „Studium bei Bundeswehr […]“. Ernsthaft? Kling mir sehr nach Werbung für eine militärische Laufbahn. Allgemein habe ich eine gewisse Angst, dass dieser Wahlgrundkurs ganz schnell zu Werbung für bestimmte Interessensgruppen wird (Ach ist der Bologna-Prozess nicht toll? Lang lebe die Verschulung der Universitäten …. Denk immer brav daran, dass du nicht nur das machen sollst, was dich wirklich interessiert, sondern auch schön das was die deutsche Wirtschaft gerade braucht. Und immer schön in Regelstudienzeit fertig sein! Am besten du weißt vorher schon genau was du machen willst…).

    Ja, das mag jetzt etwas polemisch sein. Es kann gut sein, dass es auch gut umgesetzt wird und einen echten Mehrwehrt darstellt. Ich persönlich finde aber, dass man diesen Weg in das Berufsleben (was an sich schon ein fragwürdiger Titel ist, für einige ist es auch erstmal der Weg ins Studium ohne konkrete Berufsvorstellungen, was bei einigen Studiengängen ja durchaus angebracht ist!) ruhig den Jugendlichen selbst überlassen kann und sich die Oberstufe mal auf den Ausbau der Fächer konzentrieren sollte, die sie hat.

  5. Sven Hofmann 1 Monat vor

    Ein guter Ansatz! Aber hierbei gleich von einem neuen „Schulfach“ zu sprechen, wenn es doch eigentlich ein fächerübergreifender Wahlgrundkurs ist?
    Es gab solche Grundkurse zu unterschiedlichen Themen auch schon an anderen Schulen – bis diese vielfach wieder eingingen, wegen Schüler- oder eher Lehrermangel. Warum auch sonst.
    Ich wünsche den Kurslehrer*innen viel Erfolg! Schön dass Sie noch so viel Enthusiasmus entfalten.

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