Interview: Tipps zum Schuljahresbeginn

Interview: Tipps zum Schuljahresbeginn

Die Sommerferien neigen sich in Sachsen langsam dem Ende entgegen. Ein neues Schuljahr ist immer mit vielerlei Neugier, Erwartung und Aufregung verbunden. Mit einfachen Tipps von  Dr. Marina Beese, Referatsleiterin in der Sächsischen Bildungsagentur und  zuständig für Fragen der schulpsychologischen Beratung sowie schulischen Gesundheitsförderung und Prävention, kann der Schulstart für Schüler, aber auch Eltern und Lehrer entspannt gelingen.

Die meisten Schüler freuen sich sicher auf das neue Schuljahr, vielen wird die Umgewöhnung allerdings schwer fallen. Was können Schüler und Eltern schon vorab tun, um sich auf den Schuljahresstart einzustimmen?

Ein neues Schuljahr ist ein kleiner Neubeginn. Daher sollten „Altlasten“ wie schlechte Noten auf dem Zeugnis nicht mehr thematisiert werden. Negative Erfahrungen müssen sich nicht zwangsläufig wiederholen! Die Eltern sollten ihre Kinder vor dem ersten Schultag auch nicht unter Druck setzen und Drohungen aussprechen. Vielmehr kann über die Erwartungen an das neue Schuljahr gesprochen werden, an neue Lehrer oder Mitschüler. Worauf freut sich der Schüler? Wovor hat er vielleicht Angst? Vielen Kindern hilft es, wenn sie sich noch in den Ferien mit Schulfreunden treffen. So können sie sich über die Ferienerlebnisse und den Schulstart austauschen.

Damit der erste Schultag nicht chaotisch wird, bedarf es einer guten Vorbereitung. Was ist unverzichtbar für den optimalen Schuljahresbeginn?

Ganz wichtig ist: Ruhe bewahren! Eltern sollten die eigene Aufregung nicht auf das Kind übertragen. Bücher und Unterrichtsmaterialien können bereits im Vorab besorgt, der Schulranzen rechtzeitig gepackt und vor allem geordnet werden. Was wird nicht mehr gebraucht? Was muss ersetzt werden? Das schafft Ordnung in der Tasche und auch im Kopf. Beim gemeinsamen Aussortieren und Durchblättern alter Hefte sollten Eltern sich Zeit nehmen und bei der Gelegenheit mit den Kindern auch Erfolge in Erinnerung rufen.

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„Am ersten Tag das unterschriebene Zeugnis nicht vergessen!“

 

Dr. Marina Beese, Sächsische Bildungsagentur

Neue Schulsachen bringen Vorfreude auf die Schule! Bei einem gemeinsamen Einkauf findet sich bestimmt auch das ein oder andere coole Unterrichtsmaterial, das auf die Schule positiv einzustimmen hilft. Immer mal wieder eine kleine Überraschung zum Pausenbrot beilegen, gerade am Schuljahresanfang, verschönert auch den Schulalltag. Das kann auch einfach ein Zettel mit lieben Worten sein.

Bei einem Schulwechsel muss vorher unbedingt der neue Schulweg durchgesprochen werden. Kennt das Kind den neuen Weg, die Buslinie und richtige Haltestelle?

Stichwort Ranzen packen: Was können Sie empfehlen, um Schüler vor unnötig schweren Rucksäcken zu bewahren?

Viele Schulen bieten Schließfächer an oder erlauben, einige Unterrichtsmaterialien im Klassenraum zu belassen. Einige Kinder und Jugendliche neigen auch dazu, immer alle Bücher mitzunehmen, um ja nichts zu vergessen – oder aus Bequemlichkeit. Gerade mit jüngeren Schülern sollte geübt werden, den Ranzen optimal zu packen. Das heißt, nur einpacken, was laut Stundenplan wirklich gebraucht wird, große und schwere Bücher nach hinten nah an den Rücken packen und das Gewicht gleichmäßig in der Tasche verteilen, damit die Wirbelsäule nicht einseitig belastet wird. Wenn es erlaubt und möglich ist, kann mit dem Banknachbarn ein Buch geteilt werden. Das sollte aber mit dem Lehrer abgestimmt sein.

Ist es ratsam, schon Wochen vor dem Schuljahresbeginn die Schlafenszeit anzupassen?

Nach sechs Ferienwochen ist es für Schüler schwierig, sich wieder an das rechtzeitige Zubettgehen und Aufstehen zu gewöhnen. Daher ist es günstig, schon in der letzten Ferienwoche mit der Umstellung auf den normalen Rhythmus zu beginnen. Grundschulkinder sollten neun bis zehn Stunden schlafen.

An den ersten Schultagen sollte etwas früher aufgestanden werden, um in Ruhe frühstücken zu können und Zeitdruck zu vermeiden. Günstig ist auch, Rituale aus der Ferienzeit zu übernehmen: Morgens noch einen Moment kuscheln, Lieblingsmusik einschalten, ein besonderes Frühstück.

Jugendliche benötigen während der „Umbauarbeiten“ im Körper und Kopf etwa eine Stunde mehr Schlaf. Fatal ist dabei, dass die innere Uhr der Jugendlichen sie erst gegen 23 Uhr einschlafen lässt. Deshalb sollten Jugendliche versuchen, wochentags zumindest acht Stunden Schlaf zu bekommen, am Wochenende dann zehneinhalb Stunden. Damit können sie sich erholen ohne die innere Uhr durcheinanderzubringen.

Für viele Kinder ist das Stillsitzen in den Stunden eine große Herausforderung. Welche (Pausen-) Tipps haben Sie für eine bessere Konzentration im Unterricht?

Erholung und Abwechslung sind für das Gehirn wichtig. Nur so kann es neue Energie tanken. Deshalb sind ein gesundes Frühstück und Pausenbrot sowie ausreichend trinken wichtig. Bewegung fördert die Konzentration ebenfalls – am besten an der frischen Luft!

Nach sechs Wochen Ferien haben sich die Kinder und Jugendlichen viel zu erzählen. Haben Sie auch einen Tipp für Lehrer, wie die Balance zwischen dem dringenden Mitteilungsbedürfnis der Schüler und dem Einstieg in den Unterricht zu erreichen ist?

Lehrer sollten den Schülern ein „Ankommen“ in der Schule ermöglichen und gerade am ersten Schultag genügend Zeit dafür einplanen. In einer gemeinsamen Runde kann jedem Schüler etwas Sprechzeit eingeräumt werden, um von seinen Ferien zu erzählen. Denkbar ist auch eine Plakatgestaltung. Zum Start ist es auch hilfreich, wenn die Lehrkräfte einen strukturierten Überblick über das Schuljahr geben: Rituale zum Stundenbeginn vereinbaren und mit Fragen gemeinsam das Schuljahr planen: „Was wollen wir erreichen? Welche Projekte und Ausflüge erwarten uns? Welche AGs bietet die Schule an?“ Eindeutige und transparente Vorgaben für den Unterrichtsablauf und das Abklären gegenseitiger Erwartungen erleichtern den Start.

Im Laufe des Schuljahres wird es nicht ausbleiben, dass eine schlechte Note ins Haus flattert. Wie sollten Schüler und Eltern am besten mit einem Misserfolg umgehen?

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Misserfolge gehören zum Leben. Wichtig ist der Umgang mit ihnen – das müssen Kinder lernen. Fehler sind ein normaler und notwendiger Teil des Lernprozesses. Das müssen Kinder auch spüren.Es sollten kleine Veränderungen angestrebt und dann gelobt werden. Erfolge und Veränderungen stellen sich nicht über Nacht ein. Kinder brauchen auch ein Gefühl von Sicherheit – Zuhören und Verständnis sind hier sehr wichtig. Nach Lösungen sollte auch gemeinsam gesucht werden. Ein enger Kontakt zum Klassenlehrer, der regelmäßige Besuch von Elternabenden und vor allem das rechtzeitige Gespräch mit Fachlehrern bilden den Rahmen für eine gelingende Unterstützung.

Gibt es etwas, das Sie den Schülern und Eltern mit auf den Weg geben wollen?

Viele Kinder und Jugendlichen beklagen sich, dass ihre Eltern ihnen zu wenig Vertrauen entgegenbringen. Deshalb sollten sich Eltern bemühen, mehr zu vertrauen und weniger zu kontrollieren. Wichtiger als ständig gute Noten ist ein glückliches und vielfältig interessiertes Kind, das die Möglichkeit hat, ein gesundes Selbstvertrauen zu entwickeln. Lernen beinhaltet viel mehr als schulische Leistungen. Druck und Erwartungshaltungen führen meistens zum genauen Gegenteil: Blockaden und Konzentrationsproblemen. Zeit, Zuwendung und Zuneigung erreichen häufig mehr.

Bianca Schulz, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

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