Lehrereinstellungen für das neue Schuljahr laufen auf Hochtouren

Lehrereinstellungen für das neue Schuljahr laufen auf Hochtouren

Das neue Schuljahr beginnt zwar erst in elf Wochen, doch die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren. 1200 neue Lehrerinnen und Lehrer sollen bis zum Schuljahresstart eingestellt werden. Doch der Lehrerarbeitsmarkt ist leergefegt, wie aktuelle Bewerberzahlen zeigen.

Verteilung der geplanten Neueinstellungen

Der Plan klingt anspruchsvoll. Das neue Schuljahr soll mit 1200 neuen Lehrerinnen und Lehrern starten. Die geplanten Neueinstellungen verteilen sich wie folgt:

Nach Schulart:
Grundschule: 376
Oberschule: 370
Förderschule:138
Gymnasium: 204
Berufsbildende Schule: 112

Nach SBA / Regionalstelle:
Bautzen: 167
Chemnitz: 229
Dresden: 298
Leipzig: 375
Zwickau: 131

Lehrerbedarf und Bewerberlage stimmen nicht überein

Bis zum 13. April bewarben sich auf die freien Stellen 1699 Personen, davon kommt rund ein Viertel aus anderen Bundesländern. Auf den ersten Blick scheint die Bewerberlage damit auskömmlich zu sein. Doch auf den zweiten Blick wird klar, Lehrerbedarf und Bewerberlage stimmen in weiten Teilen nicht überein.

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Infostand „Lehrer werden in Sachsen“ auf der Messe Karrierestart im Januar 2016

So verfügen lediglich 63 Prozent der Bewerber über einen grundständigen Lehramtsabschluss. 70 Prozent der im Lehramt ausgebildeten Bewerber interessieren sich wiederum nur für die Ballungsräume Leipzig und Dresden. 60 Prozent der Nachwuchskräfte mit Lehramtsabschluss sind für die Schulart Gymnasium ausgebildet. Mehr noch: Der Blick in die studierten Fächerkombinationen zeigt zudem, dass lediglich 14 Prozent der ausgebildeten Bewerber für die Oberschule und das Gymnasium ein Fach im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) studierten. Die freien Stellen zu besetzen, wird also schwierig. Hinzu kommt, dass um die wenigen ausgebildeten Lehrer bundesweit ein harter Wettbewerb entbrannt ist.

Grund genug für die Sächsische Bildungsagentur, schneller zu sein als andere. Als erstes Bundesland startete Sachsen Mitte April mit dem Einstellungsprogramm. Bis dato sind 760 Verträge unter Dach und Fach. Dennoch zeichnet sich bereits jetzt ab, dass wie im vergangenen Jahr viele Stellen mit Seiteneinsteiger besetzt und zahlreiche Lehrkräfte schulartfremd eingestellt werden. Klar ist auch, dass in Vorbereitung des neuen Schuljahres die Klassen so effizient wie möglich gebildet werden. Nur so wird im nächsten Schuljahr vor jeder Klasse auch ein Lehrer stehen.

Dirk Reelfs, Pressesprecher im Sächsischen Staatsministerium für Kultus

3 Kommentare

  1. Babett Tauber 11 Monaten vor

    Zitat: „vor jeder Klasse wird ein Lehrer stehen“. Nein, dies wird nicht passieren! Es wird vor jeder Klasse eine Person stehen. Die meisten davon werden nicht die dazugehörige Ausbildung mitbringen. Und auch bei denjenigen, die eine Lehramtsausbildung haben, wird diese sicherlich nicht für die Schulform die geeignete sein. Wenn man im Studium und Referendariat gelernt hat, mit Leistungskursen Goethes Faust zu interpretieren hat man noch lange nicht die Kenntnisse, Grundschülern das Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Aber man kann sich ja jede Statistik zurecht biegen.
    Und es wird auch nichts helfen, wenn Sachsen „schneller als andere“ sein wird, solange man die Arbeitsbedingungen nicht ändert. Und ich spreche aus Erfahrung: nicht verbeamteten Lehrern fällt es viel einfacher, Verträge zu kündigen, sobald sich wo anders ein besserer Arbeitsvertrag mit besseren Arbeitsbedingungen bietet! Wachen Sie endlich auf! Es gibt in Deutschland eine Schulpflicht und Sie sind verpflichtet, eine adäquate „Betreuung“ an den Schulen bereit zu stellen. Und ich habe mit Bedacht das Wort Betreuung gewählt. Die jungen gut ausgebildeten Akademiker sind nicht auf schlechte Angebote angewiesen. Die Zeiten sind vorbei!
    Es schmerzt mich schon seit Jahren zuzusehen, wie die Bildungslandschaft in Sachsen vor den Baum gefahren wird.

  2. Janine Stock 11 Monaten vor

    Wie viele Bewerbungen sind es denn nun? Laut Antwort auf die Kleine Anfrage Drs. 6/5023 von Frau Falken mit dazugehöriger Anlage sind 1.999 Bewerber und nicht 1.699?

    • Manja Kelch - SMK 11 Monaten vor

      Es sind 1699 und nicht 1999. Die letztere Zahl war Ergebnis einer ersten Prüfung der Bewerbungen. Zwischenzeitlich ist die Bewerberliste bereinigt worden, so dass am Ende 1699 Bewerbungen auf dem Tisch liegen.

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