Eine Frage der Gerechtigkeit: Wir müssen auch die Leistungsstarken fördern

Eine Frage der Gerechtigkeit: Wir müssen auch die Leistungsstarken fördern

Lange hat sich in der Bildungsdiskussion alles um die Frage gedreht: Wie können wir die leistungsschwachen Schüler fördern? Intensiv haben sich Bildungspolitik und Schulen um diese Schüler gekümmert und das nicht ohne Erfolg, wie Bildungsstudien zeigen. Doch nun ist es an der Zeit, auch die leistungsstarken Schüler besser zu unterstützen. Nicht zuletzt ist auch das eine Frage der Chancengerechtigkeit. Unter der Präsidentschaft von Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth hat die Kultusministerkonferenz deshalb im Juni 2015 erstmals eine Förderstrategie dazu verabschiedet. Jetzt haben Sachsen, Hessen und Bayern als erste Bundesländer beschlossen, bei der Umsetzung der Förderstrategie eng miteinander zusammenzuarbeiten.

Sachsen, Bayern und Hessen preschen mit Vereinbarung vor

Auf der gemeinsamen Konferenz „Perspektiven der Begabtenförderung“ haben die drei Länder heute den Startschuss für die Zusammenarbeit in der Begabtenförderung gegeben. So wird eine gemeinsame Koordinierungsgruppe den Austausch zwischen den Bildungsangeboten, Netzwerken und Beratungsstellen für Begabte organisieren. Außerdem geplant sind gemeinsame Fortbildungen für Lehrer und gegenseitige Besuche zwischen Schüler- und Lehrergruppen. Die drei Bundesländer sind zudem offen für weitere interessierte Länder, die sich der Initiative anschließen möchten.

Deutschland hat bei PISA geringeren Anteil an Spitzenschülern als andere Länder

Die Ergebnisse internationaler Leistungsvergleichsstudien (TIMSS, PISA) zeigen, dass Deutschland bisher in den zentralen fachlichen Domänen einen weitaus geringeren Anteil an Spitzenschülern hat als andere hochmoderne Staaten. Wir brauchen jedoch die Leistungsstarken für unsere Wirtschaft und unsere wissenschaftliche Entwicklung. Es wäre zudem ungerecht, wenn wir die Potenziale unserer Talente nicht voll entwickeln würden. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat deshalb im Juni eine Förderstrategie für Leistungsstarke verabschiedet. Damit sollen diese Schüler besser erkannt, systematisch gefördert und begleitet werden. Zwar fängt kein Bundesland bei der Förderung von leistungsstarken Schülern bei null an, doch der Blick in die Länder zeigt, dass der Umsetzungsgrad der Empfehlungen sehr stark variiert.

Sachsen in Vorreiterrolle

Sachsen kann zum Beispiel schon sehr viel vorweisen: Von der Diagnostik durch die Beratungsstelle für Begabtenförderung in Meißen über die Gymnasien mit vertiefter Ausbildung bis hin zu St. Afra als Spezialschule für Hochbegabte. Ein umfassender Überblick zur Begabtenförderung in Sachsen ist auf unserem Bildungsserver zu finden.

Manja Kelch, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

2 Kommentare

  1. Kohl, Jeannette 2 Jahren vor

    Ich finde es sehr gut das dieses Thema mehr Aufmerksamkeit bekommt. Ich bin Mutter eines Kindes mit Teilhochbegabung und es kann sich niemand vorstellen was mein Kind und wir als Familie für schwere Jahre hinter uns haben. Schon im Kindergarten war mein Kind auffällig, hauptsächlich durch aggressives Verhalten. Damit war er ganz schnell in einer Schublade gelandet. Begonnen hat mein Kind seine schulische Laufbahn in der Förderschule. Mein Kind hat viele Besuche bei Psychologen und Therapeuten erlebt. Diese erkannten auch sein Potential und versuchten den Lehrern zu vermitteln das mein Kind gefördert werden muss. Selbst eine Mitarbeiterin war in der Schule meines Kindes und bot ihre Hilfe an. Ohne Erfolg! Mein Kind hat sich durch die ablehnenden Erfahrungen,die er seit der Grundschule gemacht hatte, zu einem Underachiever entwickelt.
    Ja Sachsen hat eine Beratungsstelle für Hochbegabte und sie machen auch einen tollen Job. Ich danke ihnen, auf diesem Weg, für ihre Unterstützung. Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, das unsere Lehrer viel zu wenig geschult sind, was das Thema Hochbegabung betrifft. Vielen ist nicht bewusst, das einer hoher IQ nicht gleichzeitig bedeutet das ein Kind alles weis. „Ich denke du bist so schlau?“ Vielen Lehrern ist nicht bewusst, das Kinder mit einem hohen IQ genauso lernen müssen, das sie nur anders lernen und deshalb auch eine andere Förderung brauchen.
    Deshalb kann ich es nur begrüßen das sich diesem Thema mehr angenommen wird. Leider wird mein Kind davon nicht mehr profitieren können. Er ist jetzt aber glücklich in einer Privatschule, fühlt sich nun endlich verstanden und hat das Ziel sein Berufsabitur zu machen. Seit unser Kind mit Freude in die Schule geht, ist unser gesamtes Familienleben entspannt.

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